Zur Sache: Glaubwürdigkeit
Auf Seite 38 finden Sie diese Woche anstelle einer Top- und einer Flop-Meldung der Woche zwei Tops der Woche. Nicht, dass uns die schlechten Nachrichten ausgehen würden. Was momentan in der Medienbranche passiert – sei es in der Schweiz oder im Ausland – würde es erlauben, ganze Ausgaben mit schlechten News zu füllen.
Auf Seite 38 finden Sie diese Woche anstelle einer Top- und einer Flop-Meldung der Woche zwei Tops der Woche. Nicht, dass uns die schlechten Nachrichten ausgehen würden. Was momentan in der Medienbranche passiert – sei es in der Schweiz oder im Ausland – würde es erlauben, ganze Ausgaben mit schlechten News zu füllen. Die zwei positiven Meldungen sollen vielmehr ein ganz kleines Zeichen setzen. Ein ganz wenig Optimismus in einer durchwegs pessimistischen Zeit.
Landauf landab wird gejammert. Das Ende der gedruckten Zeitung wird gebetsmühlenhaft heraufbeschworen. Strukturbereinigung, Marktbereinigung, Kostensenkung werden zum täglichen Mantra allzu vieler Exponenten der Medienbranche. Experten und solche, die sich dafür halten, geben unaufgefordert Ratschläge. Sind es Ratschläge zum Überleben, zur Sterbehilfe oder ist es etwa nur Selbstprofilierung? Lassen wir die Antwort offen.
Gavin O’Reilly, der Präsident des Weltverbands der Zeitungen (WAN), sagte letzte Woche an der Konferenz «Die Kraft des gedruckten Wortes» in Barcelona: «Dass diese ganze Schwarzmalerei ohne Widerspruch bleibt, ist für mich der bizarrste Vorfall vorsätzlicher Selbstverstümmelung in der gesamten Branchengeschichte.» Und weiter: «Viele überlegen gar nicht, was sie reden, sondern fallen einfach in den Chor derer ein, die behaupten, die Zukunft heisse Internet, Internet, Internet, und alles andere so gut wie ausschliessen.»
Mag sein, dass das nur präsidiale Worte an einer Branchenveranstaltung sind. Worte, die einfach nur gut tönen. Skeptiker würden dem zustimmen. Ich glaube es nicht, denn immerhin ist O‘Reilly nicht nur Präsident der WAN, sondern auch Vorstandsvorsitzender des irischen Medienkonzerns Independent News and Media. Er ist also weder Theoretiker noch Fantast. Er weiss, wovon er spricht. Das zeigt ein anderes Zitat: «Das soll nicht von der ernsten, ja sehr ernsten Lage ablenken, aber es ist und bleibt eine Tatsache, dass die Unternehmen in den anderen wichtigen Branchen ebenso betroffen sind wie die grossen Medienhäuser.»
Wenn aber Medienmanager nicht mehr an ihre Branche glauben und die Rolle der Medien in Zweifel ziehen, dann wird es zappenduster. Erlauben Sie mir hier, sehr persönlich zu werden. Wenn viele – zu unserem Glück nicht alle – Verleger, Radio- und Fernsehveranstalter nicht mehr an die Kraft der Werbung glauben, dann wird es gefährlich. Wie wollen diese Branchenexponenten ihren Kunden glaubwürdig begreiflich machen, dass klassische Werbung funktioniert, wenn sie selbst das Gegenteil tun? Sie investieren in B2B-Portale, sprechen ihre Kunden direkt an oder machen gar nichts. Gleichzeitig jammern sie, dass ihre Kunden keine oder weniger klassische Werbung schalten. Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit?
Pierre C. Meier, Chefredaktor
[email protected]
Landauf landab wird gejammert. Das Ende der gedruckten Zeitung wird gebetsmühlenhaft heraufbeschworen. Strukturbereinigung, Marktbereinigung, Kostensenkung werden zum täglichen Mantra allzu vieler Exponenten der Medienbranche. Experten und solche, die sich dafür halten, geben unaufgefordert Ratschläge. Sind es Ratschläge zum Überleben, zur Sterbehilfe oder ist es etwa nur Selbstprofilierung? Lassen wir die Antwort offen.
Gavin O’Reilly, der Präsident des Weltverbands der Zeitungen (WAN), sagte letzte Woche an der Konferenz «Die Kraft des gedruckten Wortes» in Barcelona: «Dass diese ganze Schwarzmalerei ohne Widerspruch bleibt, ist für mich der bizarrste Vorfall vorsätzlicher Selbstverstümmelung in der gesamten Branchengeschichte.» Und weiter: «Viele überlegen gar nicht, was sie reden, sondern fallen einfach in den Chor derer ein, die behaupten, die Zukunft heisse Internet, Internet, Internet, und alles andere so gut wie ausschliessen.»
Mag sein, dass das nur präsidiale Worte an einer Branchenveranstaltung sind. Worte, die einfach nur gut tönen. Skeptiker würden dem zustimmen. Ich glaube es nicht, denn immerhin ist O‘Reilly nicht nur Präsident der WAN, sondern auch Vorstandsvorsitzender des irischen Medienkonzerns Independent News and Media. Er ist also weder Theoretiker noch Fantast. Er weiss, wovon er spricht. Das zeigt ein anderes Zitat: «Das soll nicht von der ernsten, ja sehr ernsten Lage ablenken, aber es ist und bleibt eine Tatsache, dass die Unternehmen in den anderen wichtigen Branchen ebenso betroffen sind wie die grossen Medienhäuser.»
Wenn aber Medienmanager nicht mehr an ihre Branche glauben und die Rolle der Medien in Zweifel ziehen, dann wird es zappenduster. Erlauben Sie mir hier, sehr persönlich zu werden. Wenn viele – zu unserem Glück nicht alle – Verleger, Radio- und Fernsehveranstalter nicht mehr an die Kraft der Werbung glauben, dann wird es gefährlich. Wie wollen diese Branchenexponenten ihren Kunden glaubwürdig begreiflich machen, dass klassische Werbung funktioniert, wenn sie selbst das Gegenteil tun? Sie investieren in B2B-Portale, sprechen ihre Kunden direkt an oder machen gar nichts. Gleichzeitig jammern sie, dass ihre Kunden keine oder weniger klassische Werbung schalten. Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit?
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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