Der Motz von Butz: Die heutige Werbung ist keine Werbung für die Werbung

Mit wenigen, aber wirklich wenigen Ausnahmen ist die Qualität der Werbung auf den Unternullwert abgesackt. Oder können Sie mir von einer kreativen, auffälligen und neuen Werbeidee erzählen? Von Theophil Butz.

Meine These: Einer der noch aktiven und wichtigen Werber, der auf Kunden- und Agenturseite tätig ist, hat mir auf die Frage «Wie geht es denn dem Werbe-Business?» geantwortet: «Früher hat es Freude gemacht, und wir haben gutes Geld verdient. Heute ist es mühsam, und wir verdienen nichts mehr.» Warum es finanziell nicht mehr stimmt, kann ich aus meiner Warte nicht beurteilen. Was aber den Plausch und die neuen kreativen Ideen anbetrifft, erlebe ich täglich. Inserate, Plakate, Radio- Spots, TV-Spots und alle diese E-mails sind zu 90 Prozent Schrott, also ineffektiv. Übrigens, so wie die penetrante SVP-Werbung, die mit den Stampfschuhen. Too much is too much. Das hat ja auch das Stimmvolk deutlich zum Ausdruck gebracht. Um gute, kreative Werbung zu machen, braucht es Mut, Kompromisslosigkeit und Humor. Fürchtet man, das Werbebudget zu verlieren, geht man Kompromisse ein und redet die drittbeste Lösung zur kreativen Superlösung schön, dann resultieren solche Kampagnen, die bei mir den Motz auslösen. Ich kann mir einen solchen Motz leisten, da ich kein Budget in dieser Grössenordnung zu verlieren habe. Ich denke aber, dass alle mehr Mut zu auffälligerer, witziger und kreativer Werbung aufbringen müssten.

Die unsäglichen Flyers, die in meinem Briefkasten und in meinem Mail-Konto landen, strotzen vor Langeweile, sind uninteressant und wecken auf keinen Fall Kaufgelüste. Dafür steht ja die Werbung. Wenn ich mir zum Beispiel einige Inserate aus dem vorletzten Tagi-Magazin genauer ansehe, kann ich nicht verstehen, wie man intelligente Produkte den nicht dummen Lesern so schlecht und unkreativ schmackhaft machen will. Auf Seite 2 konnte mir die Swiss Power Group Groupe Mutuel auch nach längerem Betrachten nicht klar machen, was die Message lautet. Auf Seite 9 versucht mich Lindt mit Passion und purer Leidenschaft erfolglos für ihr Produkt zu gewinnen. Mehrere Automarken wirken eher ideenlos und undifferenziert. Der Kalauer in der Headline des Mazda-Inserats ist Wegweiser für die Werbemisere. Und die geht so: «Jetzt einsteigen und lossparen» (siehe Bild). Haha. Meinen Motz zur Swisscom-Werbung auf Seite 43 bitte in der Werbewoche 18 lesen. Schon zwei Seiten weiter überzeugt mich Knorr, sicher nie so ein Bratensauce- Töpfli zu kaufen. Die Aktionitis-Inserate auf Seite 50/51 von Migros und Sunrise sind ein weiteres Musterbeispiel für die Kreations- und Gestaltungslosigkeit unserer Branche. Auf den nachfolgenden vier Seiten geht es nicht besser weiter. Dass die Werbung, so wie ich ihr heute begegne, keinen Spasse macht, verstehe ich. Und als Kunde würde ich für so viel Quatsch auch kein Geld bezahlen. Mein Aufsteller dieser Woche ist mein selbstgeschnitzter Halloween-Kürbis, dem das Lachen nicht vergangen ist (siehe Porträt):

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Theophil Butz, einst Starwerber (Zitat Ringier), heute Inspirator und jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].

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