«Vorgespräch genügt»

Ich bin seit gut fünf Jahren auf Kundenseite und kann ein solches Vorgehen nicht nachvollziehen.

Ich bin seit gut fünf Jahren auf Kundenseite und kann ein solches Vorgehen nicht nachvollziehen.Ich denke, man weiss doch als Kommunikationsprofi, welche Agenturen (maximal drei) in eine engere Wahl kommen. Falls wirklich nötig, genügt als Vorlauf auch ein Vorgespräch. Auf der anderen Seite muss der Leidensdruck aller renommierten Agenturen anscheinend wirklich sehr, sehr gross sein, dass sie sich für 1000 Franken an einem Pitch beteiligen. Wo bleibt da die viel besagte BSW-Ethik? Andy Wild, Leiter Marketing Kommunikation Axpo
«Verachtung der Kreativität»Werbung für Theater, Museen oder Zoos gehört weltweit zum Besten und Kreativsten der Branche. Weil damit ein hoher qualitativer Anspruch besteht, der sich darin äussern sollte, das Stadtbild durch die Werbung auf-, statt abzuwerten, das Auge und den Intellekt des Betrachters zu erfreuen, statt zu beleidigen. Und deshalb müssten die Öffentlichkeit, die Kreativen, die Mitbewerber nach der Konkurrenzpräsentation um die Zookampagne von der kreativsten, unterhaltendsten, frechsten Kampagne des Jahres sprechen. Und nicht über das Vorgehen bei der Konkurrenzpräsentation.
In Anbetracht des Resultates kann man aber nur von Verachtung jeder Kreativität sprechen, von Verachtung derer, die sich mit Herzblut für die Konkurrenzpräsentation eingesetzt haben und schliesslich von Verachtung der Bürger der Stadt, die sich diese Verarschung von den Plakatwänden herab gefallen lassen müssen.
Martin Spillmann, CD und Mitinhaber Spillmann Felser Leo Burnett AG
«Auf Webauftritt gespannt»Für den Zoo-Webauftritt wurden 18 Webagenturen (nicht Werbeagenturen) angeschrieben. Über zehn erschienen dann an der Konkurrenzpräsentation, die nicht entschädigt wurde. Wir sind auf den Webauftritt gespannt… Julian Karrer, Future Connection
«Beste Realsatire»Dieses Stück um den Pitch für das Zoo-Budget ist beste Realsatire. Ehrlich gesagt, der Zoo ist natürlich ein Prestigebudget, mit dem sich humorvolle, witzige Werbung machen lässt. Als eingeladene Agentur ist aber einem auch sicher immer die Frage erlaubt, wie viele andere Agenturen denn schon am Pitch teilnehmen. Und da hat es jede Agentur selbst in der Hand, nein zu sagen. Trotzdem: Ich hoffe, dass es in unserer Branche schon bald wieder mindestens so gesittet zugeht, wie im Süsswasseraquarium der marmorierten Beilbauchfische.
Mark Stahel, CD Lowe AG
«Kompletter Verhältnisblödsinn»
Zoohje: Gut gebrüllt, Löwe! Ich bin einmal mehr mit Andreas Prokesch absolut einverstanden. Ein kleines aber bleibt anzufügen: Agenturen wissen üblicherweise, mit wie vielen Konkurrenten und zu welchen Konditionen sie mitpitchen. Der Zoo-Pitch war ein kompletter Verhältnisblödsinn. Solange die Agenturen ihre Solidarität nicht unter Beweis stellen, darf man sich nicht wundern, dass Auftraggeber immer wieder versuchen werden, bei Konkurrenzpräsentationen Dumpingpreise durchzusetzen. Und das trifft irgendwann jene Agenturen, die sich heute einen Deut um Fairness kümmern. Frank Bodin, CEO EuroRSCG, Switzerland
«Wunschkunde?»Die Lösung für faire Präsentationen kann auch bei den Agenturen selbst liegen. Es ist kein Allerweltsrezept, aber es könnte ja sein, dass man ganz pragmatisch drei, vier Punkte ausarbeitet, nach denen man sich bei einer Anfrage richten will. Dass das mitunter ganz schön hart sein kann, gerade wenn der lang ersehnte «Wunschkunde» anklopft, er aber gratis oder für ein paar Franken Kreativität und Ideen konsumieren möchte, liegt auf der Hand. Da muss man zugunsten der Branche durch und zwingend absagen. Es könnte der Schlüssel sein, um den manchmal fast widerlichen Bedingungen bei Konkurrenzpräsentationen ein wenig entgegenzuwirken. Und vielleicht ist der «Wunschkunde» dann ja auch schon ein bisschen weniger «Wunschkunde». Silvio Galbucci, Galbucci Werbeagentur AG
«Maximal drei Kandidaten»Auftraggeber tun gut daran, erst einmal gründlich zu evaluieren, um herauszufinden, wer zu ihnen passt. Und danach, falls nötig, maximal drei Kandidaten in die Arena zu lassen. Agenturen, die kostenlos an Pitches teilnehmen, bestrafen sich in jedem Fall selber. Wenn sie gewinnen, mit einem Kunden, der den Wert kreativer Arbeit nicht zu schätzen weiss. Wenn sie verlieren, mit einem unbezahlten Aufwand von rund 60000 Franken.
Daniel Matter, Matter & Partner

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