Ach, Briefpost
Manche Dinge wird man nie durch Digital ersetzen können.

Eine Touristengruppe wollte nach ihrem denkwürdigen Island-Trip der Bauernfamilie, die sie auf ihrer Farm hat nächtigen lassen, einen Dankesbrief senden. Da sie weder Namen, noch Adresse der grosszügigen Isländer hatten, taten sie das, was man nur noch tun kann, solange Menschen mit gesundem Menschenverstand die Nachricht weiterverarbeiten: Sie zeichneten und schrieben auf, was sie wussten – und hofften, dass der vor der Abreise aus Reykjavik versendete Brief dennoch ankommt. Er kam.

Rebecca Cathrine Kaadu Ostenfeld – die dänische, im Supermarkt arbeitende Ehefrau – wandte sich mit dem Brief begeistert an das isländische Newsportal Skessuhorn, welches die Geschichte im Mai unter dem Titel «Alles ist möglich in Island» veröffentlichte. Und schliesslich landete der Brief auf dem Portal Reddit, wo die Geschichte hunderte von Lesern dazu animierte, ihre persönlichen Post-Stories zu erzählen. Eine Frau schrieb zum Beispiel, sie habe ein zehn Kilogramm schweres Paket von Süd Korea in ihre Heimat Finland geschickt. Mit korrekter Adresse und Telefonnummer des Empfängers – jedoch ohne Hausnummer. Das Paket habe es bis zur Poststation gleich gegenüber der Zieladresse geschafft. Von dort ging es zurück nach Süd Korea – unvollständige Adresse.
Da gefällt die Island-Geschichte wesentlich besser. Wenig überraschend, ging sie via Reddit viral, landete so unter anderem bei BBC. Das isländische Fremdenverkehsbüro dürfte wässrige Augen kriegen vor Freude bei so viel Gratis-Werbung. Als wäre die Fussball EM nicht genug Promo gewesen für das seltsame, faszinierende Land, das man unbedingt einmal besuchen will. Jetzt erst recht. (hae)
