Zu guter Letzt: So wird das nichts

Die Frage ist, wer zuerst ausstirbt: Der Hai oder die furchteinflössende Hai-Rhetorik vergangener Jahrzehnte? Der Sonntagsblick stimmt nicht gerade zuversichtlich.

Der Film «Der weisse Hai» brachte zwar Steven Spielberg ein Millionenvermögen ein, prägte jedoch auch das Image der faszinierenden, millionen Jahre alten Raubtiere nachhaltig. Generationen hatten furchtbare Angst, beim Badeurlaub von einem Monster aus der Tiefe zerfleischt zu werden. Nur ein toter Hai war ein guter Hai. Ganz nebenbei brachte die kommerzielle Fischerei unzählige Haiarten an den Rande der Ausrottung. Die Bilder von gefinnten Haien, die bei lebendigen Leib zurück ins Wasser gestossen werden, sieht man einmal und vergisst sie nie wieder.

Unzählige Organisationen, Meeresbiologen, Forscher, Natur- und Tierschützer werden seit vielen Jahren nicht müde, die Menschheit über den Hai aufzuklären, bevor es endgültig zu spät ist. Der Hai ist nicht Jäger, sondern der Gejagte. Er nimmt kein Menschenblut wahr und verwechselt Surfer nicht mit Robben. Er scheut Menschen. Er kann Menschen (irrtümlich) verletzen, aber nicht fressen. Fünf bis zehn Menschen sterben jährlich weltweit an den Folgen von Hai-Bissen. 150 Millionen Haie werden pro Jahr abgeschlachtet – 80 Prozent für die unsägliche asiatische Haifischflossensuppe. Bis Haie Geschlechtsreife erreichen, vergehen zehn bis 25 Jahre – je nach Art (Quelle). 200 der rund 500 bekannten Haiarten stehen kurz vor dem Aussterben. Das Verschwinden der Haie hätte katastrophale Auswirkungen auf das Ökosystem der Ozeane – etwa durch das ungehemmte Vermehren der Beutetiere und dem damit einhergehenden Rückgang des Phyto-Planktons, das über 70 Prozent des auf der Welt produzierten Kohlendioxids aus der Atmosphäre aufnimmt und in Sauerstoff umwandelt (Quelle).

Wer die Kommentarspalten von entsprechenden Berichten liest, hat das Gefühl: Die Message ist – zumindest in unseren Breitengraden – langsam bei einer breiten Bevölkerung angekommen. Da stellt sich schon die Frage, wieso der Sonntagsblick das Tier weiter als «Monster», «Albtraum für Surfer und Schwimmer» oder «Ungeheuer mit den tödlichen Zähnen» bezeichnet. Imagekorrektur geht anders.

Thomas Häusermann

monster-in-not
Bild: Sonntagsblick, 16. Juni 2013

More articles on the topic