Lehrerverband stört sich an der neuen Coop-Kampagne

Der Zürcher Lehrerverband ZLV sieht den eigenen Berufsstand durch die neue Coop-Kampagne verunglimpft. Weder der Kunde Coop noch die verantwortliche Agentur TBWA\Zürich sehen Anlass, etwas am kritisierten Spot zu ändern.

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Der Spot, den Coop vor wenigen Tagen lanciert hat, zeigt die Geschichte der etwas unbeholfenen Kindergarten-Lehrperson Pascal, der die Schulreise nicht genug detailliert geplant hatte und am Ende die Lösung aller Probleme in einer Coop-Filiale findet (Werbewoche.ch berichtete). 

Wie 20min.ch berichtet, ist der humorvolle Spot jedoch vielen Lehrern in den falschen Hals geraten. Grund: Inhaltlich entspricht das Gezeigte in vielerlei Hinsicht nicht der Realität. So gehen Lehrpersonen niemals alleine mit den Kindern in den Wald. Das Essen wird nicht von den Pädagogen bereitgestellt, sondern von den Eltern. Keine studierte Kindergarten-Lehrperson würde derart unvorbereitet mit den Kindern einen Ausflug unternehmen, ist man sich einig.

«Die Emotionen haben wir nicht erwartet»

Bei TBWA\Zürich, der für den Spot verantwortlichen Agentur, zeigt man sich auf Nachfrage von Werbewoche.ch eher erstaunt über die Aufregung. «Ganz ehrlich gesagt hatten wir nicht mit dieser Reaktion gerechnet», sagt CEO Matthias Kiess. «Die ganze Kampagne ist nahe bei den Menschen und erzählt fiktive und natürlich leicht überspitzte Geschichten aus dem Alltag einzelner Figuren und deren Herausforderungen. Und diese werden auf humoristische und augenzwinkernde Art von den Coop Mitarbeitenden erzählt. Dass nun die etwas überzeichnete Darstellung eines Neulings in seinem Job solche Emotionen in Teilen der Lehrerschaft hervorruft, haben wir nicht erwartet.» Es sei auch aus kreativer Sicht nie beabsichtigt gewesen, sich über Menschen lustig zu machen, sondern vielmehr gemeinsam über besondere Situationen im Leben zu schmunzeln, fügt er an.

Der Aufmerksamkeit dürfte die Diskussion nicht geschadet haben – im Gegenteil. Fast 350 Leserkommentare hat der 20min-Artikel generiert. Die grosse Mehrheit der Kommentarschreiber äussern sich klar wohlwollend dem Spot gegenüber. Es scheint, als habe die Bevölkerung wesentlich mehr Gefallen gefunden an der neuen Coop-Imagekampagne, als der Lehrerverband.

Ein «Direktbetroffener» stört sich zudem daran, dass Männer als unprofessionell dargestellt würden. «Als Minderheit in diesem Beruf sind wir schon mit genügend Vorurteilen konfrontiert», sagt er. Im Kanton Zürich gäbe es ohnehin einen Riesenmangel an Kindergarten-Lehrpersonen. «Mit dem Video von Coop wird das Image nur noch schlechter. Wer hat da noch Lust, diesen Beruf zu erlernen?»

Interessant die Reaktion des Zürcher Lehrerverbandes ZLV: Dieser hat laut 20min.ch die sofortige Entfernung des Videos verlangt. Ihm seien nach Anschauen des Spots «die Haare zu Berge gestanden», kritisiert ZLV-Präsident Kurt Will auf Anfrage. Es wäre doch ein Leichtes gewesen, einem Lehrpersonenverband vorgängig das Video zur Stellungnahme zu zeigen, findet er.

Coop wiederum sieht keinen Grund, das Video zu entfernen. Man habe viele positive Reaktionen auf den Spot erhalten und der Spot werde so verstanden, wie er gemeint ist: mit einem Augenzwinkern.

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