Digitale Transformation als Live-Erlebnis
«Geschäft und Gesellschaft neu erfinden»
Diese Chancen rückten die beiden Keynote-Referenten ins Zentrum ihrer Ausführungen. Es gehe darum, erinnerte Stefan Ries, Chief Human Resources Officer bei SAP, das business-orientierte Publikum, für diese Chancen bereit zu sein und daraus einen Wettbewerbsvorteil zu ziehen. An verschiedenen Beispielen zeigte er auf, wie SAP auch im HR-Bereich mit guten Beispiel vorangeht: mit der mobilen Bereitstellung von HR-Diensten, mit dem Einsatz von Analytics, in naher Zukunft auch mit künstlicher Intelligenz. Die wohl wichtigste Botschaft von Ries aber war, in die Weiterbildung der Mitarbeitenden zu investieren und den Menschen die Angst vor der digitalen Transformation zu nehmen.Ebenfalls als Optimist zu erkennen gab sich der zweite Eröffnungsredner zu erkennen: Jim Hagemann Snabe, ehemaliger Co-CEO von SAP und seit kurzem Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens. Der quirlige Däne illustrierte das Potenzial des digitalen Wandels anhand von Beispielen aus der Logistik, der Energiewirtschaft und der produzierenden Industrie und mahnte die Zuhörer, nicht auf künftige Lösungen zu warten, sondern das Potenzial der heute verfügbaren Technologien voll auszuschöpfen. «Jetzt ist der Zeitpunkt», rief Hagemann Snabe den Besuchern zu, «um das Geschäft und die Gesellschaft neu zu erfinden.»
Zum Beispiel Omega und Emmi
Was das konkret und praktisch heisst, war in zahlreichen themenspezifischen Referaten und Vorführungen, «use cases» und Demos zu erleben. Hier entpuppte sich der SAP Live Campus als eine Veranstaltung, deren Name Programm ist. Gut bis sehr gut besucht waren die Präsentationen von SAP-Kunden, die einen Einblick in ihre real existierenden Digitalisierungsprojekte gewährten. Beim Referat von Omega konnten die Zuhörer Schritt für Schritt die Einführung der leistungsstarken, skalierbaren Fertigungslösung SAP ME (Manufacturing Execution) auf Unternehmensebene mitverfolgen, mit deren Hilfe die Uhrenmarke Fertigungs- und Produktionsvorgänge verwaltet und steuert.Mit Spannung erwartete das Publikum in dieser Vortragsreihe die Ausführungen von Marcel Härtlein, Head Digital Transformation bei der Emmi Group, zu den Bemühungen des Milchverarbeiters im Bereich des digitalen Kundenerlebnisses. Am Beispiel einer Kampagne für das Produkt Caffé Latte, bei der es in einem Online-Gewinnspiel VIP-Tickets für das Lauberhorn-Skirennen zu gewinnen gab, zeigte er eindrücklich auf, wie Emmi mit einer Lösung auf Basis der SAP Hybris Marketing Cloud nicht nur die Marketing-Aktivitäten messbar und effektiver machte, sondern auch erste Schritte in Richtung einer agilen und datengetriebenen Marketingorganisation unternahm und gleichzeitig die Abhängigkeit von externen Dienstleistern milderte.Die Ergebnisse dieser ersten Kampagne mit SAP Hybris liessen aufhorchen: Zunahme von Kundenprofilen um 31 Prozent, Steigerung der Klickrate um 66 Prozent und eine dreimal höhere Conversion-Rate. Dazu kommt, dass Emmi mit der neuen Lösung die Marketing-Performance in Echtzeit verfolgen kann.
