«Dort bleiben wir»
Michael Ringier über seine Medienaktivitäten in Osteuropa
Michael Ringier über seine Medienaktivitäten in OsteuropaRingiers Auslandgeschäft, insbesondere jenes in Osteuropa, wächst schnell. Nach Einschätzung von Verleger Michael Ringier könnte es für den grössten Schweizer Medienkonzern schon bald mindestens ebenso wichtig werden wie der helvetische Markt.Das Auslandgeschäft von Ringier zeigt sich derzeit äusserst dynamisch. Was sind die Hintergründe für diese Entwicklung?
Michael Ringier: Erstens gehörten wir zu den Ersten, die vor zehn Jahren dort investierten. Dadurch verfügen wir heute über eine sehr gute Ausgangsposition. Zweitens konsolidieren sich nun diese Märkte, so wie dies bei uns in den letzten 20 bis 30 Jahren der Fall war. Jetzt gibt es in jedem Land nur noch zwei, drei, vielleicht vier grosse Verlage im Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft. Nun ergaben sich aber Gelegenheiten, nochmals einige Blätter zu übernehmen oder sich an solchen zu beteiligen. Und diese Chance haben wir genutzt.
In den vergangenen Jahren hat sich Ringier im Auslandgeschäft immer wieder an Firmen beteiligt und dann gewartet, bis der Partner aussteigt. So geschah es in Tschechien und in der Slowakei, und so könnte es auch in Rumänien und Ungarn noch kommen. Ist das die Ringier-Strategie?
Ringier: Es ist richtig, wir gingen strategische Partnerschaften ein, auch aus der Notwendigkeit heraus, als Familienunternehmen nicht das ganze Risiko eingehen zu müssen. Aber unsere Absicht war immer ganz klar: Diese Länder sind ein Teil unserer Zukunft, dort bleiben wir, das ist eine Investition in die nächsten 50 Jahre. Und das hat sich ausbezahlt. Unsere jeweiligen Partner hingegen hatten zum Teil andere Absichten oder änderten ihre Meinungen, weshalb wir die Geschäfte immer wieder zu 100 Prozent übernehmen konnten. Die neue Partnerschaft mit Gruner + Jahr ist nun aber auch eine verlegerische, die wir weiterentwickeln müssen.
Sie spekulieren also nicht auf einen baldigen Ausstieg von Gruner + Jahr?
Ringier: Nein, das ist nicht die Meinung, aber man kann dies auch nicht ausschliessen.
In Polen ist Ringier nicht aktiv. Gibt es Gründe dafür?
Ringier: Wir hatten dort zwar eine Aktivität, sind aber doch zu spät eingestiegen. Polen ist das grösste unter den osteuropäischen Ländern, darum war es auch für andere Verlage am interessantesten. Wir sahen deshalb unsere Chancen in den kleineren Ländern, wo es zu Beginn weniger Konkurrenz gab. Später gaben wir dann das Engagement in Polen – und übrigens auch eines in Bulgarien – auf, weil wir nicht gleichzeitig in allen sechs Ländern investieren konnten.
Im vergangenen Jahr betrug der Anteil des Osteuropageschäfts am gesamten Ringier-Umsatz 12,9 Prozent. Wie entwickelt er sich weiter?
Ringier: Wir sind nächstes Jahr an rund 200 Millionen Franken Umsatz beteiligt. Aber man muss das langfristig sehen: All diese Länder werden in den nächsten Jahren Mitglieder der EU, und das bringt mehr Rechtssicherheit, Wachstum und Gewinnaussichten. Deshalb bin ich überzeugt, dass dieses Geschäft für Ringier in zehn Jahren eine enorme Bedeutung haben wird.
Mit welchem Anteil am Gesamtumsatz?
Ringier: Wenn das Wachstum so weiter geht, ist in den nächsten 10 bis 15 Jahren eine Steigerung auf 30 bis 50 Prozent absolut denkbar.
