ADCE-Präsidentin Dörte Spengler-Ahrens im Interview
Der Art Directors Club of Europe (ADCE) hat Dörte Spengler-Ahrens, Vorsitzende von Jung von Matt, zu ihrer neuen Präsidentin ernannt. Im Interview mit m&k ordnet sie das Amt ein und spricht über neue Wege beim ADCE.

Dörte Spengler-Ahrens Der ADCE ist ein grosser Pionier in Diversity – es gab tatsächlich schon im Jahr 2000 eine weibliche Präsidentin! Nebenbei erfüllt der ADCE auch immer die Quote in den Juries.
In Ihrer Karriere haben Sie sich immer als jemand positioniert, der radikal neue Wege geht – von der Gründung von MARIA über die verschiedenen Jung von Matt-Standorte bis zur neuen Preisstruktur. Was treibt Sie an, ständig das System zu hinterfragen?
Die Agentur Jung von Matt hat als Leitsätze: We believe in the power the unexpected. We stay unsatisfied. Ich habe als Motto für mich noch addiert „Fuck Boring“. Ich bin überzeugt, dass in der überwältigenden Contentflut und Ai Slop nur das Unerwartete überrascht und dann muss es emotional zünden. Mit diesem Credo gelingt emotional nachhaltiger Markenaufbau und Produktverkauf.
Sie haben sich zeitlebens für Vielfalt und Frauenförderung eingesetzt. Wie frustrierend ist es immer noch, dass Frauen in Führungspositionen der Kreativbranche unterrepräsentiert sind – und was können Sie konkret als ADCE-Präsidentin ändern?
Frauen in kreativen Leadership sind in unserer Branche immer noch eklatant unterrepräsentiert. Der ADCE bildet eine Ausnahme- er erfüllt eine 50/50 Quote ohne Ausnahme und hatte bereits im Jahre 2000 die erste weibliche Präsidentin. Das Thema Female Leadership liegt mir besonders am Herzen. Auch beim ADC Deutschland habe ich mich sehr für Frauen eingesetzt und freue mich darauf, das weiterhin beim ADC of Europe zu fördern und zu fordern. Um da was zu bewegen zu können, muss man in unserer Branche immer noch mehr tun als gut sein, man muss auch als Frau überzeugen. Das klingt vor allem in einer internationalen Perspektive absurd, ist aber die Realität.
Sie begannen als Art Directorin und wechselten auch ins Texteschreiben – wie hat dieser Perspektivwechsel Ihren kreativen Zugang geprägt, und was haben Sie damals schon über sich selbst gewusst, das Sie zur Führungskraft machte?
Ich habe Kommunikationsdesign/ Grafik Design studiert und habe auch als Junior Artdirector angefangen. Ich habe dabei bald gemerkt, dass Art Direktion emotionales Träumen braucht – man muss sich in die Bilder verlieren um gutes Art Work zu schaffen. Konzeption ist dagegen eher ein Denkprozess und mir hat es einfach mehr Freude gemacht, mir Ideen auszudenken, anstatt sie auszugestalten. Man trainiert beim Texten den Denk Muskel mehr und das hilft, wenn es mal darum geht strategisch zu konzipieren. Ich liebe bis heute beides.
Die Gründung von Deutschlands erster von Frauen geführten Agentur 2000 war mutig. Was war Ihre Vision damals, und warum war es wichtig, nicht nur gutes Advertising zu machen, sondern das auch unter Frauenleitung zu zeigen?
MARIA war die erste deutsche Frauenagentur. Wir haben in unserer täglichen Arbeit gemerkt, dass wir bei Produkten die für Frauen sind, einen untrüglichen Instinkt für das bei Frauen zündende Konzept hatten, den Insight als Instinkt. Und wir hatten den Mut, das mit unserer kreativen Kompetenz – wir waren alle in Lead-Positionen bei Jung von Matt- zu einem Business zu machen. Die Resonanz war gross und wir hatten im ersten Monat bereits einen Kunden gewonnen. Trotzdem kamen nur Frauenprodukte- hauptsächlich Frauenzeitschriften. Der Markt hatte nicht nicht verinnerlicht, dass 85% aller Kaufentscheidungen von Frauen getroffen werden, auch von Autoreifen Nach einem Jahr Themen- Monotonie zog es mich zurück zu gemischten Marken bei JvM. Und ich bekam die Chance, Jung von Matt Spree mit meinen Kollegen zu gründen.
