Der Experte in den Medien

Letzte Woche in der Rubrik «Zu guter Letzt» auf Werbewoche.ch:

Wie müssen sich Experten in der Medienwelt präsentieren? Treten Fachvertreter in der «Tagesschau» auf, wirken stilbewusst gekleidete Personen oft kompetenter als ihre Kollegen mit einem etwas ausgefalleneren Kleidungsstil. Sollten Experten deshalb vor ihrem Fernsehauftritt zum Stilberater geschickt werden?
Hier die Probe aufs Exempel:
Bei dem sympathisch wirkenden Mann handelt es sich um den Politikwissenschaftler Claude Longchamp, der das Institut GFS Bern (Forschung für Politik, Kommunikation und Gesellschaft) leitet und in der Nachrichtensendung des Schweizer Fernsehens zur bevorstehenden Abstimmung eine Prognose abgibt.
Wie der Beitrag zeigt, sein Outfit ist Tarnung. Longchamp wirkt vor der Kamera souverän und seine Kleiderwahl sichert dem Auftritt die nötige Aufmerksamkeit. Ein Stilberater, vollkommen überflüssig. Je authentischer, desto besser. Und nebenbei: Etwas Pepp kann der Sendung ja nicht schaden.
Dass wir heute, nach der katastrophalen Fehleinschätzung von Politik-Prognose-Guru Longchamp zur Anti-Minarett-Initiative, noch einmal einen ähnlich wohlwollenden Kommentar schreiben würden, kann ausgeschlossen werden. Dass aber so unbedarfte Abstimmungsprognosen erst im Nachhinein von ihren Verfassern relativiert werden, ist nicht nur unschön, sondern wirft auch ein äusserst schlechtes Bild auf den gesamten Berufsstand der Prognostiker.
Die Glaubwürdigkeit von Abstimmungsprognosen wird in Zukunft gegen null tendieren, denn man wird sich noch lange an die diesjährige Flop-Prognose erinnern. Auch das Schweizer Fernsehen wird sich überlegen müssen, wie in Zukunft mit Abstimmungsprognosen umgegangen werden soll. Ganz ungefährlich sind solche Fehleinschätzungen ja leider nicht.
Ob ein etwas konservativerer Kleidungsstil von Claude Lonchamp dessen Glaubwürdigkeit in Zukunft verbessern würde, bleibe dahingestellt.
PCM
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