In einigen Märkten hat Ringier bereits eine marktbeherrschende Stellung, zudem ist wohl das Angebot an weiteren interessanten Titeln begrenzt. Wie gross ist Ihr Spielraum noch?
Ringier: Es gibt einzelne Titel, die für uns noch interessant wären, allerdings sind auch die Preise enorm gestiegen. Das ist einerseits schön, weil dies auch etwas über den Wert des eigenen Geschäftes aussagt, andererseits steckt uns das gewisse Grenzen. In Rumänien ist aber noch viel möglich, weil dieser Markt noch wenig konsolidiert ist. In Ungarn hingegen kann ich auch aus politischen Gründen im Zeitungsgeschäft kaum mehr Neues anfassen, im Zeitschriftengeschäft hingegen bestehen noch Möglichkeiten.
Dieses Jahr wird das Osteuropageschäft insgesamt schwarze Zahlen schreiben. Gibt es Länder, in denen dies noch nicht der Fall ist?
Ringier: Nein, im operativen Geschäft schreiben wir überall schwarz. Rechnen Sie aber die Abschreibungen hinzu, die sich aus unseren relativ teuren Akquisitionen ergeben, sieht es etwas anders aus.
Operativ schwarz – gilt dies auch fürs nächste Jahr?
Ringier: Wir hoffen es, die Konjunktur bleibt unsicher. In Osteuropa hat sie sich allerdings als relativ stabil gezeigt. Ob das so bleibt, ist jedoch offen.
Mit welchen Mitteln bezahlt Ringier diese Investitionen in Ost-
europa und Asien?
Ringier: Wie immer in dieser Firma haben wir diese Investitionen aus dem selbst erarbeiteten Cashflow finanziert. Zum Teil gingen wir aber, wie gesagt, auch Partnerschaften ein, um das Risiko zu mindern. Daran wird sich nichts ändern. Interview: Markus Knöpfli
Neue Investitionen in Tschechien
Michael Ringier: Erstens gehörten wir zu den Ersten, die vor zehn Jahren dort investierten. Dadurch verfügen wir heute über eine sehr gute Ausgangsposition. Zweitens konsolidieren sich nun diese Märkte, so wie dies bei uns in den letzten 20 bis 30 Jahren der Fall war. Jetzt gibt es in jedem Land nur noch zwei, drei, vielleicht vier grosse Verlage im Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft. Nun ergaben sich aber Gelegenheiten, nochmals einige Blätter zu übernehmen oder sich an solchen zu beteiligen. Und diese Chance haben wir genutzt.
In den vergangenen Jahren hat sich Ringier im Auslandgeschäft immer wieder an Firmen beteiligt und dann gewartet, bis der Partner aussteigt. So geschah es in Tschechien und in der Slowakei, und so könnte es auch in Rumänien und Ungarn noch kommen. Ist das die Ringier-Strategie?
Ringier: Es ist richtig, wir gingen strategische Partnerschaften ein, auch aus der Notwendigkeit heraus, als Familienunternehmen nicht das ganze Risiko eingehen zu müssen. Aber unsere Absicht war immer ganz klar: Diese Länder sind ein Teil unserer Zukunft, dort bleiben wir, das ist eine Investition in die nächsten 50 Jahre. Und das hat sich ausbezahlt. Unsere jeweiligen Partner hingegen hatten zum Teil andere Absichten oder änderten ihre Meinungen, weshalb wir die Geschäfte immer wieder zu 100 Prozent übernehmen konnten. Die neue Partnerschaft mit Gruner + Jahr ist nun aber auch eine verlegerische, die wir weiterentwickeln müssen.
Sie spekulieren also nicht auf einen baldigen Ausstieg von Gruner + Jahr?
Ringier: Nein, das ist nicht die Meinung, aber man kann dies auch nicht ausschliessen.
In Polen ist Ringier nicht aktiv. Gibt es Gründe dafür?
