Zu guter Letzt: Ziel knapp verfehlt

Jung von Matt/Elbe hat in Cannes eine Nivea-Kampagne eingereicht. «Vermutlich das Dümmste, was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe», findet Werbelegende Sir John Hegarty.

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Wenn Kinder sich am Strand weigern, sich mit Sonnenschutz eincremen zu lassen, nimmt sich gerne die Werbung dem Problem an. FCB Brasilien hat zum Beispiel im vergangenen Jahr mit der sonnenempfindlichen Nivea-Puppe nicht nur verzweifelten Eltern geholfen, sondern anschliessend auch in Cannes abgeräumt.

Das wollte wohl auch Jung von Matt/Elbe. Für den selben Kunden hat die Agentur – laut Casemovie – eine ferngesteuerte Möve entwickelt, die Sonnencreme auf Kinder sch… abwirft. Diese brechen in Begeisterung aus und reiben sich mit dem vermeintlichen Vogel-Exkrement ein. Ach ja: Bevor die Möwe zuschlägt, scannen die versteckten, wie Spanner wirkenden Möwen-Piloten den Strand mit einer UV-Kamera, um zu sehen, wo sich Sonnenbrand-gefährdete Kinder befinden.

Was wirkt wie eine Werbe-Satire (und dann ziemlich lustig wäre), ist offenbar ernst gemeint. Adweek.com hat den in Cannes eingereichten Beitrag publiziert. Denn Sir John Hegarty, Gründer der Londoner Kreativagentur Bartle Bogle Hegarty (BBH) und diesjähriger Jury-Präsident der Titanium und Integrated Lions, machte die anwesenden Journalisten neugierig, als er von der Kampagne erzählte. «Sie hätten es sehen sollen. Es ist vermutlich das Dümmste, was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe». Er habe im ersten Augenblick Monty Python hinter «Care from the Air» vermutet.

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Spanner? Nein, Strandbeobachter in luftiger Mission.

Im Gegensatz zur Roboter-Möwe hat die Kampagne die freie Wildbahn aber nie gesehen. Es verwundert deshalb auch nicht, dass Nivea – erst Recht unter diesen Umständen – mit dem Fall doch nichts mehr zu tun haben will. Der Kunde wünsche keine grössere Promotion der Kampagne, deshalb verzichte man darauf, antwortete die deutsche Agentur dem US-Werbeportal auf Anfrage.

Fairerweise muss man der Idee aber zugestehen, dass die meisten Kinder an der Möwe und ihrer Hinterlassenschaften wohl wirklich den Plausch hätten. Wie diese ihre Ladung aus der Luft so zielgenau abwerfen soll, dass weder Haare, Augen, noch Sand getroffen werden, bleibt jedoch Geheimnis der Agentur. Hohn und Spott statt Löwen und Rosé – beim nächsten Versuch klappt's bestimmt wieder. (hae)

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