The Show will go on

Darko Soolfrank ist der entdeckungsfreudige Unternehmer und kreative Kopf hinter der MAAG Music & Arts. Das Zürcher Unternehmen bietet Unterhaltung für rund 350 000 Leute pro Jahr. Eine nächste Produktion wird über 6 Millionen Franken kosten.

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Darko Soolfrank hat auf Wunsch seiner in die Schweiz eingewanderten Eltern eine Banklehre absolviert. Als Erfüllung seines ersten Traums wurde er später Skilehrer. Dann lockte ihn das Organisieren. Für den Verband der Gleitschirmund Deltapiloten wirkte er unter anderem als Veranstalter von Wettbewerben. Das führte zu einer Weiterbildung als Marketingplaner und später auch noch eidg. dipl. Werbeleiter. An der Schule lernt Soolfrank Guido Schilling kennen. Seit 1995 arbeiten sie zusammen und seit 2002 sind die beiden Partner der MAAG Music & Arts AG, dem grössten Showproduzenten der Schweiz.

In diesen Tagen sind in Winterthur die Proben zur vermutlich grössten Schweizer Bühnenshow des Jahres angelaufen. «Cyclope», eine sechs Millionen teure Produktion, ist inspiriert von einer Skulptur von Jean Tinguely. Diese ist mit 22 Metern das höchste Objekt des Schweizer Plastikers. Das Original steht in der Nähe von Paris. Tinguely, Bernhard Luginbühl, Niki de Saint Phalle und andere Künstlerfreunde haben ab 1969 über 25 Jahre lang an der Eisenplastik aus 350 Tonnen Stahl gearbeitet. Noch ein paar Jahre später hat Darko Soolfrank einen Entwurf für den «Le Cyclope» entdeckt.

«Als Produzent von Shows stehe ich am Morgen auf und denke: Was könnte man auf die Bühne bringen? Und am Abend gehe ich ins Bett und denke immer noch: Was könnte man auf die Bühne bringen? So ist mir Jean Tinguely mit seinem Hintergrund auch als Gestalter von Bühnenbildern, zum Beispiel für ein Ballett im Théâtre des Champs Elysées, immer sehr nahe gewesen.» Beim Studium von Tinguelys Arbeiten ist Soolfrank dann irgendwann auf den «Le Cyclope» gestossen und sagte sich: «Das ist ein fertiges Bühnenbild. Man muss nur noch rund herum ein Stück schreiben. Ein Musical drängt sich nicht auf für diese Art von Kunst, aber etwas Zirzensisches kann ich mir vorstellen.» Und was sich Darko Soolfrank vorstellen kann, das kann er auch realisieren. Am 27. und am 28. Februar ist in Winterthur Premiere. An zwei Tagen, weil die Halle mit 850 Plätzen «für all unsere Gäste zu klein ist». Im Sommer wird «Cyclope» am 10. Juli noch einmal Premiere in Basel haben. Dann als Open-Air-Spektakel. Eine erste erfolgreiche Version von «Cyclope» begeisterte bereits 2012 in Biel auf dem Gelände der früheren Expo 27 000 Besucher.

Neue Ideen in alten Hallen

Darko Soolfrank und sein Partner Guido Schilling, die Produzenten hinter «Cyclope», betreiben ansonsten das Theater im Zürcher Maag-Areal gleich neben dem Prime Tower. Weil die Bühne nur 12 Meter hoch ist, musste für Tinguelys grösstes Objekt, das in der verkleinerten Bühnenversion immer noch 17 Meter hoch ist, eine neue Halle gefunden werden. Aber neue Hallen entdecken ist inzwischen so etwas wie die zweite Berufung von Darko Soolfrank. Als seine erste könnte man das Finden von neuen Showideen und das Entdecken von neuen Talenten bezeichnen. Zum notwendigen Rüstzeug für einen Showproduzenten zählt Soolfrank «einen guten Riecher, ein Trendbewusstsein, wie es auch jeder Werber haben muss». Dazu braucht es ein Marketingverständnis, vor allem, wenn man etwas lanciert, das beim Mark und damit beim Publikum ankommen muss. «Wir leben von den Besuchern und bekommen keine Subventionen. Das bedingt eine Passion. Der Tag hat nicht acht Stunden, sondern immer viel mehr, auch die Wochenenden. Der letzte Silvester, den ich zuhause feiern konnte, war vor etwa 15 Jahren. Ich bin vielfach dann am Arbeiten, wenn die Leute ihre Freizeit geniessen», meint der Vater von zwei trotzdem gut unterhaltenen Töchtern.