Ringier: Wir hatten dort zwar eine Aktivität, sind aber doch zu spät eingestiegen. Polen ist das grösste unter den osteuropäischen Ländern, darum war es auch für andere Verlage am interessantesten. Wir sahen deshalb unsere Chancen in den kleineren Ländern, wo es zu Beginn weniger Konkurrenz gab. Später gaben wir dann das Engagement in Polen – und übrigens auch eines in Bulgarien – auf, weil wir nicht gleichzeitig in allen sechs Ländern investieren konnten.
Im vergangenen Jahr betrug der Anteil des Osteuropageschäfts am gesamten Ringier-Umsatz 12,9 Prozent. Wie entwickelt er sich weiter?
Ringier: Wir sind nächstes Jahr an rund 200 Millionen Franken Umsatz beteiligt. Aber man muss das langfristig sehen: All diese Länder werden in den nächsten Jahren Mitglieder der EU, und das bringt mehr Rechtssicherheit, Wachstum und Gewinnaussichten. Deshalb bin ich überzeugt, dass dieses Geschäft für Ringier in zehn Jahren eine enorme Bedeutung haben wird.
Mit welchem Anteil am Gesamtumsatz?
Ringier: Wenn das Wachstum so weiter geht, ist in den nächsten 10 bis 15 Jahren eine Steigerung auf 30 bis 50 Prozent absolut denkbar.
In einigen Märkten hat Ringier bereits eine marktbeherrschende Stellung, zudem ist wohl das Angebot an weiteren interessanten Titeln begrenzt. Wie gross ist Ihr Spielraum noch?
Ringier: Es gibt einzelne Titel, die für uns noch interessant wären, allerdings sind auch die Preise enorm gestiegen. Das ist einerseits schön, weil dies auch etwas über den Wert des eigenen Geschäftes aussagt, andererseits steckt uns das gewisse Grenzen. In Rumänien ist aber noch viel möglich, weil dieser Markt noch wenig konsolidiert ist. In Ungarn hingegen kann ich auch aus politischen Gründen im Zeitungsgeschäft kaum mehr Neues anfassen, im Zeitschriftengeschäft hingegen bestehen noch Möglichkeiten.
Dieses Jahr wird das Osteuropageschäft insgesamt schwarze Zahlen schreiben. Gibt es Länder, in denen dies noch nicht der Fall ist?
Ringier: Nein, im operativen Geschäft schreiben wir überall schwarz. Rechnen Sie aber die Abschreibungen hinzu, die sich aus unseren relativ teuren Akquisitionen ergeben, sieht es etwas anders aus.
Operativ schwarz – gilt dies auch fürs nächste Jahr?
Ringier: Wir hoffen es, die Konjunktur bleibt unsicher. In Osteuropa hat sie sich allerdings als relativ stabil gezeigt. Ob das so bleibt, ist jedoch offen.
Mit welchen Mitteln bezahlt Ringier diese Investitionen in Ost-
europa und Asien?
Ringier: Wie immer in dieser Firma haben wir diese Investitionen aus dem selbst erarbeiteten Cashflow finanziert. Zum Teil gingen wir aber, wie gesagt, auch Partnerschaften ein, um das Risiko zu mindern. Daran wird sich nichts ändern. Interview: Markus Knöpfli
Neue Investitionen in Tschechien
Weil Ringiers Boulevardblatt Blesk in Tschechien in den vergangenen fünf Jahren die Auflage um 61 Prozent auf 330000 Exemplare steigern konnte, hat der Konzern nun eine zweite Druckerei in Prag gekauft. Gleichzeitig beteiligte sich Ringier zu 51 Prozent an der Sporttageszeitung Cesko-slovensky Sport (Auflage: 60000 Exemplare). Erst vor einer Woche hatte Ringier zudem ein Joint Venture mit Gruner + Jahr in Ungarn, Tschechien und in der Slowakei bekannt gegeben (WW 42/01). In Rumänien hingegen gehen beide Konzerne nach wie vor getrennte Wege.
