Der Motz von Butz: Mit Xerox, Schere, Fotoshop und Stumpfsinn
Vor kurzer Zeit ist das Art-Directors-Club-(ADC)-Jahrbuch 2011 per Post ins Haus geplumpst. Es war so dick, dass ich es mir erst heute näher angeschaut habe. Was entdecke ich: einen pfundsschweren Motz. Theophil Butz, einst Starwerber (Zitat Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
Um was geht es hier: In der dicken Post fand ich das neue ADC-Jahrbuch, so wie es schon letztes Jahr daher gekommen ist, wenig ideenreich, aber es erfüllt die Aufgabe, dem Leser die prämierten Arbeiten und deren Beteiligte zu übermitteln. Die dicke Post beinhaltet aber dann noch ein zweites identisch dickes Bilderrätselbuch. Lieber ADC, das finde ich zu dicke Post. Die mir unbekannten Linus Bill & Adrien Horni haben ein Zusatzbuch «verunstaltet». Der Titel heisst «Turbo Magazine La deuxième chance». Ich hätte diesem Duo nicht mal eine erste Chance eingeräumt.
Meine These: Der ADC-Vorstand hat anscheinend ein Problem damit, die ausgezeichneten Arbeiten eines Jahres in einem Buch zu veröffentlichen. Da muss jetzt schon zum zweiten Mal irgend ein gekünsteltes zweites Buch beigelegt werden. Es gibt genügend Stimmen, die behaupten, dass der ADC sich selbst beweihräuchert. Wenn jetzt der Vorstand auch am Zweifeln ist und denkt, dass diese Pseudokunstbeilage einen Added Value bildet, dann sollte man nun nach 34 Buchjahrgängen Schluss machen. Ich rede hier nicht nur als Motzer, sondern auch als Gründer und Mitverantwortlicher bei den Anfängen des ADC. Natürlich hat sich letzterer anfänglich eine andere und offenere Konzeption auferlegt. Zu den Mitgliedern zählten nicht nur Werber, sondern Architekten, Journalisten, Standbauer, auch Berater. Nach vielen Ups and Downs und einem Generationenwechsel steht der ADC heute schuldenfrei und ohne gröbere Kritik gut da. Warum jetzt diese Zusatzfurzidee? Ich weiss nicht, ob sich jemand das schon mal genau angeschaut hat. Ideen wiederholen sich, der Fotokopierstyle ist so «dated», mehr «dateder » geht gar nicht. Er ist humorlos und aufgesetzt bis hin zu gruusig.
Zu allem Verdruss muss ich dieses Unding mit dem Altpapier auf die Strasse schleppen. Das letzte Zusatzbuch mit den Mitglieder-Fotos, aus deren Augen Finger kommen, war für mich schon an der Grenze von Sauglattismus, wanderte auch ins Altpapier. An der letzten Jurierung habe ich ein paar der jüngeren ADC-Mitglieder besser kennen gelernt. Alles intelligente, kritische und auch geschmackssichere Menschen. Warum habt Ihr dem ADC-Buchmacher- Art-Direction-Team diese Zusatzidee nicht verweigert? U.A.w.g.
Mein Aufsteller ist, dass endlich diese hässliche Skulptur von Roger Müller vor dem Kunsthaus verschwunden ist. Der Platz sieht viel attraktiver aus. Auch hier bewahrheitet sich die These: Weniger ist mehr.

