Der Motz von Butz: Keine Medaille für das CI des Schweizer Olympia-Teams
Aus dem Land mit einer hohen Grafik- und Design-Tradition traten die Sportler an den Olympischen Spielen in Jekami-Uniform auf. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]
Um was es hier geht: Die Olympiade 2012 ist zwar vorbei, was aber bleibt, ist ein gutes oder schlechtes Image der einzelnen Länder. Kein anderes Land ausser der Schweiz hat eine so aussergewöhnliche und einfache Identity: das Schweizer Kreuz, weiss auf rotem Grund. Das wissen wir alle. Nur die Designer der Sportler-Trikots haben es vergessen. Das Kreuz ersetzt die Wörter wie Swiss, Suisse, Schweiz usw. Deshalb muss das Kreuz auf jeden Fall das erste und wichtigste Symbol sein. Adidas und Nike haben das schon längst herausgefunden. Den Gipfel in diesem Sammelsurium-Auftritt haben sich die Fussballer geleistet. Sie haben einfach jeglichen Hinweis auf die Schweiz weggelassen. (Meiner Meinung nach sollte Fussball an der Olympiade sowieso weggelassen werden).
Lieber Design-Verantwortlicher, würden Sie VW auch vorschlagen, mal das Logo, mal einen Schriftzug oder mal nichts auf die Autos zu platzieren? Sicher nicht. Nur beim Sport ist man sich da nicht einig. Meine These: Jedes Land ist wie ein Markenartikel, bei welchem es darum gehen sollte, ein möglichst gutes Image abzugeben. Deshalb ist es wichtig, dass ein klares und einheitliches Design zum Einsatz kommt. Ich glaube, dass die Sportbekleidungs- Verantwortlichen davon ausgehen, dass ja jeder auf der Welt weiss, dass die Farbe rot «Schweiz» bedeutet. Dieser Irrtum wird auch von Markenartiklern gemacht, welche denken, dass die Kampagne jetzt jeder gesehen hat und was Neues generiert werden muss. Auch die Schweiz ist ein Markenartikel. Und der sollte konsequent gepflegt und zur Anwendung kommen. Ja, ich rede von einem der genialsten Logos – dem Schweizer Kreuz.
Übrigens gibt es dazu eine ganz präzise Design- Anleitung: 1989 legte die Bundesversammlung im Bundesbeschluss betreffend das eidgenössische Wappen vom 12. Dezember die heutige Form fest, bei welcher das Seitenverhältnis der Arme 7 zu 6 beträgt: «Das Wappen der Eidgenossenschaft ist im roten Feld ein aufrechtes, freistehendes weisses Kreuz, dessen unter sich gleiche Arme je einen Sechstel länger als breit sind.»
So wie sich die Schweizer Krieger zur Zeit der Kreuzzüge im frühen 12. Jahrhundert, um sich vom Gegner zu unterscheiden, ein Kreuz auf die Rüstung malten, hätten sich alle Schweizer Olympia-Kämpfer einheitlich an diese Regel halten sollen. Dies hätte unserem Land einen grösseren Imagebonus eingebracht. Ich glaube, dass wir Schweizer uns fälschlicherweise unstolz unserer Nationalität gegenüber geben. Roger Federer oder die deutsche Swiss Airline nutzen diesen Vorteil genial aus. Mein Aufsteller ist, dass die Briten die Spiele optimal für ihr Image ausgenutzt haben, auch mit dem Symbol ihres Union Jack.

