Text Akademie Podcast #45: Jonas Paul Klatt: «Wer in KI-Antworten nicht vorkommt, existiert nicht»
Im Podcast «AI und Gesellschaft» erklärt der 24-jährige Unternehmer Jonas Paul Klatt und Gründer von OnRep Consulting, warum klassisches SEO allein nicht mehr reicht – und was Firmen jetzt tun müssen, um von KI-Systemen empfohlen zu werden.
Jonas Paul Klatt ist 24 Jahre alt, Gründer von OnRep Consulting in Frankfurt und hat nach eigenen Angaben bereits mit über 25’000 Unternehmern gesprochen. Sein Spezialgebiet ist Online-Reputation – aber nicht mehr nur im Sinne von Google-Bewertungen. Er beschäftigt sich mit einer fundamentaleren Frage: Was passiert, wenn nicht mehr Menschen, sondern KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini darüber entscheiden, welches Unternehmen sie weiterempfehlen?
Google, einst verlässlicher Gatekeeper, hat diese Rolle längst eingebüsst. Die anderen Systeme – ChatGPT, Perplexity, Claude – seien im Wesentlichen gleichwertig: «Die KI hat am Ende des Tages nur eine Aufgabe: den Nutzer so lange am Ball zu behalten wie möglich. Und dafür ist sie auch bereit zu lügen.»
«The Winner takes it all»
Für Unternehmen hat das eine konkrete Konsequenz: Wer in KI-Antworten nicht auftaucht, existiert nicht mehr. Weder für potenzielle Kunden noch für Bewerberinnen und Bewerber. Die Generation Z nutzt ChatGPT, um Arbeitgeber in ihrer Region zu recherchieren. Das Prinzip dahinter beschreibt Klatt als «The winner takes it all»: Wo früher eine Suchanfrage 20 bis 50 Ergebnisse lieferte, serviert die KI noch zwei oder drei – und der Nutzer weiss nicht, dass es andere gibt, die vielleicht genauso gut wären.
Der naheliegende Reflex – die eigene Website für KI zu optimieren – greift zu kurz. Der Begriff «Generative Engine Optimization» (GEO) beschreibe vor allem den technisch-strukturellen Teil einer Website. Das eigentliche Problem liege anderswo: Externe Erwähnungen sind fünf- bis sechsmal wichtiger als die Website selbst. Gute, altmodische PR ist damit zur strategischen Grundlage für KI-Sichtbarkeit geworden. «Man muss sich als Firma eine Art Online-Reputationsinfrastruktur aufbauen», so Klatt.
Bezahlte Werbung hilft gar nichts
Konkret bedeutet das: umfangreiches Bewertungsmanagement auf autoritativen Plattformen wie YouTube und LinkedIn, ausführliche Erfahrungsberichte von Kunden, Video-Fallstudien. Auf LinkedIn empfiehlt Klatt strukturierte Artikel: Bis zu 100’000 Zeichen, mit klaren Überschriften, FAQ-Sektionen und vollständigen Antworten auf realistische Nutzerfragen. Bezahlte Werbung hingegen helfe gar nichts: KI erkennt das.
Bei negativen Inhalten empfiehlt Klatt, zuerst Betreiber direkt zu kontaktieren und im Zweifelsfall rechtliche Schritte einzuleiten. Wer durch einen grossen negativen Presseartikel kompromittiert worden ist, hat kaum Optionen: «Dann hat man eigentlich auf alle Zeiten verloren.» Was bleibt, ist die konsequente Überdeckung durch positive Inhalte.
Klassisches SEO sei nicht tot, betont Klatt. Backlinks, Keyword-Optimierung, strukturierte Seiteninhalte – das bleibe die Grundlage. Nur müsse man denken wie ein Mensch, der eine KI befragt: nicht «beste Vertriebssoftware für KMU», sondern «bestes Vertriebs-CRM für Dienstleister mit erklärungsbedürftigen Angeboten und einem Sales-Cycle von einer Woche». Je spezifischer die Nische, desto realistischer die Sichtbarkeit.
Zum Recherchieren ist Google noch immer am besten
Am Schluss gibt Klatt noch einen persönlichen Rat: Wer sich selbst informieren will, solle Abstand von KI-Systemen nehmen und stattdessen klassisch bei Google recherchieren, seriöse Websites aufrufen und sich «ganz klassisch wie früher» einlesen. «Sich sein eigenes Bild zu machen und sich nicht von der KI irgendwas vorgaukeln zu lassen, was am Ende gar nicht stimmt.»
Die Folge auf Spotify
Jonas Paul Klatt war zu Gast im Videopodcast «AI und Gesellschaft – Wege in die neue Welt» der Stiftung Schweizerische Text Akademie. Der Podcast erscheint alle zwei Wochen auf YouTube, Spotify und allen gängigen Podcast-Plattformen: https://tinyurl.com/5t4fyfex
