Blüten & Perlen: Werbung im Sommerloch

In ihrer Kolumne nimmt Sarah Pally liebgewonnene Marketing-Weisheiten auseinander. Dieses Mal widmet sie sich dem Mythos Sommerloch und erklärt, warum die angeblich verschwundene Zielgruppe gerade in den Ferien oft besonders gut erreichbar ist.

Auch im Sommer verbringen viele Stunden auf Instagram. Quelle: zvg

Das elfte Gebot

Im Sommer will niemand kommunizieren, weil «die Zielgruppe» in dieser Zeit offenbar vom Erdboden verschluckt wird. Also wimmelt es von irgendwelchen austauschbaren Splish-Splash-Sommeraktionen – kaum voneinander unterscheidbar und nahtlos in die Back-To-School-Ästhetik übergehend. Und dann wars das auch schon wieder für dieses Jahr. Der Sommer in der Schweiz ist zwar kurz, aber so fühlt sogar der sich ewig an.

Wo sind denn all die konsumierenden Leute? Ein guter Teil davon steckt irgendwann zwischen Mitte Juni und Ende August vielleicht tatsächlich mal zwei Wochen in den Ferien. Aber doch nicht alle gleichzeitig. Und ausserdem ist man ja nicht ab von der Welt.

Cappuccino in Bibione

Nur weil früher Politikbetrieb, Ämter und Kultur im Sommer vorübergehend stillgestanden sind und es darum weniger Neuigkeiten gab, tun heute alle so, als wäre es ein Naturgesetz, dass man im Sommer nicht kommuniziert. Das elfte Gebot lautet gewissermassen: Du sollst nicht in den Sommerferien Werbung machen! Und fanatische Anhänger:innen gibt es viele.

Das Sommerloch ist zum Dogma geworden. Vielleicht auch aus Eigennutz. Man will ja nicht das ganze Jahr über Gas geben müssen, man wird ja wohl mal noch etwas kürzer treten dürfen uswusf. Und es lässt einen besonders klug klingen, wenn man im Meeting sagt «aber das muss unbedingt noch VOR den Sommerferien raus, bevor ALLE WEG SIND!!!!?!»

Kleiner spielverderbender Spoiler: Dieselben Leute, die angeblich den ganzen Juli und August nicht erreichbar sind, verbringen in dieser Zeit täglich sechs statt drei Stunden auf Instagram und diskutieren dort vor lauter Langeweile darüber, wie teuer der Nachmittags-Cappuccino in Bibione doch geworden ist. Digital Detox war gestern. Und das gilt es auszunutzen, denn es herrscht weniger Konkurrenz, damit wird es meist auch billiger und man erreicht tendenziell völlig unterumworbene Menschen. Win-win-win!

Übrigens: Die nächste Kolumne erscheint im August. Man wird schliesslich auch mal Pause machen dürfen.

 

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