Kopf der Woche: «Erst holistisches Werbedenken kann eine komplette Werbewelt schaffen»

Pascal Schaub leitet seit Dezember die strategische Planung bei Publicis

Pascal Schaub leitet seit Dezember die strategische Planung bei PublicisKopf der Woche «Erst holistisches Werbedenken kann eine komplette Werbewelt schaffen»
Dass Pascal Schaub der Publicis schon seit bald zehn Jahren die Treue hält, hat gute Gründe. Zum Beispiel der Standortvorteil des Arbeitsplatzes zwischen Odeon, Opernhaus und Utoquai. Oder der kurze Arbeitsweg, den er lo-
cker mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Das Wichtigste ist jedoch, dass er sich bei der Zürcher Werbeagentur ebenso wohl wie professionell herausgefordert fühlt: «Publicis bietet nicht nur den Charme kleiner Zellen, sondern auch die notwendige Basis einer Grossagentur, um die kniffligen Aufgaben von Big Players im Markt zu packen», sagt Schaub.
Nach zehnjähriger Tätigkeit als Texter und Konzepter wechselte er vor zwei Jahren in die strategische Planung. Das begründet er mit der allgemeinen Entwicklung der Werbung: «Strategie braucht Querdenker. Erst interdisziplinäres, eben holistisches Werbedenken kann eine komplette Werbewelt schaffen.» Eine Kampagne nicht nur umzusetzen, sondern von Anfang an die gesamtheitliche Strategie entwickeln zu können, reizte ihn damals wie heute gleichermassen an dieser Aufgabe: «Der holistische Aspekt ist die logische Weiterentwicklung der integrierten Kommunikation. Das finde ich besonders spannend, denn das ist die Zukunft der Werbung», gibt er sich überzeugt. Deshalb zögerte er auch nicht, im letzten Dezember die Leitung der Strategie zu übernehmen.
Was will er in Zukunft erreichen? «Weiterhin viel Sex haben und viel lachen», sagt Schaub schmunzelnd. Und innerhalb der Agentur? «Dank neuer Tools vor allem im Bereich der gesamtheitlichen Kommunikation weiter wachsen. Denn nur ‹klassisch› zu sein kann sich ‹Werbung› nicht immer leisten.»
In der Branche geniesst Schaub Freiheiten, die er in seiner früheren Tätigkeit als Journalist nicht hatte. Nach abgeschlossenem Deutsch-, Geschichts- und Philosophiestudium schrieb er erst Filmkritiken und Lifestyle-Reportagen für verschiedene Zeitungen. Zwei Jahre später stieg er aus: «Ich fand, dass der Werbetexter der weitaus ehrlichere Lügner ist als der Journalist.» Bevor Schaub in die Werbung wechselte, erfuhr er deren Macht am eigenen Leib, als er mit einer Theatergruppe in verschiedenen Schweizer Städten auftrat: «Die Zuschauerzahl hing eng mit der Menge der aufgehängten Plakate zusammen und variierte entsprechend schmerzlich stark», erinnert er sich.
Heute geniesst der 39-Jährige neben der neuen beruflichen Herausforderung und dem sporadischer werdenden Nachtleben die Freizeit mit seiner Tochter. Diese hat gerade gehen gelernt. Sinnigerweise just im H&M, als Mutter Stylistin und Vater Trendforscher die Frühlingskollektion inspizierten, was die Kleine offenbar zum Davonlaufen fand.

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