Zur Sache: Hintergrundgeschichte
Wegen Ostern erschien die letzte Werbewoche vor vier Wochen. Im Sinne einer Chronistenpflicht hier ein Rückblick auf einige Themen, die in dieser Zeit die Schweizer Medienwelt bewegten. Dies ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Da war einmal die Geschichte mit der renitenten SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, die wegen verbotenen Paffens im Nichtraucherclub aus demjenigen geschmissen wurde. Echauffiert und wahrscheinlich durch das Sinken des Nikotinpegels nicht mehr ganz Frau ihrer Sinne, twitterte sie sich ihren Frust vom Leibe. Eine banale Geschichte, aber sie brachte es immerhin auf 73 Artikel in der Schweizerischen Mediendatenbank (SMD). Wobei wie oft die Geschichte hinter der Geschichte die interessantere ist: Der Journi, der sie brachte, ist irgendwie mit der PR-Tante des Clubs verbandelt und dieser wiederum nutzte die Badran-Story zur Bekanntmachung der neuen Must-be-there-Location. Übel.
Dann etwas aus dem Tierreich – Tiere ziehen ja immer. Sind-Sie-eigetli-vom-Aff-bisse-Mörgeli gegen Sandro Brotz, «Rundschau», SRF, und alle sowieso linken Journalisten, die sich zusammen mit den wohlbekannten linken Kräften der Universität Zürich gegen ihn, den Kämpfer gegen alles Böse, zusammentaten. Richtig – ein bisschen wie Don Quijote kam er einem schon vor, der schwarzhaarige Ex-Professor und SVP-Chefstratege. 87 Artikel in der SMD gab es dafür. Plus einen Auftritt bei TeleZüri, was ja zu befürchten war. Amüsant und tragisch zugleich.
Die «Rundschau» kommt nicht zur Ruhe. Der Bericht über Bischof Vitus Huonder und sein Bistum Chur sei ein Fall von «Demagogie und Zuschauermanipulation ». Okay, die Kleriker kennen ja diesen Problemkreis aus jahrhundertelanger praktischer Erfahrung. Da ist es nichts als logisch, dass man beim Presserat Beschwerde einreicht. Amen.
Die konzertierte Aktion Offshore-Leaks brachte es in den letzten sieben Tagen auf 375 Artikel in der Mediendatenbank. Chapeau vor der Rechercheleistung (2,5 Millionen Dokumente mit einem Datenvolumen von 260 Gigabyte) des Internationalen Konsortiums für investigativen Journalismus. Was mich hingegen überrascht hat, ist, dass praktisch kein Schweizer Journalist die Frage aufgeworfen hat, ob hinter der ganzen Geschichte nicht eventuell handfeste Interessen stehen und man sich vielleicht sogar instrumentalisieren lässt? Vielleicht wäre auch hier die Geschichte hinter der Geschichte die interessantere. Wer hat ein Interesse, dass diese Daten an die Öffentlichkeit kommen? Wer profitiert davon? Viele Fragen, aber bisher keine Antworten.
Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]
