Kein M besser

Sollen jetzt Kinder zwischen 5 und 15 Jahren via die Animalos, Spuukies, Robots, Pinkies oder den Luxious, Kapseln vom kleinsten Planeten der Milchstrasse, eine Umsatz-Mania bei Migros auslösen?

Um was es geht: Mit einer cleveren Marketingstrategie und einem gewaltigen Werbevolumen werden unsere Kinder, Göttibuben, Enkel und Urenkel mit 48 verschiedenen kreativ gestalteten, 33 mm grossen, purzelnden, pillenförmigen Figürchen terrorisiert.

Um ein solches «Nano» mit Stickerchen zu bekommen, muss ein Einkauf von mindestens 20 Franken getätigt werden. An bestimmten Joker-Tagen gibt es auch noch leuchtende, glitzernde oder sogar goldene, so genannte Super-Nanos. Aber dafür muss die Mutter schon mindestens für 60 Franken einkaufen. Migros-Mediensprecherin Oliva Luginbühl sagte in einem Interview, dass die Migros-Marketingabteilung diese Aktion für ihre Kunden im Sinne eines kleinen Dankeschöns mit Belohnung durchführe.

Meine Meinung dazu: Will man die Eltern, die ja das Geld auch verdienen müssen, um es bei der Migros wieder auszugeben, belohnen, dann ist die Lösung mit der Nanomania-Erfindung völlig falsch.

Im Gegenteil hat die Werbeagentur richtigerweise das Briefing bestimmt perfekt verstanden, interpretiert und eine zielgruppengerechte Lösung gefunden (siehe Artikel in der WW 03, S. 12). Sicher sind auch juristische Aspekte präzise überprüft worden. Ich kann mir jedoch sehr gut vorstellen, dass eine Agentur beim Zuspruch eines solch grossen Budgets mögliche ethische Bedenken gar nicht erst aufkommen lässt. Die Nanomania-Kampagne ist eine Schlangenfängerei, da sie 5- bis 15-jährige unbedarfte Kinder multimedial vor den Umsatzkarren der Migros schnallt. Die Omi, die Tante, die Gotte, der Onkel – alle müssen für den Enkel, das Gottekind etc. möglichst viel von diesen «Pillen» besorgen und ja nicht mehr bei Coop einkaufen. Die Mutter ist des Geklöns längst überdrüssig und könnte sich über diese Stresssituation, in die sie gebracht wird, auch ärgern. Ihre positive Präferenz zu Migros könnte plötzlich kippen. «Die Migros legt mich mit diesem Nano-Terror rein», könnte sie denken.

Wir kennen ja unsere Kinder, die keine Grenzen kennen, wenn es darum geht, möglichst alle 48 Figürchen zu haben. Kostenpunkt 980 Franken, ohne Accessoires, die es auch noch zu kaufen gibt. Bei den Panini-Bildchen hast du als Vater ruck zuck zwar nur 100 Franken in diese Hysterie investiert. Interessant wäre es zu erfahren, wie viel Mehrumsatz die Migros mit dieser Kundenbelohnungsaktion erwirtschaften wird.

Ich finde, dass die Migros schon über längere Zeit gute, unterhaltende und witzige Werbung macht. Für diese Nano-Invasion passt jedoch der Slogan «Ein M besser» schlechter.

Aufgestellt hat mich diese Woche, dass ich mich nach langem Hin und Her doch entschlossen habe, gegen Migros und Wirz, zu Gunsten unethischer Werbung meinen Motz loszuwerden.

nano

Theophil Butz, einst Starwerber (Ringier), heute Inspirator und ab jetzt auch noch Motzer. «Nicht eine einfache, aber eine notwendige Rolle, die ich hier alle 14 Tage wahrnehme.» Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
 

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