Trari trara!, unsere Privaten sind da
Marco Hinni ist CEO der AWZ-Gruppe. Das mit 115 Jahren älteste, aber immer wieder jung agierende Unternehmen mit rund 1400 Mitarbeitenden engagiert sich gleichzeitig für die adressierte und die unadressierte Direktwerbung in der Schweiz. In Zukunft noch attraktiver: mit Swiss Mail, der privaten Post AG.
Seit diesem Sommer wird somit ein neues Kapitel in der Geschichte der über 100-jährigen Firma AWZ geschrieben. «Was uns im Moment speziell auszeichnet, ist der Einstieg in die adressierte Zustellung von Briefschaften über 50 Gramm», zeigt sich Hinni stolz über das neue Produktangebot. Hier sieht er für sein Unternehmen «ein sehr grosses Potenzial». Der Markt der Briefzustellung werde zwar von der Post als rückläufig dargestellt, insbesondere durch die elektronische Substitution. Für die AWZ bedeutet die verbleibende Menge aber immer noch ein sehr grosser Markt, der erst zu einem Viertel liberalisiert ist. In diesem Konkurrenzumfeld will der CEO deshalb seine Ressourcen in den nächsten Jahren klar fokussieren und ausbauen. «Unsere Planung basiert auf der Annahme, dass in den nächsten vier Jahren die Liberalisierung bei 50 Gramm innehält und nicht weiter nach unten kommt.»
Die grosse Stärke der AWZ ist, dass sie als Generalunternehmen funktioniert. «Wir können unseren Kunden die gesamte Klaviatur der Dienstleistungen anbieten, die im Dialogmarketing gefragt sind», erklärt Hinni. Mit Verkaufsbüros in Bern, Baar, Basel und Lugano, drei Vertragungsdepots und über 1400 Mitarbeitenden in der Gruppe bietet die AWZ zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft Agentur für Direktwerbung (ADZ) die ganze Kette der Dienstleistungen von der Adressenbewirtschaftung über die Konfektionierung der Mailings bis zur Zustellung.
In der Zustellung von adressierten Briefsendungen kann der AWZ-Partner Quickmail in der Ostschweiz rund 10 Prozent der Schweizerischen Haushalte abdecken. Über die AWZ-Gruppe kommt bis Ende dieses Jahres noch einmal eine Abdeckung von 20 Prozent dazu. In der übrigen Schweiz gehört es zu den Aufgaben von Hinni, dass mit der Umsetzung innerhalb von Swiss Mail die Dichte in Zukunft noch besser wird. Bis spätestens 2012 will der private Konkurrent 63 Prozent aller Schweizer Haushalte erreichen.
Die Logistik von Swiss Mail lässt sich nicht vergleichen mit der gelben Post. «Wir sehen uns auch nicht als unmittelbaren Wettbewerber», erklärt Hinni. Swiss Mail sieht sich als Dienstleistungsergänzer. «Wir wollen das Dialogmarketing weiter ausbauen und dem Kunden einen noch besseren Response ermöglichen. Das ist die Hauptzielsetzung.»
Klare Ziele waren auch schon früher prägend in den Arbeiten von Marco Hinni. Eingestiegen in die Berufswelt ist er mit einer kaufmännischen Ausbildung. Er hat in verschiedenen Branchen gearbeitet, im Dienstleistungs- und im Konsumgüterbereich. Schon in jungen Jahren wollte er eine erste Weiterbildung absolvieren und liess sich zum Kaufmann HKG diplomieren, was heute eine höhere Fachschule ist. Rund zehn Jahre wirkte er anschliessend als kaufmännischer Leiter bei einem Konsumgüterproduzenten, dann sieben Jahre bei einem anderen Hersteller, dazwischen kurze Zeit in der IT-Beratung. In dieser Zeit des Wechsels überlegte er sich, was seine persönlichen Ziele sind, und ist zum Schluss gekommen, dass er sich in Zukunft vom stellvertretenden Geschäftsführer in einem KMU zum Verantwortlichen für die Gesamtleitung empfehlen will. «Ich habe analysiert, was mir dazu noch fehlte, und deshalb die Marketingleiterausbildung nachgeholt.» Das brachte Hinni nach dem Abschluss in eine sehr gute Ausgangsposition, als er im Frühling 2004 die Ausschreibung der AWZ gesehen hatte. Hier konnte er zwei Ziele auf einmal erreichen: Die angestrebte Gesamtleitung realisieren und gleichzeitig das aktuell erworbene Marketingwissen in eine Firma einbringen, die auf Dialogmarketing spezialisiert ist.