Trotz des beträchtlichen finanziellen Risikos, das jede neue Produktion wieder mit sich bringt, sieht sich Soolfrank aber nicht als Spieler. «Seit Guido Schilling und ich die Maag-Halle verantworten, sind wir schon zweimal an die Situation gekommen, wo es brenzlig wurde. Das ist natürlich immer mit sehr vielen schlaflosen Nächten verbunden.» Im «normalen » Geschäftsleben wird ein Marktbedürfnis evaluiert und um dieses zu befriedigen, wird dann etwas produziert. Bei einer Show ist es eine Annahme, «eine Hoffnung, dass die Idee auf der Bühne durchstartet und die Leute kommen. Deshalb hat das völlig unberechenbare Komponenten. Wir haben ja auch keine Abonnenten. Jede Produktion ist ein neues Produkt.»

Entweder sagt der Markt «Daumen gegen oben» oder gegen unten. Brenzlig wird es, wenn man ein paarmal hintereinander den «Daumen gegen unten» hat, wie das vor zwei Jahren der Fall war mit «Dällenbach Kari» in Bern, der Musical-Version von «Die Schweizermacher» sowie «Altweiber-Frühling». Diese Bühnen-Adaptation des Films «Die Herbstzeit losen» war zwar «eine wunderbare Produktion». Soolfrank hat sie in Bern eingekauft, wo die Komödie vom Stadttheater mit Subventionen produziert worden ist und bestens lief. Aber in Zürich wollte es einfach nicht funktionieren. Nach einer solchen Pechserie ist die Liquidität «relativ schnell aufgebraucht und man hofft, dass man mit einem Hit aus der Talsohle wieder herausfindet».

Nicht nur ein Hit, sondern der grösste Mega-Hit aller Zeiten, wurde für die Produzenten in der MAAG-Halle schliesslich «Ewigi Liebi». 5 Jahre ist dieses Musical in Zürich und in einer extra dafür gebauten Halle in Bern gelaufen. In 906 Vorstellungen hat sich ein Publikum von 650 000 Leuten begeistern lassen. Auch die Lancierung zu diesem Musical stammt von Darko Soolfrank. Er hat das Projekt Roman Riklin angeboten, der dann zusammen mit Dominik Flaschka das Buch zu «Ewigi Liebi» geschrieben hat.

Talente entdecken

Soolfrank kann deshalb auch als ein Förderer von Talenten gelten. Begabte Menschen aus der alternativen Szene zum Beispiel, die das Potenzial haben, auch etwas für einen breiteren Markt zu machen. Roman Riklin hat vor «Ewigi Liebi» noch mit der Kleinkunst geflirtet, unter anderem tourte er mit «Heinz de Specht» und mit der Mundartrockband «Mumpitz» durch die Schweiz. Inzwischen ist er ein gefragter Autor auch bei anderen Produzenten. Ebenso Philipp Boë ist dank Soolfrank auf der Showtreppe ein paar Stufen höher gestiegen. Dieser hat sich in Biel als Regisseur von Experimentalstücken einen Namen gemacht. Dann hat der MAAGIntendant dem Bewegungsartisten nach einer «Soirée Creative» mit «Karl’s Kühne Gassenschau» und Freunden bei einem Nachtessen seine Idee anvertraut, dass er aus dem Objekt «Le Cyclope» von Tinguely etwas machen wollte. In Boës Augen hat es «sofort gefunkelt». Noch auf dem Tischset ist das Konzept für das jetzt auf 6 Millionen Franken Budget angewachsene Spektakel entstanden. «Boë hat die Chance bekommen und auch gepackt.» Trotz seiner Millionen-Budgets ist Darko Soolfrank nicht nur als Mensch bescheiden geblieben. Er will auch seine Arbeit nicht überbewerten. «Wir können nicht wie ein Schauspielhaus für uns reklamieren, dass wir ein intellektuelles Theater machen, das zum Anregen motiviert und Sachen infrage stellt. Aber wir können bewirken, dass wir den Menschen ein Stück Freude geben. Wenn das aufgeht, dann macht uns das schon glücklich.»

