Zur Sache: Gezwitscher
Letzte Woche war ich am Swiss Media Forum in Luzern. An dieser Veranstaltung im KKL Luzern gab es verdienterweise einen freien WLAN-Zugang für alle. Mit eigenem Zugangscode.
Das war schon mal toll, denn ich habe immer noch nicht herausgefunden, warum man in der Schweiz in praktisch jedem grösseren Hotel oder Konferenzzentrum zwar einen WLAN-Zugang via Swisscom hat, sich aber alle geschätzte zwei Minuten wieder neu anmelden muss, nachdem man ein neues SMS mit dem Code erhalten hat. Das nervt. Im Ausland habe ich dieses Problem noch nie gehabt.
Was solls, am Mediaforum gab es einen ständigen Zugang und dieser wurde auch stark genutzt. Vorne und hinten, links und rechts leuchteten Smartphone- und iPad-Bildschirme und Hunderte von Fingern drückten fleissig reale oder virtuelle Tasten. Dazwischen ertönte immer mal wieder ein Pling oder ein sonstiger Ton, auch kreative Klingeltöne à la Mozarts «Kleine Nachtmusik» gab es zu hören. Ist ja auch verständlich, denn bei so vielen Teilnehmern können ja nicht alle Leute wissen, wie man sein Handy oder sein iPad auf lautlos stellt.
Für die Twitterer unter den Teilnehmern gab es einen sogenannten Hashtag für die Veranstaltung. (Wer nicht weiss, was das ist, soll sich bei einem Digital Native erkundigen oder selber in Internet nachschauen.) Es wurde also fleissig getwittert. Die Qualität der einzelnen Tweets war naturgemäss sehr unterschiedlich. Es gab alles, von witzigen über blöde Sprüche zur Auflockerung, von Kernsätzen, die jemandem gefielen, bis hin zu weiterführenden Links.
Die einzelnen Tweets konnte man nicht nur auf seinem eigenen Gerät gewissermassen privat lesen, sondern auch öffentlich, denn auf der Bühne gab es eine Twitterwall, wo man das laufende Gezwitscher verfolgen konnte. Dies ist eine zweischneidige Sache. Einerseits droht die Gefahr der Ablenkung, weil man auf den grossen Screen starrt. Andererseits kann sie auch den klaren Beweis liefern, was Social Media heute effektiv bewirken können.
Der Swiss-CEO auf der Bühne wurde von seinen PR-Profis sicher genauestes vorbereitet. Aber diese Vorbereitung wird heute immer schwieriger. Und so nahm das Unglück seinen Lauf. Auf die Frage aus dem Plenum bezüglich künftigem WLAN in den Swiss-Flugzeugen gab er eine auf den ersten Blick plausible Antwort, die aber durch einen entsprechenden Tweet auf der Wall sofort zunichte gemacht wurde. Es kam aber noch schlimmer, denn nach seiner Aussage, dass die Swiss frühestens in fünf Jahren so weit sei, erschien auf dem Screen ein Link zu einem Artikel, der seine Aussage ziemlich relativierte. Kollektives Gezwitscher kann also sehr wohl zur Transparenz beitragen.
Pierre C. Meier, Chefredaktor
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