Recherche, Qualitätsanspruch und Finanzierung im digitalen Alltag
MEDIENMACHER Bitkom befragte 1300 Journalisten aller Mediengattungen, wie sie sie durch den digitalen Alltag navigieren, wie sie Recherchen durchführen und wie sich der Qualitätsanspruch sowie die Finanzierung durch das Internet geändert haben.

Journalisten recherchieren am häufigsten im Internet.Journalisten recherchieren täglich im Schnitt 163 Minuten. Mit umgerechnet 2 Stunden und 43 Minuten entspricht dies in etwa einem Drittel eines achtstündigen Arbeitstages. Nach ihrer Einschätzung gefragt, ob sie genügend Zeit für Recherche hätten, gab mit 61 Prozent eine deutliche Mehrheit an, dass sie häufig zu wenig Zeit für weitergehende Recherchen hätten. Nur 19 Prozent widersprachen der Aussage und gaben an, dass sie genügend Zeit für tiefgehende Recherchen hätten.Internetnutzung ist elemantarAuf die Frage, wozu sie das Internet in erster Linie nutzen, gaben 87 Prozent der Journalisten das „Beobachten der Nachrichten- und Themenlage“ an, direkt gefolgt von Recherchearbeit, dabei in erster Linie zur Ermittlung von Quellen und Kontaktdaten (85 Prozent) sowie zum Einholen von Informationen und Zusatzmaterial (84 Prozent). Zur gründlichen Recherche von komplexen Sachverhalten nimmt die Internet-Nutzung mit 76 Prozent bereits merklich ab. Weniger häufig nutzen Journalisten das Internet zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Quellen (62 Prozent) oder zum Bewerten eines Themas (57 Prozent).Digitale Hilfsmittel nicht ausgeschöpftSuchmaschinen und E-Mail sind mit deutlichem Abstand die wichtigsten Internetdienste für journalistische Recherchearbeiten (93 Prozent und 90 Prozent). Die Websites von Unternehmen, öffentlichen Behörden sowie von Vereinen und Verbänden erachten nur zwischen 46 Prozent und 51 Prozentder befragten Journalisten als wichtig für ihre Nachforschungen. Soziale Netzwerke gelten für 29 Prozent der Befragten als wichtig, noch weiter abgeschlagen sind die Websites von Parteien und Politikern mit nur 17 Prozent.Finanzierung von Journalismus Über zwei Drittel der befragten Journalisten arbeiten für werbefinanzierte Medien, mehr als die Hälfte arbeitet für Medien, die sich durch den Verkauf der journalistischen Arbeit finanzieren, etwa über Abo, Zeitschriftenhandel und Online-Modelle. Mit 96 Prozent gaben fast alle Journalisten an, dass das Medium, für das sie hauptsächlich tätig sind, journalistische Inhalte im Internet zur Verfügung stellt. Die Mehrzahl veröffentlicht kostenlos und ohne Registrierung, 30 Prozent der Medien setzen teilweise oder komplett kostenpflichtige Modelle ein, wie Freemium, Paywall, Light (geringer Beitrag oder Registrierung) und Kontingent- oder sogenannte „Metered“ Modelle, also Vertriebsformate mit Volumenbeschränkung. Von den befragten Journalisten gaben 38 Prozent an, dass sie als Leser für die Online-Ausgabe ihres eigenen Mediums kein Geld bezahlen würden. Nur 44 Prozent hingegen signalisierten ihre Zahlungsbereitschaft.
