Aufgefallen: Es gab Zeiten, in denen man älteren Frauen in der Werbung nicht begegnete. Auf die Leinwand schafften sie es einzig als erfolgreiche Schauspielerinnen – wenn auch nur in begrenzter Stückzahl.
AufgefallenEs gab Zeiten, in denen man älteren Frauen in der Werbung nicht begegnete. Auf die Leinwand schafften sie es einzig als erfolgreiche Schauspielerinnen – wenn auch nur in begrenzter Stückzahl. Das ist Vergangenheit. Denn heute gelten S
Aufgefallen Es gab Zeiten, in denen man älteren Frauen in der Werbung nicht begegnete. Auf die Leinwand schafften sie es einzig als erfolgreiche Schauspielerinnen – wenn auch nur in begrenzter Stückzahl. Das ist Vergangenheit. Denn heute gelten Senioren ganz allgemein als trendy, in und integriert. Eine gesellschaftliche Evolution, die sich auch in der Werbung niederschlägt, wie die Beispiele von Moschino oder Benetton verdeutlichen. Ob allerdings auch immer hinter die Kulissen beziehungsweise unter den Rock geschaut werden muss…na ja, manchmal zeigt man doch besser nur die Spuren, die die Jahre auf dem Gesicht und nicht auch noch auf dem Körper hinterlassen haben. Denn bei diesen Perspektiven wünscht man sich die alte Ordnung wieder zurück, in der nicht alles gezeigt werden musste. Chandra Kurt [email protected]
Business Lunch Manchmal ists draussen wirklich schöner als drinnen
Man muss sich im Leben eben entscheiden: Entweder, man wird Kunstkritiker oder kritisiert die Kunst, mit Nahrungsmitteln Gerichte zuzubereiten. In beiden Fällen gehört noch ein bisschen Handwerk dazu. Ja, soll man denn Restaurants jetzt auch noch nach dem Kunstverstand ihrer Besitzer bewerten? Fehlte noch.
Im Taggenberg jedenfalls ist der Kunstverstand nicht weit gediehen: Die schon schmucklos zu nennende Bauernstube ob Winterthur, prachtvoll der Rundblick ins beruhigend Grüne, hat ihre Wände mit Bildern tapeziert. Die erinnern an einen amerikanischen Künstler, der jeweils sonntags zur Messe gegangen sein soll, mitten in Manhattan, um sich für die Arbeit in der Factory fit zu machen. Ja, dem Andy hätte das Taggenberg sicher gefallen – aber es wäre ihm wohl nie eingefallen, seine Bilder dort hängen zu sehen.
Das kulinarische Angebot wird mündlich vorgetragen. Die Servicedame artikuliert das Angebot laut und deutlich. Also kommen zu Tisch: eine Salatkomposition zum Timbale aufgeschichtet – lovely. Ein Thunfisch vom Grill auf Vongole mit einer schön säuerlichen Tomate. Die passt hervorragend zum braven Fisch. Als Hauptgang: Spanferkel mit Morcheln, gehaltreicher Sauce, Gemüse, so kleingehacktes Zeug halt, wie es heute in der gehobenen Gastronomie üblich ist. Sieht appetitlich aus und schmeckt auch so. Freilich, beim Spanferkel hätte man in meinem Falle noch die Knorpelchen und Knöchelchen weglassen dürfen. Ist aber halb so wild. Dafür fehlte das Schalottenkonfit auf dem Teller. Schade, ich habs wirklich vermisst. Fein, aber nicht aufregend am Ende das Dessert. War irgendsowas mit Erdbeeren.
Warum schon vergessen? Mich nervten zwei Gschaftlhuber, die unablässig in ihr Handy tröteten und dazwischen schweineteuren Wein soffen – zur Hölle mit diesen Handys an einem so schönen Orte; und hätte nicht die Bise geblasen, wäre ich in den Garten umgezogen. Ein Juwel ist er.