Ganz wichtig war ihm die Bedeutung der Unternehmenskultur in einer Firma. «Bei der AWZ durfte ich mit Genugtuung feststellen, dass dieser Grad sehr hoch ist.» Seither versucht Hinni mit seinem Mitwirken, den hohen Wert der Unternehmenskultur weiter sicherzustellen. Die Anfänge des Unternehmens mit einer «Schreibstube für Arbeitslose» ist ihm eine Verpflichtung. «Der soziale Gedanke ist nach wie vor stark.» In diesem Bereich sieht Hinni für die Führungsverantwortlichen der AWZ ein interessantes Spannungsfeld. «Wir bekennen uns in unserem Leitbild zu betriebswirtschaftlichen Grundsätzen. Wir wollen so viel Cashflow erwirtschaften, der erlaubt, unsere Investitionen selber zu finanzieren. Zum anderen wollen wir aus diesem Cashflow dem Verein für Arbeitsbeschaffung, der 100-prozentige Aktionärin ist, Dividenden abliefern. Diese sollen es dem Verein ermöglichen, seine gemeinnützigen Projekte zu finanzieren.»
Unterstützt wird eine Vielzahl von Projekten, zum Beispiel Arbeitsplattform.ch, Arbeit statt Fürsorge (ASF), Kompetenzzentrum Arbeit (KA) der Stadt Bern, Migros-Restaurant Bern-Westside und, nach Ablauf der Pilotphase, das Projekt «inizio». Der Ursprung von «inizio» geht auf Nationalrat Otto Ineichen zurück. Jugendlichen mit schwachen schulischen Leistungen und auffälligem Sozialverhalten werden Lehrstellen vermittelt. Zudem werden sie und die Lehrbetriebe bis zum Abschluss begleitet.
Beim Rückblick auf seine bisher sechs Jahre bei der AWZ will Hinni feststellen, dass er ein Unternehmen operativ weiterführen durfte, das bereits bei seiner Übernahme im Frühling 2005 äusserst erfolgreich war. «Geprägt von einem Vorgänger, der 22 Jahre die Geschicke nicht nur der AWZ, sondern der ganzen Branche geprägt hat.» Seither ist es dem Team der Führungsverantwortlichen gelungen, dies weiterzuführen und zu konsolidieren. «Jetzt, wo sich die Teilmärkte doch sehr stark verändern, können wir uns immer wieder auf die Veränderungen so einstellen jüngst mit der Kooperation mit der Quickmail , dass wir mit einer angepassten Ausrichtung verlorene Marktanteile in einem anderen Bereich kompensieren können.» Das sei nur möglich im Team und nie die Leistung eines einzelnen. Das Führungsteam bei der AWZ sei schon länger konstant. Und die Genugtuung dieses Kaders? «Es ist uns gelungen, die Grundwerte, die ein Unternehmen ausmachen, nicht nur auf das Papier zu bringen, sondern sie zu leben, aber auch dauernd zu hinterfragen. Damit haben wir die Gewissheit: Was wir miteinander geschaffen haben, ist von einer gewissen Beständigkeit, trotz Modeströmungen.» Keine Selbstverständlichkeit für ein Unternehmen, das sich vom Couvert-Anschreiben bis zu den Möglichkeiten des Web 3.0 entwickeln musste. Andreas Panzeri
Geringe Streuverluste und optimale Kontaktchancen sind gute Gründe dafür, dass rund ein Viertel aller Werbeausgaben in das Direktmarketing fliessen. Mit Verkaufsbüros in Bern, Baar (Zweigniederlassung Zürich), Basel und Lugano sowie drei Vertragungsdepots zählt die AWZ AG zu den führenden Dienstleistern in dieser Disziplin. Zum Angebot gehören Adress-Datenbanken mit 5,6 Millionen Privatadressen, 455’000 Geschäftsadressen und 450’000 E-Mail-Privatadressen und SMS-Mobilenummern. Die AWZ AG ist berechtigt, das Datenschutz-Gütesiegel «GoodPriv@cy» zu führen. Sie verpflichtet sich, Datenschutz und Datensicherheit dauernd zu hinterfragen und Massnahmen zur Verbesserung regelmässig zu prüfen. Der individuelle Vertragungs-Service bedient rund 2,2 Millionen Schweizer Briefkästen ohne Stopp-Kleber mit unadressierter Werbung. Zum Service gehören auch IT-Dienstleistungen sowie die Mailing-Produktion mit eigenem Lettershop und Fulfillment.
Die AWZ Bern wurde 1895 als «Schreibstube für Arbeitslose» gegründet. Hinter dieser Idee stand der Verein für Arbeitsbeschaffung (VFA) Bern, der sich mit verschiedenen sozial ausgerichteten Projekten gegen die Arbeitslosigkeit engagierte. Als Betriebszweig des VFA entwickelte sich die AWZ AG im Verlauf der Jahre von der reinen Schreibstube zur Anbieterin von individuellen Dienstleistungen im Adressen- und Vertragungsgeschäft. Heute ist die Pionierin für adressierte und unadressierte Direktwerbung noch immer eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Vereins für Arbeitsbeschaffung. Das Unternehmen wird aber nach modernen betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt. Mit der dem VFA zur Verfügung gestellten Dividende werden gemeinnützige Projekte unterstützt.
