Wenn Hacker KI nutzen: IAA Trendtalk zeigt menschliche Firewall als Schlüssel zur Sicherheit
An der 62. Generalversammlung der International Advertising Association (IAA) in Zürich stand die digitale Bedrohungslage im Fokus. Kriminalanalyst Mark T. Hofmann zeigte eindrücklich, wie Hacker KI und Deepfakes nutzen – und m&k führte mit ihm ein exklusives Interview.
Zürich – Die International Advertising Association (IAA) setzte bei ihrer 62. Generalversammlung ein klares Zeichen: Künstliche Intelligenz ist nicht nur Treiber von Innovation, sondern auch ein Werkzeug der Cyberkriminalität. Der renommierte Kriminalanalyst und Wirtschaftspsychologe Mark T. Hofmann machte in seinem Vortrag deutlich, dass die grösste Schwachstelle weiterhin der Mensch bleibt. Im exklusiven Gespräch mit m&k teilt Hofmann zudem die wichtigsten Empfehlungen für die Kommunikationsbranche.
Neue Vorstandsmitglieder gewählt
Im Rahmen der Generalversammlung wurden Alice Sauerer, Head of Marketing Campaigns bei Swisscom, und Tom Hagendorn, Senior Manager bei Team Farner, neu in den Vorstand gewählt. Präsident Matthias Kiess (CEO TBWA) begrüsste die Neuzugänge und hob deren frische Impulse hervor. Sauerer will ihre Erfahrung als Werbeauftraggeberin einbringen, Hagendorn innovative Programme für den Branchennachwuchs vorantreiben. Die bisherigen Mitglieder wurden einstimmig bestätigt. Mit dem Ausscheiden von Michel Siegenthaler (Swisscom) und Philipp Wild (Webrepublic) wurde der Vorstand neu geordnet, wobei Wild dem Verband als Mitglied treu bleibt.
Die dunkle Seite der KI
Im Zentrum der Veranstaltung stand der Vortrag von Mark T. Hofmann: «Die dunkle Seite der KI: Wie Hacker KI & Deepfakes nutzen». Seine Analyse zeigte auf, wie die Qualität und Quantität von Angriffen durch KI zunimmt. Cyberkriminalität agiert längst wie eine milliardenschwere Industrie mit Organisationsstrukturen, Finanzabteilungen und sogar «Kundenservice». Prognosen zufolge könnten die weltweiten Schäden durch Cybercrime bis 2025 auf 10,5 Billionen Dollar anwachsen.
Rund 90 Prozent aller Attacken beruhen laut Hofmann auf menschlichen Fehlern. Hacker „knacken“ keine Systeme, sondern „knacken Menschen“. Typische Angriffe folgen dabei einer Vier-Zutaten-Formel: Sie geben sich als vertraute Instanz aus, erzeugen Emotionen und Zeitdruck und verknüpfen dies mit einer ungewöhnlichen Bitte.

Deepfakes als Gamechanger
Besondere Aufmerksamkeit widmete Hofmann den Risiken durch Deepfakes. Heute genügen 15 bis 30 Sekunden Tonmaterial, um Stimmen täuschend echt zu klonen. Dadurch wird nicht nur CEO Fraud erleichtert – Fälle wie ein 35-Millionen-Dollar-Bankbetrug in Dubai sind bereits Realität –, sondern auch politische Desinformation und neue Formen klassischer Betrugsmaschen werden möglich. Selbst Videoaufnahmen könnten künftig vor Gericht an Beweiskraft verlieren.

Prävention und die «menschliche Firewall»
Hofmann rief dazu auf, Cybersicherheit als Chefsache zu begreifen. Neben technischen Standards wie langen Passwörtern, Zwei-Faktor-Authentifizierung und regelmässigen Updates brauche es vor allem Bewusstsein. Cyberübungen wie ein Feueralarm, vorbereitete Notfallpläne, alternative Kommunikationswege und physische Schutzmassnahmen seien unverzichtbar. Entscheidend sei jedoch, Awareness so zu gestalten, dass sie auch jene erreicht, die sich nicht für IT-Sicherheit interessieren.
Exklusives m&k-Interview
Im Gespräch mit m&k betonte Hofmann, dass Unternehmen künftig nicht allein auf Technologie vertrauen dürfen: «Die menschliche Firewall ist das stärkste Schutzschild. Entscheidend ist, dass Mitarbeitende die Muster von Angriffen erkennen – und sich trauen, sie zu hinterfragen.» Welche konkreten Schritte Führungskräfte und Kommunikationsteams setzen sollten, erklärt Hofmann ausführlich im Interview (siehe Video/Beitrag).

Fazit
Der IAA Trendtalk 2025 verband verbandspolitische Neuerungen mit einem tiefen Einblick in die Mechanismen moderner Cyberangriffe. Die Veranstaltung unterstrich die Rolle der IAA als Plattform für Orientierung – und zeigte zugleich, dass digitale Resilienz in erster Linie eine Frage der menschlichen Wachsamkeit bleibt.