Wenige Offenweine im Ausschank, die Karte präsentierte sich in einer schäbigen Plastikmappe. Das passt nicht. Weder zum Stil des Hauses (den man nicht an den Wänden messen soll) noch zu den Preisen. Summa summarum kostete der Lunch mit einem Halbeli Weissen 170 Franken für zwei Personen. Achtung: Montag und Dienstag geschlossen. Viele Parkplätze ums Haus. Carlo Bernasconi [email protected]
Restaurant Taggenberg Peter und Margrit Schnaibel
Taggenbergstr. 79
8408 Winterthur
Tel. 052 222 05 22
BewertungEssen …………………..3
Getränke ………………3
Bedienung …………….3
Businessfaktor ……….2
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=na ja, 1=flop
Kolumne Causa Köppel
Von Dominik Imseng
Die Palette reicht von «rechtsextrem» über «rechtskonservativ» bis hin zu «neurecht» im Sinne der Nouvelle Droite: Roger Köppel muss sich in der Tat und nicht erst seit seiner Ernennung zum Weltwoche-Chefredaktor einiges bieten lassen.
Zu Unrecht.
Gewiss (1): Köppel ist in einem Masse neoliberal, dass er fast schon einen Typus im Balzac’schen Sinne darstellt. Ein Entlassungsgespräch soll er mit den Worten «Bad news für dich» begonnen haben. Immerhin also wird der betreffende Journalist erzählen können, ihn habe ein Texttalent auf die Strasse gestellt.
Gewiss (2): Köppel ist unbürgerlich. Und zwar insofern, als ihm Mass und Wert,
die Grundfesten biedermännischer Solidität, abgehen. Bloss kein Mittelmass! Bloss kein Konsenszwang! «Radikalisiert das Leben!» ist statt dessen seine Losung: «Tanzt auf dem Vulkan!»
Gewiss (3): Köppel könnte auch von Rundstedt heissen. «Ich sage meinen Leuten: Ruhe bewahren, abwarten, zusammenbleiben», liess sich der Schreibtischgeneral während der Turbulenzen im Zuge der Ringier’schen Übernahmepläne zitieren. Und offenbarte der Wochenzeitung Die Zeit: «Eigentlich müsste man, wenn ich in die Redaktion komme, den Darth-Vader-Marsch spielen.»
Ein Rastignac des flexiblen Kapitalismus also. Ein Kriegsfreiwilliger des totalen Magazins.
Dennoch: Gerade der ist dem Projekt der Aufklärung verpflichtet, der uns so brillant alle Illusionen raubt. Der gegen die befohlene oder vielleicht auch nur gedankenlose Gewöhnung ans «Selbstverständliche» Einspruch erhebt. Dessen politische Intelligenz keinen Links-Rechts-Radikalismus zulässt.
Kurz: Roger Köppel ist einer der klügsten Köpfe im deutschen Sprachraum, dazu ein überlegener Stilist. Tragen wir Sorge zu ihm. Er wird noch früh genug den Spiegel chefredigieren. [email protected] Dominik Imseng ist Texter bei Jung von Matt/Limmat.
Business Lunch Manchmal ists draussen wirklich schöner als drinnen
Man muss sich im Leben eben entscheiden: Entweder, man wird Kunstkritiker oder kritisiert die Kunst, mit Nahrungsmitteln Gerichte zuzubereiten. In beiden Fällen gehört noch ein bisschen Handwerk dazu. Ja, soll man denn Restaurants jetzt auch noch nach dem Kunstverstand ihrer Besitzer bewerten? Fehlte noch.
Im Taggenberg jedenfalls ist der Kunstverstand nicht weit gediehen: Die schon schmucklos zu nennende Bauernstube ob Winterthur, prachtvoll der Rundblick ins beruhigend Grüne, hat ihre Wände mit Bildern tapeziert. Die erinnern an einen amerikanischen Künstler, der jeweils sonntags zur Messe gegangen sein soll, mitten in Manhattan, um sich für die Arbeit in der Factory fit zu machen. Ja, dem Andy hätte das Taggenberg sicher gefallen – aber es wäre ihm wohl nie eingefallen, seine Bilder dort hängen zu sehen.
