Automobilwerbung-Workshop und erstmaliger «Talk im Mascotte»
Die Sektion Deutschschweiz von KS/CS Kommunikation Schweiz hat am Donnerstag gleich doppelt eingeladen. Zuerst zu einem Workshop zum Thema «Automobilwerbung: ungeliebte Pflicht». Danach stellte der Dachverband der kommerziellen Kommunikation im erstmaligen «Talk im Mascotte» die ketzerische Frage «Medien ohne Zukunft?».

Nach den praxisnahen und informativen Ausführungen zur Anwendung der Preisbekanntgabeverordnung (PBV) und Energieetikette in der Werbung waren sich die meisten Zuhörer einig, dass diese Vorschriften zwar sinnvoll seien, jedoch viel zu umfangreich und kompliziert. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, ob die Legal Lines die Konsumentinnen und Konsumenten überhaupt interessieren würden. Das veranlasste Markus Ruf von der Agentur Ruf Lanz, die Hyundai betreut, zum ebenso kreativen wie bedenkenswerten Vorschlag, die Autowerbung solle es der Heilmittelwerbung gleich tun. Statt langer Legal Lines könne sie doch den Hinweis publizieren «zu Rabatten und CO2-Belastung konsultieren Sie unsere Website und fragen Sie Ihren Händler oder Garagisten.»
Guido Sutter, Leiter Rechtsdienst des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO, liess sich vom Applaus der an die 100 Teilnehmenden – die Automobilbranche der Schweiz war von AMAG bis Subaru fast vollständig vertreten – nicht aus Konzept und Ruhe bringen. Er mahnte die Agenturen vielmehr an, nach dem Motto «weniger wäre mehr» jeweils nicht zu viele verschiedene Elemente in einem einzelnen Sujet zu bewerben; das führe erfahrungsgemäss zu Problemen mit der PBV. Den Workshop organisierte die Sektion Deutschschweiz von KS/CS Kommunikation Schweiz auf Hinweis von SECO und Bundesamt für Energie (BFE). Diese hätten in letzter Zeit vermehrt konstatiert, dass die entsprechenden Vorschriften zu wenig beachtet würden. Nicht aus bösem Willen, sondern meist aus Unwissen, das bekanntlich nicht vor Strafe schützt. Marc Schwenninger, Rechtskonsulent von KS/CS, konstatierte denn auch, dass wohl mehr als ein «Vorbestrafter» im Publikum sitze. Meist seien solche Fälle mit einem Strafbefehl erledigt, ergänzte Wachtmeister Georges Eigenmann von der Stadtpolizei Zürich, die für den Gesetzesvollzug verantwortlich ist. Komme ein solcher Fall jedoch vor den Strafrichter, könnten daraus Bussen bis 5000 Franken resultieren.
Erstmaliger «Talk im Mascotte»
Die Deutschschweizer Sektion von KS/CS Kommunikation Schweiz lancierte im Anschluss an den Workshop die neue Diskussionsreihe «Talk im Mascotte». Erste Gäste waren Otfried Jarren, Professor für Publizistikwissenschaft an der Uni Zürich und Präsident der Eidg. Medienkommission (EMEK), Arno Heinisch, Mitgründer und Geschäftsführer Rocket Beans TV, sowie SRF-Moderator Franz Fischlin. Moderiert wurde die Runde von Christian Merk, Präsident der Sektion Deutschschweiz. In seiner bunten Präsentation skizzierte Heinisch die Erfolgsgeschichte seines 7×24-Stunden-Internetsenders, der seit seinem Start vor zwei Jahren schwarze Zahlen schreibe. Neben Spenden finanziere sich Rocket Beans zwar auch über klassische Werbespots und Product Placement, mehr und mehr jedoch über neuen Formen wie Branded Content, Influencer und Affiliate Marketing. Dabei sei Glaubwürdigkeit die stärkste Währung im Hinblick auf die Kundenbindung.
Medien ohne Zukunft?
Bezug nehmend auf die Tagungsfrage «Medien ohne Zukunft?» erläuterte Professor Jarren anschliessend, dass sich der Medienmarkt in einen Nachfragemarkt gewandelt habe. Die Leserbindung sei dadurch brüchig geworden, wodurch die Massenmedien an Einfluss verlieren würden. Wichtig sei, dass sie sich von der Idee einer linearen Produktion verabschieden. Eine Möglichkeit wäre eine gemeinsame Plattform, auf der die Medien ihre Angebote platzieren, die von den Rezipienten selektiv genutzt werden können. Für die Werbung stelle sich künftig verstärkt die Frage der Messbarkeit der Mediennutzung; die Deutungshoheit liege mehr und mehr bei Telekom-Firmen und den internationalen Onlineplattformen. In der abschliessenden Diskussion erklärte Franz Fischlin, dass er sich ein Überleben der Qualitätsmedien ohne Werbung und staatliche Unterstützung nicht vorstellen könne. Gleichzeitig nahm er die SRG und die traditionellen Medien in die Pflicht. Sie hätten in der Vergangenheit nicht alles optimal gemacht und müssten sich künftig stärker bewegen, um im Markt bestehen zu können.