Digitales Kundenerlebnis in der Praxis
Das digitale Kundenerlebnis gab es an einigen Ausstellungsständen nicht nur als Vortrag, sondern ganz real. So wurde der Besucher beim Stand «Intelligent Ad» innert weniger Sekunden von Kopf bis Fuss gescannt. Die intelligente Bildschirmanzeige machte dann gleich Vorschläge für Hose, T-Shirt und Accessoires.Das dahinter stehende Prinzip ist mit dem aus Amazon bekannten Vorschlagswesen vergleichbar: Leute, die ähnlich gekleidet sind wie du, haben diese Hose und dieses T-Shirt gekauft. Technisch liegt dieser Lösung ein «machine learning»-Ansatz zugrunde. Zum Einsatz kommen könnte diese Lösung in Schaufenstern von Kleidershops zur Unterstützung von Aktionen im Laden: Wer die Schaufensterauslage betrachtet, wird gescannt; auf einem Bildschirm werden dann Kleidervorschläge angezeigt, die es im Shop zu kaufen gibt.Ein digitales Kundenerlebnis ganz anderer Art stand im Start-up-Bereich zur praktischen Nutzung bereit: eine neuartige flexible und zugleich äusserst platzeffiziente Garderoben- und Aufbewahrungslösung, mit der das Jungunternehmen Zippsafe die klassische Garderobe durch clevere Innovation und mit digitalen Elementen revolutioniert. Das Zippsafe-Konzept ist bis zu 70 Prozent platzeffizienter als ein traditioneller Spind. Dies führt einerseits zu grossen Flächenersparnissen und andererseits zu neuen Einsatzmöglichkeiten für Garderoben.So wird Zippsafe als platzeffiziente Mitarbeitergarderobe in Spitälern, als Mantelservice in Shoppingzentren und Empfangshallen oder im Eventbereich als Self-Service-Garderobe eingesetzt. Am SAP Live Campus konnten die Besucher ihre Mäntel und Taschen diebstahlsicher in einer Selbstbedienungslösung von Zippsafe verstauen.
Grosses Interesse für Innovationen
Regelmässig ausgebucht waren die Kurzpräsentationen zum Innovationssystem SAP Leonardo. In zehn Vorträgen und zahlreichen Live-Demos bekamen die Zuhörer und Zuschauer Einsatz- und Lösungsmöglichkeiten der hinter Leonardo stehenden Technologien und Services rund um IoT, Machine Learning, Blockchain und weiteren Innovation serviert.Auf grosses Interesse stiessen auch die Praxispräsentationen zur Business-Suite SAP S/4HANA. Die Ausführungen von Migros zu einem transformativen Grossprojekt auf der Basis von S/4HANA thematisierten den Agilitäts- und Effizienzgewinne durch eine gemeinsame, modulare Geschäftsprozessbox und teilten Erfahrungen aus den ersten Projektphasen mit dem Publikum. Swisscom veranschaulichte mit neuen Fiori-Apps, mit denen man von überall auf «sein» SAP S/4HANA zugreifen kann, den Mehrwert solcher Lösungen.
Virtueller Besuch im intelligenten Unternehmen
Der SAP Live Campus machte klar: Tools und Technologien, Lösungen und Know-how sind da, um bereits heute Projekte der digitalen Transformation tatkräftig anzupacken und ihre Chancen zu nutzen. Ganz auf einen Blick in Zukunft mussten die Campus-Besucher aber nicht verzichten. Am Demostand «Future-Ready Enterprise» begaben sich die Besucher in einer beeindruckenden Virtual-Reality-Präsentation, die von Adidas inspiriert ist, auf einen Rundgang durch ein hyperintelligentes Unternehmen.Der virtuelle Firmenbesuch führt von der Marktforschung und Produktentwicklung über die Fertigung bis zum Marketing und zur Logistik durch sämtliche Stadien eines Produktzyklus, in den die Kunden von Beginn weg als «Co-Creator» eingebunden sind. Das Ergebnis: deutlich beschleunigte Prozesse – von der Entwicklung bis zur Auslieferung verstreichen gerade mal drei Wochen – verbunden mit einem hoch personalisierten Kundenerlebnis.Kundenindividuelle Massenproduktion («Mass-Customization») auf diesem Niveau ist zwar noch Zukunftsmusik, doch die Technologien dafür stehen bereit. Jetzt gilt es, der Empfehlung von Hagemann Snabe zu folgen und ihr Potenzial auszuschöpfen.