Das kulinarische Angebot wird mündlich vorgetragen. Die Servicedame artikuliert das Angebot laut und deutlich. Also kommen zu Tisch: eine Salatkomposition zum Timbale aufgeschichtet – lovely. Ein Thunfisch vom Grill auf Vongole mit einer schön säuerlichen Tomate. Die passt hervorragend zum braven Fisch. Als Hauptgang: Spanferkel mit Morcheln, gehaltreicher Sauce, Gemüse, so kleingehacktes Zeug halt, wie es heute in der gehobenen Gastronomie üblich ist. Sieht appetitlich aus und schmeckt auch so. Freilich, beim Spanferkel hätte man in meinem Falle noch die Knorpelchen und Knöchelchen weglassen dürfen. Ist aber halb so wild. Dafür fehlte das Schalottenkonfit auf dem Teller. Schade, ich habs wirklich vermisst. Fein, aber nicht aufregend am Ende das Dessert. War irgendsowas mit Erdbeeren.
Warum schon vergessen? Mich nervten zwei Gschaftlhuber, die unablässig in ihr Handy tröteten und dazwischen schweineteuren Wein soffen – zur Hölle mit diesen Handys an einem so schönen Orte; und hätte nicht die Bise geblasen, wäre ich in den Garten umgezogen. Ein Juwel ist er.
Wenige Offenweine im Ausschank, die Karte präsentierte sich in einer schäbigen Plastikmappe. Das passt nicht. Weder zum Stil des Hauses (den man nicht an den Wänden messen soll) noch zu den Preisen. Summa summarum kostete der Lunch mit einem Halbeli Weissen 170 Franken für zwei Personen. Achtung: Montag und Dienstag geschlossen. Viele Parkplätze ums Haus. Carlo Bernasconi [email protected]
Restaurant Taggenberg Peter und Margrit Schnaibel
Taggenbergstr. 79
8408 Winterthur
Tel. 052 222 05 22
BewertungEssen …………………..3
Getränke ………………3
Bedienung …………….3
Businessfaktor ……….2
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=na ja, 1=flop
Kolumne Causa Köppel
Von Dominik Imseng
Die Palette reicht von «rechtsextrem» über «rechtskonservativ» bis hin zu «neurecht» im Sinne der Nouvelle Droite: Roger Köppel muss sich in der Tat und nicht erst seit seiner Ernennung zum Weltwoche-Chefredaktor einiges bieten lassen.
Zu Unrecht.
Gewiss (1): Köppel ist in einem Masse neoliberal, dass er fast schon einen Typus im Balzac’schen Sinne darstellt. Ein Entlassungsgespräch soll er mit den Worten «Bad news für dich» begonnen haben. Immerhin also wird der betreffende Journalist erzählen können, ihn habe ein Texttalent auf die Strasse gestellt.
Gewiss (2): Köppel ist unbürgerlich. Und zwar insofern, als ihm Mass und Wert,
die Grundfesten biedermännischer Solidität, abgehen. Bloss kein Mittelmass! Bloss kein Konsenszwang! «Radikalisiert das Leben!» ist statt dessen seine Losung: «Tanzt auf dem Vulkan!»
Gewiss (3): Köppel könnte auch von Rundstedt heissen. «Ich sage meinen Leuten: Ruhe bewahren, abwarten, zusammenbleiben», liess sich der Schreibtischgeneral während der Turbulenzen im Zuge der Ringier’schen Übernahmepläne zitieren. Und offenbarte der Wochenzeitung Die Zeit: «Eigentlich müsste man, wenn ich in die Redaktion komme, den Darth-Vader-Marsch spielen.»
Ein Rastignac des flexiblen Kapitalismus also. Ein Kriegsfreiwilliger des totalen Magazins.
Dennoch: Gerade der ist dem Projekt der Aufklärung verpflichtet, der uns so brillant alle Illusionen raubt. Der gegen die befohlene oder vielleicht auch nur gedankenlose Gewöhnung ans «Selbstverständliche» Einspruch erhebt. Dessen politische Intelligenz keinen Links-Rechts-Radikalismus zulässt.
Kurz: Roger Köppel ist einer der klügsten Köpfe im deutschen Sprachraum, dazu ein überlegener Stilist. Tragen wir Sorge zu ihm. Er wird noch früh genug den Spiegel chefredigieren. [email protected] Dominik Imseng ist Texter bei Jung von Matt/Limmat.
