Rätseln boomt: Digital Detox und Achtsamkeit sind Treiber

Der CEO B2C & Verlagsleiter der Keesing Schweiz, Andrew Rushton spricht mit m&k über den Boom von Rätseln und Gaming und verrät, was die Community so daran fasziniert.

m&k Sie haben im Mai Ihre neue Rolle übernommen – was hat Sie an der Keesing Schweiz AG und den Küng Rätsel Titeln besonders gereizt?

Andrew Rushton Zwei Dinge: die Produkte und die Menschen. Ich rätsle selbst sehr gerne und weiss, was das bei mir auslöst. Produkte zu veröffentlichen, die Menschen emotional abholen, finde ich sehr reizvoll. Und wenn man das mit einem grossartigen Team machen darf – na ja, was will man mehr?

 

Sie bringen Erfahrung aus renommierten Verlagshäusern wie NordSüd, Klett und Balmer sowie Orell Füssli mit. Was können Sie aus der Buchbranche in die Rätselpublikationen einbringen?

In jedem Verlag muss man wissen, wie man die richtigen Menschen mit den richtigen Produkten erreicht, das ist bei Küng Rätsel sicherlich nicht anders. Auch die Herausforderung, neue Kunden zu gewinnen, um eine sichere Zukunft zu gewährleisten, ist absolut übertragbar. In der Buchbranche ist man zudem gewohnt, längerfristig zu denken und zu planen. Mal schauen, was sich davon konkret einbringen lässt.

 

Rätsel und Games erleben gerade einen Boom – von der NYT bis LinkedIn und Netflix. Wie erklären Sie sich diesen Trend, und wie profitiert Küng Rätsel davon?

Rätsel und Games erlauben es uns, eine kurze Auszeit vom Alltag zu nehmen und etwas, hoffentlich mit einem Erfolgserlebnis, abzuschliessen. Neben körperlicher Bewegung und gesunder Ernährung ist es zudem förderlich, täglich fünf bis zehn Minuten ins Aktivieren und Trainieren des Gehirns zu investieren. Da sind wir mit unseren Produkten gut positioniert, um mitzuwirken.

 

Während viele Kioskprodukte unter rückläufigen Auflagen leiden, meldet Keesing Schweiz stabile Zahlen. Was ist das Erfolgsrezept?

Ich denke, dass es nach wie vor viele Menschen gibt, die ihre Rätsel gerne auf Papier lösen oder bewusst Alternativen zur Bildschirmzeit suchen. Zudem bieten wir der Leserschaft immer wieder neue Rätselarten oder Ausgaben mit höheren Schwierigkeitsgraden, welche im Netz nicht so einfach zu finden oder zu lösen sind.

 

Mit «Küng Junior» und der «Rätsel-Pause» wurden zuletzt zwei neue Titel eingeführt. Welche Zielgruppen sprechen Sie damit konkret an?

Mit den Küng Junior-Rätseln möchten wir unseren bestehenden Kunden ermöglichen, auch die nächste Generation fürs Rätsellösen zu begeistern, ganz bewusst ohne Bildschirm. Die Hefte bieten eine grosse Vielfalt an Rätselarten zum Ausprobieren. Für viele Pendler war das «20-Minuten-Rätsel» ein tägliches Ritual. Seit dessen Einstellung fehlt dieses Angebot. Mit der «Rätsel-Pause» haben wir ein Produkt geschaffen, das dieses Erlebnis auf Zeitungspapier und im handlichen Format für den Arbeitsweg wieder aufleben lässt. Es ist zwar nicht gratis, wird aber zu einem äusserst erschwinglichen Preis angeboten.

 

Bald erscheinen drei englischsprachige Ausgaben am Kiosk. Wie gross ist das internationale Potenzial, und wohin soll die Reise mittelfristig gehen?

Das werden wir bald erfahren! Wir haben die Chance bekommen, englischsprachige Produkte in der Deutschschweiz zu testen und diese haben wir genutzt. Die «The Puzzle» Serie wird hauptsächlich in Ballungszentren mit einer grossen englischsprachigen Community vertrieben. Das sind in der Schweiz doch rund 85’000 bis 120’000 Menschen. Noch viel mehr könnten daran interessiert sein, um ihre Sprachkenntnisse spielerisch zu verbessern. Es ist also nicht aufgrund meiner angelsächsischen Wurzeln lanciert, aber natürlich freue ich mich auch persönlich sehr auf diese Titel.

 

Sie teilen sich die Geschäftsleitung mit Tamara Mattiussi als CEO B2B. Wie sieht diese Aufgabenteilung im Alltag aus, und wo ergeben sich Synergien?

Die Aufgaben sind klar aufgeteilt. Tamara verantwortet die Agentur und B2B, ich den Verlag und den B2C-Bereich. Nichtsdestotrotz erfordert eine Co-Leitung viel Abstimmung, Kommunikation und Vertrauen. Meiner Meinung nach macht sie ein Unternehmen aber auch innovativer und stabiler und stärkt das Teamgefühl. Ich hatte das Glück, elf Jahre lang beim NordSüd Verlag in einer Co-Leitung zu arbeiten, und kenne dieses Modell daher aus erster Hand. Tamara bringt ebenfalls langjährige Erfahrung in solchen Strukturen mit, ich bin zuversichtlich, dass wir das sehr gut hinbekommen.

Die Keesing Media Group ist international in Amsterdam verankert. Welche Rolle spielt die Schweizer Niederlassung innerhalb der Gruppe?

Wir profitieren von einigen zentralen Dienstleistungen, sind aber in unserer strategischen Ausrichtung und im Tagesgeschäft weitgehend unabhängig. Da wir unsere Produkte auch in Deutschland und Österreich vertreiben, können wir zusätzlich solide Umsätze erzielen.

 

Digital Detox und Achtsamkeit werden als Treiber des Rätsel-Booms genannt. Sehen Sie das analoge Print-Rätsel langfristig als Gegenpol zur Bildschirmwelt?

Für mich sind das keine Gegenpole, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Auch in Zukunft werden beide ihren Platz haben. Wir sollten es unseren Kunden überlassen, wann und wie sie Rätsel lösen möchten. Ich sehe unsere Aufgabe darin, spannende, unverwechselbare und zeitgemässe Rätsel zu liefern. Mit raetselportal.ch bieten wir eine Plattform, um auch unterwegs oder ohne Zugang zu einer Verkaufsstelle Rätselspass zu erleben. Anderseits wollen wir niemanden in digitale Kanäle drängen, sondern bewusst auch attraktive Alternativen mit Stift und Papier bieten. Dafür setze ich mich gerne und mit Überzeugung ein.

 

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die nächsten zwölf Monate bei Keesing Schweiz – wo möchten Sie Akzente setzen?

Zunächst einmal ankommen! Es gibt vieles, das ich noch besser verstehen möchte. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass man auch mit kleinen Innovationen Impulse setzen kann, ohne alles auf den Kopf zu stellen. Und wenn ich am Ende kompetent erklären kann, wie man ein Profi-Sudoku löst, bin ich schon ziemlich happy.

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