Zur Sache: tue gutes und sprich darüber

Die Glaubwürdigkeit der Medien ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland ein Thema. Nicht ganz unschuldig sind die Medienschaffenden selbst: Fehlleistungen einzelner Verlage oder Journalisten, die immer stärkere Vermischung von PR und Journalismus, eklatante Verstösse gegen die «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten », Bilder- und Filmklau im Internet, Kollegenund Konkurrenten-Bashing und vieles Unschönes mehr nagen an der Glaubwürdigkeit der Medien.

Wie wenn das noch nicht reichen würde, werden Medienforscher und selbsternannte Medienkritiker nicht müde, in unzähligen Blogs, Verlautbarungen und Interviews die ständig sinkende Qualität des Journalismus zu beklagen.

Diese Klagen haben eine gute und eine schlechte Seite. Das Gute daran ist, dass sich Journalisten und Verlage vielleicht einmal Gedanken über ihre Arbeit machen. Dass sie mal darüber nachdenken, ob die sich ständig wiederholenden Sparmassnahmen neben kurzfristigen finanziellen «Erfolgen» mittelund langfristig nicht zu einer Bedrohung der Qualität des Journalismus und der ständig zunehmende Druck der Inserenten zu einem ungeniessbaren Eintopf von PR und Hofberichterstattung führen.

Das Schlechte daran ist, dass die an sich berechtigte und wichtige öffentliche Kritik bei den Medienkonsumenten zu einer Verunsicherung und noch schlimmer irgendwann zu einer Ablehnung der Medien führen. Viele Leute haben heute schon das Gefühl, dass es die Medien zur Informationsvermittlung eigentlich gar nicht mehr braucht. «Ungefilterte, objektive» Informationen und auch Hintergrundberichte seien ja im Internet kostenlos in Hülle und Fülle zu finden. Meinen sie und denken nicht im Traum daran, diese Informationen zu hinterfragen. Für die Adepten dieser Meinung bleiben den Medien nur noch wenige Themen: Klatsch, Sex, Life-Style sowie Konsumtipps.

Seit zwei Jahren gibt es den Verein Investigativ. ch. Ziel des Vereins ist gemäss Statuten «die Wahrung der Medienkultur durch Qualitätssteigerung der Medienberichterstattung mittels professioneller Recherche und die Förderung des Nachwuchses durch Vermittlung von Recherchetechniken. Zweck des Vereins ist darüber hinaus die Pflege des investigativen Journalismus».

Unterstützt wird er von einigen Verlagen, der SRF, dem MAZ und dem Institut für angewandte Medienwissenschaft. Eine tolle Sache, die aber leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Ein Interview im Journi-Magazin Edito ist zwar gut, ein solches ebenso ausführliches im Blick oder im Tages-Anzeiger wäre aber besser und würde den Medien mehr bringen.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
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