Die Öffnung der ADCE Awards für alle Teilnehmenden unabhängiger Wettbewerbe – das ist ein echter Paradigmenwechsel. Wie haben Sie diese demokratisierte Ausrichtung durchsetzen können, und wer hat am meisten widersprochen?
Wir möchten die Position als Europas führende Plattform für kreative Exzellenz stärken und die Organisation gleichzeitig für eine noch größere, vielfältigere und bedeutendere Creative Community öffnen. Deshalb führt der ADCE Award zum Beispiel ein erweitertes Teilnahmeberechtigungssystem ein. Statt wie bisher nur für Gewinner aus Wettbewerben der ADCE-Mitgliedsclubs offen zu sein, öffnet sich der Award nun für alle, die einfach nur bei Wettbewerben der 25 ADCE-Mitgliedsclubs sowie an ausgewählten teilnahmeberechtigten Wettbewerben von Nicht-Mitgliedsorganisationen in ganz Europa einreichen. Damit machen wir einen wichtigen Schritt zu einem inklusiveren und repräsentativeren europäischen Wettbewerbsmodell, das unabhängigen Kreativen, Nachwuchstalenten und kleineren Märkten mehr Möglichkeiten eröffnet. Und gleichzeitig die Vielfalt der Kulturen, Perspektiven und kreativen Stimmen, die das heutige Europa prägen, besser widerspiegelt.
Sie sind als Kämpferin bekannt. Wie bewahren Sie diese Energie und Radikalität, wenn Sie gleichzeitig als Präsidentin einer großen europäischen Organisation funktionieren müssen? Wo sind die Grenzen?
Ich wünsche mir, dass der ADCE der renommierteste, respektierteste und relevanteste Award in Europa wird und werde alles dafür tun, das zu erreichen und zu bewahren. Präsidentin zu sein ist ein Ehrenamt. Ich engagiere mich sehr gerne dafür. Ja, das stimmt- ich kämpfe für herausragende und damit effektive Kreation, für Ideen und jun auch für die Idee eines kreativen Europas.
Mit dem LIA Legend Award und all den internationalen Erfolgen unter Ihrer Führung – welcher Moment war der, der sich wirklich angefühlt hat wie ein Durchbruch, und was bedeutet dieser Status für Sie persönlich?
Mein Durchbruch als Kreative war, als wir mit JvM Cannes Independent Agency of the Year wurden und 2024 Historisch erfolgreichste Agentur beim ADC. Als kreative Persönlichkeit sicher der Horizont Award und Lia Legend, Als Mensch Mutter eines grossartigen Sohnes und Frau eines grossartiegn Mannes zu sein.
Sie ermutigen mehr Frauen, „Raum zu nehmen“ – konkret: Was hätten Sie Ihrer 30-jährigen Selbst geraten, um noch schneller und radikaler vorzugehen? Und was raten Sie jungen Frauen in der Branche?
Mein Rat an Frauen, die jetzt 30 sind sind drei: Finde heraus, wer die besten sind. Gb nicht auf, bevor du bei den Besten einen Platz hast. Achte darauf, wer dich als besondere Kraft/Talent/Mitarbeiterin achtet und bleibe bei diesem Mentor/ dieser Mentorin.
Mit 25 Clubs aus 24 Ländern unter einem Dach – das ist europäische Kreativpolitik auf höchstem Niveau. Sehen Sie die ADCE-Präsidentschaft als Endpunkt Ihrer Karriere oder als Startpunkt für etwas noch Größeres?
Der ADC of Europe ist wenn man so will der ADC aller ADCs. Er ist kein nationaler, sondern ein europäischer ADC, in dem Arbeiten die in den nationalen Awards waren, von einer pan-europäischen Jury bewertet werden. Das ist wichtig, um sich gegen internationale Awards abzugrenzen, die einen sehr international-konformen Blickwinkel haben und asl ADCE einen europäischen Blickwinkel einzunehmen. Dieser Blickwinkel ist gleichzeitig größer als bei einem rein nationalen Award. Das wird gewährleistet durch die europäischen Einsendungen, aber vor allem auch durch die europäische Jury, die sich aus einigen der angesehensten und international vielfach ausgezeichneten kreativen Köpfe Europas zusammensetzt und herausragende Epertise mit vielfältigen kulturellen Perspektiven verbindet. All das stärkt die Position der ADCE als einen der höchsten Benchmarks für kreative Exzellenz auf dem Kontinent.
