Tamedia fährt mit Radio 24 auf den Holzweg

Neuer Powerpool ist rechtlich nicht möglich und taktisch ungeschickt

Neuer Powerpool ist rechtlich nicht möglich und taktisch ungeschicktDie neue Eigentümerin Tamedia ändert wenig bei Radio 24, begeht aber den ersten Tritt ins Fettnäpfchen: Der neue Powerpool mit Radio Zürisee wird von den Leaderpool-Partnern nicht goutiert. Zudem könnte er Konkurrent Radio Z in die Hände spielen.Radio 24 erhält eine neue Abendsendung: «Downtown» ersetzt das bisherige «Top». «Downtown» ist ein breites Gefäss mit Ausgehtipps, Trends, Lifestyle, Live-Sportberichten, Klatsch und neuen CDs. Sonst bleibt unter Chefredaktor Peter Brunner aber nahezu alles beim Alten.
Anders beim Werbeverkauf. Zwar bleibt Radio 24 bei der Belcom, die in die Tamedia integriert wurde, doch hat nun Richi Gasser das Zepter übernommen und Christian Stärkle abgelöst. Dieser steht der Belcom noch beratend zur Seite. Das Verkaufsteam setzt sich weiter aus Tina E. Habegger, Urs Güntensperger, Rolf Niederhäuser und das Marketingteam aus Urs Arnold und Flurin Schüpfer zusammen.
Bei den Werbetarifen hat Radio 24 nun auch die von Radiocontrol ausgewiesene dritte Primetime um 17 Uhr berücksichtigt. Werktags kostet der Sender somit in der Morgen-Primetime (8 bis 9 Uhr) 34 Franken, von 12 bis 14 Uhr sowie von 17 bis 18 Uhr steigt der Preis neu auf 32 Franken. Im nationalen Verkauf will Gasser künftig auf Radiotele, Cover Media und Spot Promotion setzen. «Radio sollte sich professionell vermarkten, das machen neutrale Vermittler besser», sagt er. Die IP Multimedia, Vermarkterin von Radio Z, will er dagegen «nicht besonders pushen».
Die bisher nur leise oder gar nicht kommunizierte Crossmediastrategie von Radio 24 wird besser bekannt gemacht. Zum einen kooperiert der Sender mit Tele Züri (siehe Textkasten oben), andererseits führt er die noch junge Kooperation mit der Pendlerzeitung 20 Minuten weiter. Für das so genannte Power-Package wurde ein Zweijahresvertrag unterzeichnet. Dabei werden zwei Versionen mit Untervarianten angeboten – jeweils Spots kombiniert mit Printanzeigen.
Tamedia durch die Hintertüre wieder bei Radio Zürisee
Im Bereich Radiopool will sich Gasser vorläufig weder dem City-Pool noch dem Pool 2000 anschliessen. «Wir sind bisher alleine sehr gut gefahren», sagt er. Ende Jahr wird der Pool mit Radio 105 aufgelöst, der kaum benutzt worden war. In Zürich will Radio 24 dagegen seine Position ausbauen und hat dazu mit Radio Zürisee den neuen Powerpool (Nettotagesreichweite: 447200 Hörer im ersten Halbjahr 2001) lanciert, der am 1. Januar 2002 startet.
Ob es dazu kommt, ist fraglich. Radio Zürisee ist mit den Radios Top und Grischa bereits im Leaderpool liiert und darf gemäss Vereinbarung bei keinem anderen nationalen Pool mitmachen. Top und Grischa haben bereits schriftlich bei Radio Zürisee interveniert. «Wir müssen da noch eine Diskussion führen», bestätigt Heinz Gantenbein von Radio Zürisee. Er gibt sich aber zuversichtlich. Der Leaderpool sei ein Angebot für die nationale Lösung, die Liaison mit Radio 24 dagegen ziele auf den lokalen und regionalen Markt, sagt er.
Dem widerspricht Top-Chef Günter Heuberger vehement. Eine Kombination mit Radio 24 könne gar nicht bloss regionalen Charakter haben, sagt er. Er wisse zwar, dass der neue Pool nicht gegen Top oder Grischa gerichtet sei, sagt der Top-Chef. «Er richtet sich primär gegen Radio Z.»
Dennoch will Heuberger den neu entstehenden Powerpool nicht dulden. «Die Rechtsgrundlage ist klar.» Wie aber sieht man die Lage bei der Tamedia? Jürg Wildberger, dort zuständig für Radio 24, winkt ab. Radio Zürisee müsse dies schon selber regeln, sagt er.
Eigentlich erstaunlich, denn bis vor kurzem war die Tamedia noch an Radio Zürisee beteiligt, kennt also den Vertrag mit dem Leaderpool. Und noch aus einem andern Grund findet Heuberger das Tamedia-Vorgehen ungeschickt. Warum, so fragt er sich, lanciert der Medienkonzern ausgerechnet jetzt diesen Powerpool-«Schnellschuss»? Noch vor Ende des Jahres wird der Bundesrat über die von den Radios 24, Z und Argovia beantragten Gebietserweiterungen entscheiden. Da könnten Radio 24 nun plötzlich Nachteile erwachsen. Der Grund: Die Wettbewerbskommission hatte die Belcom-Übernahme der Tamedia nur zugestanden, wenn diese im Gegenzug ihre Beteiligung an Radio Zürisee verkaufe. Dies aus Sorge, die Tamedia würde mit beiden Radios im Zürcher Werbemarkt zu mächtig. Nun hat sich die Tamedia zwar von Radio Zürisee getrennt – und die beiden Radios sind doch wieder liiert. «Damit spielt die Tamedia Radio Z in die Hände», warnt Heuberger im Hinblick auf den bevorstehenden Gebietsentscheid. Markus Knöpfli

More articles on the topic