Zur Sache: Knapp daneben

Das Zürcher Derby vom vergangenen Wochenende gab und gibt viel zu reden. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen und dem Abbruch des Spiels geben die Präsidenten von GC und FCZ eine gemeinsame Medienkonferenz.

Beide sind erschüttert und der Ton ist dementsprechend. Hart, aber ehrlich. GC-Präsident Leutwiler: «Das sind asoziale Elemente, jenseits von Gut und Böse.» Leutwiler weiter: «Man sollte sie am ‹Grind› reissen! Bilder ins Internet stellen! Sofort aburteilen!» Auch FCZ-Präsident Canepa spricht Klartext: «Wir müssen uns dauernd von einer Minderheit auf der Nase herumtanzen lassen. Wenn wir zur Identifizierung von Chaoten ihre Bilder ins Internet stellen, erhalte ich sofort einen Brief eines Datenschutzbeauftragten aus Bern. Das widert mich an! Das ist Wahnsinn! Müssen wir uns von solchen Idioten noch lange terrorisieren lassen?»

Auch die Schlagzeilen in den Schweizer Medien sprechen Bände. Hier ein kleiner Auszug, der – mit Ausnahmen – nicht immer sehr fantasievollen Überschriften: «Die Schande von Zürich, Das schwarze Zürcher Fussball-Derby, Schwarzer Sonntag im Letzigrund, Wüste Szenen im Letzigrund, Hooligans beenden Zürcher Derby, Abbruch und Tiefpunkt im Zürcher Derby, Derby der Schande, Ein tiefschwarzes Derby, Flammendes Inferno statt feuriges Derby, Schwarzer Tag für den Fussball, Jenseits von Gut und Böse, Ein Derby, das Tränen fliessen lässt, Brandherd Super League, Wieder ein schwarzer Tag für den Schweizer Fussball, Letzi-Schande: Derby wegen Hools gestoppt». Politiker melden sich zu Wort – schliesslich ist ja Wahlkampf. Die meisten plädieren für ein härteres Vorgehen. In Diskussionsrunden wird der schwarze Peter hin und her geschoben und in den Leserbriefen und Internetkommentaren geht es hoch zu. Alle sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann und dass man die Täter so schnell wie möglich zu Rechenschaft ziehen muss.

Am Dienstag veröffentlicht der Blick ein Bild eines mutmasslichen Hooligans. Dieser soll Petarden in den GC-Fansektor geworfen haben. Der Hooligan ist klar erkennbar. Und schon erfolgt eine Reaktion. Diesmal ist es nicht der eidgenössische Datenschützer, wie Canepa es befürchtete. Diesmal ist es der Vorsitzende des Presserates, der die Publikation des Bildes geisselt. «Die Medien sind prinzipiell keine Helfer der Polizei», so Dominique von Burg auf Anfrage der sda. Der Abdruck von erkennbaren Gesichtern sei nur dann zu rechtfertigen, wenn eine akute Gefahr bestünde, etwa im Fall eines Terroranschlages. «Dies war hier eindeutig nicht der Fall.» Stimmt! Die akute Gefahr besteht erst im nächsten Spiel.

Die Intervention des Presserates setzt ein falsches Signal.

Pierre C. Meier, Chefredaktor
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