Im Theater fühlt sich Soolfrank zuhause. «Da kommen viele meiner Stärken zusammen auf einen Punkt. Deshalb machen wir das jetzt auch schon 15 Jahre. Es gibt viele, die da kommen und gehen. Ich mache es gerne: Kultur und Unterhaltung als solches. Aber auch das Organisieren liegt mir sehr gut. Ich mache gerne etwas für den Kunden, für unsere Gäste. Ein bisschen die Gastgeber-Rolle verbunden mit dem kulturellen Unterhaltungswert. Da kommt viel zusammen.»

Neben dem Musical-Theater gehört zum «Imperium » inzwischen auch der Club Härterei, die MAAG Event Hall, Frau Gerolds Garten, das Bistro K2. – Ist es unternehmerisch verlockend, sein Unternehmen ständig breiter werden zu lassen? «Nein», meint Darko Soolfrank. Zu Beginn war nur das Theater, als die MAAG-Halle 2002 mit dem Musical «Deep» von Charles Lewinsky eröffnet wurde. Dieses wurde 18 Monate lang gespielt. Die Auslastung war aber nach der ersten Saison ein täglicher Kampf. So haben Darko Soolfrank und Guido Schilling analysiert: «Wenn man nur ein Standbein hat, ist es fast nicht machbar. Wir brauchen ähnlich wie ein Fussballstadion eine gewisse Mantelnutzung, damit wir ein bisschen breiter aufgestellt sind. Wenn eine Showproduktion einmal nicht funktioniert, müssen wir uns weiter abfedern können.» So haben die beiden zugegriffen, als sich gleich neben dem Theater auch noch eine Chance für die «Event Hall» ergab. Dort werden die verschiedensten Anlässe organisiert. Aktuell die «Photo 14», am 1. Februar die ADC-Gala.

Ein weiterer Raum – die Härterei – war ursprünglich als Foyer für die «Event Hall» konzipiert. Als dann das Toni-Areal mit den vielen Club-Zwischennutzungen wie Dachkantine und Rohstofflager stillgelegt wurde, «haben wir das Bedürfnis festgestellt nach einem neuen Clubraum, der die Toni-Labels auffangen konnte, also sagten wir uns: Nutzen wir die Chance und steigen ein in das Club-Business.» So ist die «Härterei» entstanden.

Schliesslich ist noch das Konzert-Business dazugekommen. «Heute sind wir einer der grösseren Konzertveranstalter in der Schweiz. Wir haben mit dem ‹Digital MAAG› ein eigenes Festival und organisieren auch im Hallenstadion.» Die Tour mit Ennio Morricone oder die finnische Rockband «Sunrise Avenue» sind Veranstaltungen, welche die Maag- Betreiber zusammen mit ihrer Partnerfirma Gadget machten. «Es war nicht die Verlockung, sondern eigentlich eher ein rationaler Entscheid: Wenn unser Kern, nämlich die Showproduktion nicht funktioniert, müssen wir breiter abgestützt sein.» Und wieso nicht nur die Rosinen picken? Die international bewährten Acts im Hallenstadion? «Wir kommen von den selber konzipierten und produzierten Shows her und dort ist unser Herzblut. Dort verfügen wir mittlerweile auch über ein gutes Beziehungsnetz zu Autoren, Bühnenbildnern, Regisseuren oder Komponisten. Diese Stärke, diesen USP wollen wir unbedingt weiter einsetzen. In anderen Bereichen sind wir eher kopierbar», meint Soolfrank.

