Fridays… for Digital!
Während andernorts für das Klima demonstriert wurde, traf sich in Zürich die Digitalbranche zum jährlichen Stelldichein: Das Digital Festival im Schiffbau überzeugte mit hoher Qualität bei den Keynote-Speakern.

Keynoter David Wallerstein – Chief Exploration Officer bei Tencent – überzeugte mit inspirierenden Aussagen.
Über den visuellen Auftritt des Digital Festival und die sperrige Typografie kann man sich ja unterhalten, nicht aber über den Content dessen, was an der diesjährigen Konferenz geboten wurde. Die Vielfalt und Qualität der Beiträge war bemerkenswert und für Digital-Interessierte gehört diese Veranstaltung definitiv in die persönliche Agenda der kommenden Jahre.
In seinen überzeugenden Ausführungen machte David Wallerstein von Tencent klar, dass sich die Wachstumsentwicklung seiner Unternehmung auch heute noch – oder vielleicht sogar noch ausgeprägter – am Kundennutzen orientiert. Tencent, obwohl in der Schweiz nicht so bekannt, ist mittlerweile das fünftgrösste Unternehmen der Welt.
Das sei für ihn die verlässlichste Orientierungshilfe für das Innovationsmanagement. Es gehe bei der Innovation nicht darum zu erkennen, was die Technik alles könne und ermögliche – die Technik habe sich in den Dienst des User-Value zu stellen. Für ihn lautet die Vorgehenssequenz: Welches ist das relevante Kunden-Problem und mit welcher Technologie lässt sich das lösen.
Eine weitere bemerkenswerte Aussage des Chief Exploration Officers von Tencent bestand darin, dass er sich bei seiner Suche nach neuen Geschäfts- und Wachstumsthemen konsequent and den drei Buchstaben FEW orientiere. Bei Initiativen in Richtung Food, Energie und Wasser sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Lösungen einem echten oder geradezu akuten Bedürfnis entsprächen.
Auch hier zeigt sich, dass eine Tech-Firma wie Tencent sich nicht an den ultimativsten neuen Technologien orientiert, sondern an relevanten Fragestellungen. Am Beispiel der Sitzheizung im Auto hat David veranschaulicht, dass heute bei einer Innovation nicht mehr reicht nur den Convenience-Aspekt im Auge zu behalten, sondern gleichzeitig auch den ökologischen Aspekt mit zu berücksichtigen. Wenn Konzerne wie Tencent so denken darf man hoffen, dass in Sachen Weltklima und globalen Herausforderungen etwas in Bewegung geraten ist.
Man wird den Eindruck nicht los, dass seit Jahren beispielsweise vom Bundesrat die digitale Fitness der Schweiz gerühmt und heraufbeschworen wird. Bei genauerer Betrachtung erkennt man jedoch die harten Fakten für eine solche Behauptung nicht.
Natürlich haben wir ein hohes Bildungsniveau in unserem Land und hervorragende Institutionen wie die ETH – das sind ja aber nur Voraussetzungen um etwa digitale Fitness zu erlangen. Zuerst muss es noch getan werden. Vor diesem Hintergrund war die Überschrift des diesjährigen Digital Festival sehr treffend gewählt: «Get it done!» Dem Ausrufezeichen muss man beipflichten und den Organisatoren des Festivals Durchhaltewillen wünschen – solche Plattformen leisten einen Beitrag zur realen Umsetzung von Initiativen im digitalen Bereich.
Christoph Oggenfuss ist Front Office Architekt und CE-Owner der markITing AG in Zürich (www.markiting.ch).