Dörte Spengler-Ahrens studierte Visuelle Kommunikation und begann ihre Karriere als Art Director, bevor sie ins Texteschreiben wechselte. Nach ihrer Arbeit bei mehreren Agenturen wechselte sie zu Jung von Matt, wo sie nach nur drei Jahren die erste weibliche Creative Director der Agentur wurde. Im Jahr 2000 gründete sie MARIA, Deutschlands erste von Frauen geführte Agentur. 2002 kehrte sie als Partnerin zu Jung von Matt zurück und gründete gemeinsam Jung von Matt/Spree, die erste Berliner Agentur der Gruppe. In den folgenden Jahren gründete sie mehrere erfolgreiche Unternehmen im Jung von Matt-Netzwerk, darunter Jung von Matt/9, Jung von Matt/Pulse, Jung von Matt/Fleet, Jung von Matt/Elbe und Jung von Matt/SAGA. Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie für große internationale Marken wie BMW, Mercedes-Benz, Audi, Sixt, NIVEA, Zalando und BVG. Ihre kreative Führung und preisgekrönten Kampagnen haben sie zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten Deutschlands in Werbung und Kommunikation gemacht und in den letzten zwei Jahrzehnten die Identität und den Ruf von Jung von Matt geprägt. Ihre Leistungen wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter die Auszeichnung „Germany Agency Person of the Year“ bei den Horizont Awards 2018, der „Braveheart“ Award bei den Best Agency Awards 2023 und der renommierte LIA Legend Award 2025. Dörte Spengler-Ahrens hat im Laufe ihrer Karriere mehrere Grand Prix und internationale Auszeichnungen gewonnen. Unter ihrer Leitung wurde Jung von Matt bei den Cannes Lions, LIA, den New York Festivals und anderen großen internationalen Wettbewerben als einer der weltweit führenden unabhängigen Agenturen anerkannt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten vertritt Spengler-Ahrens die deutsche Kreativbranche bei bedeutenden internationalen Preisverleihungen und fungiert als Jurypräsident, Festivalpräsident und Juror bei Wettbewerben wie Cannes Lions, LIA, Clio Awards, Eurobest, The One Show, ADC*E und ADC Global. Sie ist außerdem Mitglied der Beiräte von D&AD und den New York Festivals. 2024 wurde sie zur nicht geschäftsführenden Vorsitzenden der Jung von Matt Gruppe ernannt – ein weiteres Novum in der Unternehmensgeschichte. Mit dieser neuen Präsidentschaft und der Eröffnung der 35. Ausgabe der ADCE Awards markiert die ADCE den Beginn einer neuen Ära europäischer Kreativität, die Kreative aus dem gesamten Kontinent einlädt, ihre Arbeit zu präsentieren, Perspektiven auszutauschen und auf wirklich europäischer Ebene innerhalb einer Gemeinschaft zu konkurrieren, die kulturelle Vielfalt und kreative Exzellenz feiert. und gemeinsame Werte.
Der Art Directors Club of Europe (ADCE) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Barcelona, die 25 professionelle Clubs und Verbände aus 24 europäischen Ländern vereint. Gegründet im Jahr 1990, fördert ADCE kreative Exzellenz in Werbung und Grafikdesign in ganz Europa, vertritt mehr als 7.000 Fachleute und präsentiert erstklassige lokale Arbeiten. Der neue Präsident von ADCE ist Dörte Spengler-Ahrens, Vorsitzende von Jung von Matt. ADCE ist Teil des One Club for Creativity mit Sitz in New York, Heimat von The One Show , ADC Annual Awards, Art Directors Club of Europe (ADCE) Awards, ONE Asia Awards , Type Directors Club Wettbewerb, Young Guns , Young Ones Student Auszeichnungen , Nächste kreative Leiter ONE School, ONE Creator Lab, Where Are All The Black People Konferenz und Karrieremesse, Portfolio Night, Creative Week und mehr. Der One Club ist die weltweit führende gemeinnützige Organisation, deren Mission es ist, die globale kreative Gemeinschaft zu unterstützen und zu feiern. Die Einnahmen aus Einsendungen zu globalen Preisverleihungen fließen zurück in die Branche, um Programme unter den vier Säulen der Organisation zu finanzieren: Bildung, Inklusion & Vielfalt, Geschlechtergleichstellung und Kreative Entwicklung.