Aktuell präsentieren Darko Soolfrank und Guido Schilling 500 Veranstaltungen im Jahr und erreichen damit 350 000 Besucher. Damit ist ihre Organisation der zweitgrösste Veranstaltungsort neben dem Hallenstadion. Hat das auch schon zu Übernahmeangeboten geführt? «Es gibt immer mal Interessenten. Aber das ist für Guido Schilling und mich kein Thema. Wir wollen unabhängig bleiben, auch nicht wirklich subventioniert sein. Wir wollen unsere eigenen Ideen durchsetzen und mit diesen erfolgreich sein. Wir wollen unsere Spinnereien leben können», antwortet Darko Soolfrank. Der Vertrag mit Swiss Prime Site als Besitzerin garantiert noch bis 2015 eine Übergangsnutzung des Maag-Areals für Shows, Konzerte, Partys und Events. Eine Verlängerung ist aber nicht ausgeschlossen, denn alle Beteiligten, inklusive dem Zürcher Stadtrat, wissen die Aufwertung zu schätzen, welche das Quartier mit dieser kulturellen Bereicherung erfährt. «Wir kosten die Stadt nichts und machen etwas für das Quartier.» Um für die Zukunft gerüstet zu sein, haben Soolfrank und Schilling auch zugegriffen, als Herr Mayer-Sommer an der Geroldstrasse ein Stück Land frei hatte. «Wir dachten, da müssen wir den Fuss reinhalten. So haben wir entschieden: Lass uns mal 2400 Quadratmeter Land an der Geroldstrasse mieten. Dann können wir dort allenfalls ein Theater darauf bauen als Zwischennutzung, falls der Mietvertrag mit der MAAG-Halle nicht verlängert wird.» Mit diesem «Fuss drin» hätte man auch eine aktive Rolle spielen können, wenn das Kongresszentrum tatsächlich gekommen wäre. Die Idee war, im neuen Komplex ein definitives Theater einbauen zu können. Weil das Stimmvolk anders wollte und der Mietvertrag mit der MAAGHalle verlängert wurde, ist jetzt auf dem Areal anstelle eines provisorischen Theaters das Restaurant «Frau Gerolds Garten» stehen geblieben. Ein beliebtes Trendlokal, das die Showproduzenten nun als weitere Diversifizierung im Joint Venture mit der Gastronomiegruppe Miteinander GmbH führen. Mit all diesen Unternehmungen sind bei der MAAG Music & Arts AG 25 Mitarbeitende fest angestellt. Läuft eine Show, kann das Team mit allen Freelancern aber schnell auf 120 hochschnellen. Darko Soolfrank wirkt als Showentwickler und Programmleiter.

Vor zwei Jahren wurde für die Geschäftsführung mit Philipp Musshafen ein erfahrener Hotelier beigezogen. Guido Schilling arbeitet mit Soolfrank mehr strategisch und hinter den Kulissen. Er betreibt «nebenbei» auch noch eine der grössten Headhunting-Agenturen der Schweiz. «Träume nicht dein Leben. Lebe deinen Traum», lautete der Claim im Musical «Space Dream», mit welchem Schilling und Soolfrank 1995 ihre Zusammenarbeit begründet hatten. Dieser Traum hat sich für Soolfrank erfüllt. «Die Leute kommen zu uns in die Halle, wenn sie in ihrer freien Zeit sind. Und alles, was mit Freizeit zu tun hat und die Leute ausserhalb ihres Arbeitslebens abholt, ist entweder Ferien, Gastronomie oder Kultur und Unterhaltung. In diesem Sinn arbeiten wir mit der kostbaren Zeit der Menschheit. Das ist schon ein Traum, wenn man das darf.»

Andreas Panzeri
 

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