Florian Avdic von Wirz: «Kreativität ist Kapital»
Florian Avdic ist Chef-Stratege, Partner und Mitinhaber bei Wirz. Nach Stationen bei internationalen Agenturen zog es ihn von Berlin in die Schweiz. Warum? Und was hat es mit dem Begriff Kreativkapitalismus auf sich? Ein Gespräch über Strategie, Mut, und warum Kreativität endlich auf die Business-Ebene gehört.

m&k Florian Avdic, Sie sind von Berlin in die Schweiz gekommen, um bei Wirz eine kreative Revolution anzustossen. Warum dieser Schritt – und warum Wirz?
Florian Avdic Ich bin in die Schweiz gekommen, weil mich jemand gefragt hat, ob ich eine traditionsreiche, extrem kreative Agentur gemeinsam weiterentwickeln will. Nicht als Berater von aussen, sondern als Unternehmer. Wir wollten ein Geschäftsmodell bauen, das für Kunden effektiver funktioniert und mehr Zukunft hat. Nach zwei Jahren Aufbau und intensiver Zusammenarbeit mit starken Kunden ist jetzt ein guter Moment, um zu erklären, was wir tun – und warum.
Der Begriff Kreativkapitalismus fällt bei Wirz häufig. Was ist damit gemeint?
Kreativität ist eine der wichtigsten Unternehmensressourcen – und gleichzeitig die letzte, die vollkommen unsystematisch eingesetzt wird. HR, Technologie, Cashflow, Innovation: alles wird gemanagt, gemessen, optimiert. Kreativität hingegen wird projektweise eingekauft, nach Bauchgefühl bewertet und oft auf Kreation reduziert. Wir wünschen uns mehr Kreativkapitalismus. Das heisst: Kreativität gezielt einsetzen, mit System, skalierbar und mit klarem Fokus auf Wertschöpfung.
Das klingt sehr nach Business – geht dabei nicht die Magie verloren?
Im Gegenteil. Kreativität wird oft wie ein iPhone benutzt, mit dem man nur telefoniert. Dabei ist es ein Supercomputer. Sie kann strategische Herausforderungen lösen, Wachstum in gesättigten Märkten schaffen und Marken relevant machen. Wertmaximierung klingt vielleicht nicht sexy, ist aber ehrlich. Und notwendig.
Was haben Sie bei Wirz konkret mitverändert?
Wir haben das gesamte Geschäftsmodell neu gebaut: Angebot, Wertschöpfung, Prozesse. Alles ist darauf ausgerichtet, maximalen Wert für unsere Kunden zu schaffen. Deshalb verkaufen wir auch keine Stunden. Unsere Kunden wollen keine Aufwände, sie wollen Lösungen. Wachstum. Unser Ziel ist es, Wachstum zugänglich zu machen – über drei Hebel: Brand Capital, Market Readiness und New Game.
Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Ansatz?
Der Markt bewegt sich klar in diese Richtung. Budgets stehen unter Druck, Wirkung wird wichtiger als Quantität, Brand Building ist wieder ganz oben auf der Agenda. Das bedeutet: weniger machen, dafür die richtigen Dinge. Klare Prioritäten, aufgeräumte Customer Journeys, starke Marketing-Architekturen. Und mehr Mut zu grossen Ideen, zu Blockbustern, über die man spricht.
Viele fordern mehr Mut zum Risiko. Sie halten das für weltfremd. Warum?
Weil Menschen Risiko nicht mögen. Risiko ist die Möglichkeit zu scheitern – und das vermeiden wir instinktiv. Gleichzeitig wünschen wir uns Marken, die etwas wagen. Strategie kann diesen Widerspruch auflösen: nicht durch blindes Risiko, sondern durch schnelle Hypothesen, schnelles Testen und schnelles Lernen. So wird Mut machbar.
Welche Rolle spielt KI dabei?
KI ist ein riesiger Katalysator. Sie macht solide Markenarbeit einfacher und günstiger. Das ist gut – und gefährlich zugleich. Denn Mittelmass wird dadurch sehr effizient. Umso wichtiger werden Differenzierung, Strategie und kulturelles Feingefühl. Wer das ignoriert, produziert hochoptimierte Irrelevanz.
Sie leben seit zwei Jahren in der Schweiz. Was hat Sie überrascht?
Die Schweiz ist voller Gegensätze: Tradition und Innovation, Bünzlitum und Weltoffenheit. Genau das macht sie so spannend. Es gibt hier unglaublich viel Potenzial in Marketing und Kommunikation. Ich bin nach wie vor sehr hyped, hier zu sein – auch wegen der Menschen bei Wirz. Der Weg stimmt. Jetzt geht es darum, ihn konsequent weiterzugehen. Gemeinsam mit unseren Kunden.
«Kreativität wird oft wie ein iPhone benutzt, mit dem man nur telefoniert. Dabei ist es ein Supercomputer.»
