Zu guter Letzt: Vögele-Millionen fürs Image, als Monatslohn den Wert einer billigen Jeans

Der diesjährige Titelsponsor der Zürcher «Fashion Days», Charles Vögele, will sich mit Design, Glamour und viel Werbung ein neues Image verschaffen. Während jedoch die heute in Zürich auftretenden Schwestern Cruz selbst für Vögele-Chef «teuer» sind, sind die für Vögele produzierenden Näherinnen in asiatischen Zulieferbetrieben spottbillig.

Der in Indien, Bangladesch oder Kambodscha als Einkäufer und Auftraggeber bekannte Konzern hat also nicht nur ein sauberes Image als Sponsor der Fashion Days vorzuweisen. Die Arbeiterinnen der Textilindustrien von Vögele müssen regelmässig sehr lange Überzeiten leisten und erhalten viel zu tiefe Löhne, so Anannya Bhattachearjee, die globale Koordinatorin der Asia Floor Wage–Allianz AWF. Wie die Erklärung von Bern am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt, ist es eine Tatsache, dass sich Vögele, wie die Mehrheit der Kleiderfirmen, lediglich zur Bezahlung gesetzlicher Mindestlöhne verpflichtet. Bekannt sei jedoch auch, dass diese in ganz Asien kein menschenwürdiges Leben ermöglichten, sie reichten gerade mal für die Deckung von einem Prozentsatz der Ausgaben einer Textilarbeiterin. Empörend daran ist vor allem der Fact, dass Vögele sich auf dem Rücken dieser Minimal-Löhnen ein Marketing-Budget in Millionenhöhe aufbaut.
In Bangladesch, einem Land in dem ein grosser Teil der Vögele-Produkte hergestellt wird, wurde der gesetzliche Mindestlohn zwar angehoben. Nur deckt auch dieser neue staatliche Standard gerade mal 30 Prozent der täglichen Ausgaben der Textilarbeiterinnen. In Kambodscha sieht die Situation nicht viel anders aus, weshalb dort im letzen September über 200’000 Betroffene auf die Strasse gegangen sind, wie es in der Mitteilung der EvB weiter heisst. In Kambodscha erhalten die Näherinnen gerade mal den Wert einer Vögele-Hose zum Monatslohn. Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei 61 Dollar.
Doch die Verantwortung, einen gerechten Ansatz für Minimallöhne anzugeben, liege bei den Produktionsländern, schreibt Charles Vögele in einer Antwort auf eine Flut von Protestmails.

Die Asia Floor Wage Allianz AFW ist ein Zusammenschluss von rund 70 NGOs, Gewerkschaften und Wissenschaftlerinnen aus ganz Asien. Die AFW fordert die Bezahlung eines existenzsichernden Lohns für die Näherinnen und legt ein konkretes Berechnungsmodell sowie Implementierungsvorschläge für einen Existenzlohn vor. Die Erklärung von Bern/Clean Clothes Campaign unterstützen die Forderungen der AFW.

More articles on the topic