«Erfahrungen mit München machen mich optimistisch»
Privat-TV Nach TV-München und TV-Berlin steht die Lancierung der Schweizer U1 TV-Station bevor. Die Werbewoche traf deren Start-up-Manager Peter Kölbel.
Die noch ausstehenden Schweizer Partner, die gemäss Radio- und Fernsehgesetz die Mehrheit am Sender haben müssen, sind jetzt also gefunden? Wer ist dabei?
Ja, die Schweizer Partner sind beisammen. Die zweite Frage kann ich nur begrenzt beantworten. Wir überlassen es jedem Gesellschafter selber, ob und wann er an die Öffentlichkeit treten will. Bekannt ist bereits, dass Jakob Hlasek dabei ist.
Wie viele Partner sind es insgesamt, und aus welcher Ecke kommen sie?Mehr als fünf, aber weniger als zehn. Wir haben es geschafft, eine Mischung aus Gesellschaftern zu finden, die Wissen und Marktkenntnisse einbringen – auch Personen aus dem Medienbereich sind dabei. Bei der Auswahl haben wir darauf geachtet, dass kein Partner in eine beherrschende Position kommt oder private Interessen mit denen des Senders vermischt. Darum hat die Partnersuche auch ein bisschen länger gedauert.
Da nun der Programmstart in Sichtweite gerückt ist, dürften auch die vielen Monate vorbei sein, während denen Ihr Geschäftsführer Thomas Sadecky den Sendestart fast alleine in Schlieren vorbereitete – ist das Personal gefunden?Die sechsköpfige Mannschaft für die Technik steht bereits. Für die erste Tranche von rund zehn redaktionellen Mitarbeitern läuft derzeit die Schlussphase des Auswahlverfahrens. Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende Juni das erste Drittel unseres Teams eingestellt haben. Über den Sommer absolvieren diese dann bei unseren Sendern in Berlin und München eine Grundausbildung. Im September kommen sie zurück nach Schlieren – dann beginnen wir mit dem Vorproduzieren. Dass wir nicht mehr als zehn redaktionelle Mitarbeiter aufs Mal einstellen, hat mit den Ausbildungsplätzen zu tun: Wir können nicht mehr gleichzeitig ausbilden. Wenn diese fertig sind, kommt die nächste Tranche.
U1 TV-Station wird sein Programm erst Step by Step hochfahren?Nein, unser Programm wird von Beginn weg voll laufen. Gut möglich ist hingegen, dass der Schweiz-Bezug bei der einen oder anderen Sendung zunächst noch etwas untervertreten ist. Und wir werden auch nicht von Anfang an bei allen Sendungen jene Qualität aufweisen, die wir erreichen wollen. Deshalb planen wir die ersten drei Monate unter dem Begriff «Testbetrieb». In dieser Zeit wollen wir beobachten, wie die Zuschauer reagieren.
Wie steht es mit der Kabelverbreitung – haben Sie sich mit Cablecom geeinigt?Ja, der Vertrag ist unterschrieben. Damit ist sichergestellt, dass wir vom Start weg in den Kabelnetzen vertreten sind. Ob dies ein vorderer Platz sein wird, was wir uns wünschen, kann ich noch nicht sagen.
U1 TV-Station komme nicht darum herum, sich neben
Spotwerbung und Sponsoring auch andere Einnahmequellen zu erschliessen, war von Ihnen zu hören. Woran denken Sie?
Mittelfristig rechnen wir damit, je einen Drittel Einnahmen aus klassischer Werbung, aus Sonderformen und aus der Content-Verwertung zu erwirtschaften. In der Anfangsphase wird die klassische Werbung einen
überproportionalen Anteil haben.
Ein wichtiges Standbein soll ja die Telefonie sein…Wir haben uns dafür ein dänisches Unternehmen als Partner geholt – das Land ist bei diesen Anwendungen führend. Die enormen Potenziale der Telefonie hat ein Test gezeigt, den unser Partner gemeinsam mit der dänischen Lottogesellschaft durchgeführt hat. Dabei war das Publikum eingeladen, per SMS Lotto zu spielen. Bereits nach 17 Minuten waren eine Million SMS eingetroffen – und dies bei nur rund sechs Millionen Einwohnern in Dänemark! Wir überlegen uns nun, wie wir die Telefonie entwickeln, damit es auch für uns zum Beispiel 100000 Anrufe gibt. Und wir diskutieren, was wir den Zuschauern bieten müssen.
Hat die Werbemarktkrise den Aufbau erschwert?
Nein, sie hat uns erst möglich gemacht. Erst durch diese Krise sind Marktpositionen frei geworden, und erst in deren Gefolge ist in der Werbewirtschaft die Bereitschaft entstanden, kreativ an neue Lösungen heranzugehen – Werbungtreibende sind daran interessiert, neue Ansätze zu entwickeln. Davon wollen wir profitieren.
Sie halten einen Marktanteil zwischen drei bis fünf Prozent für realistisch. Bis wann wollen Sie den erreichen?
Das ist eine Zweijahresprognose. Unsere Erfahrungen in München stimmen mich aber optimistisch: Dort zählten wir im ersten Jahr
einen Zuschauerzuwachs von 30 Prozent.
Welche Rolle werden Sie persönlich bei U1 TV-Station spielen?Ich bin nicht Gesellschafter bei der Betreibergesellschaft Kanal 1 TV AG, sondern deren Start-up-Manager. Ich werde im Oktober in die Schweiz kommen und während ungefähr sechs Monaten hier sein. Danach arbeite ich wieder bei unserem Berliner Sender. Hier wird auch die Zentrale für die Programmentwicklung bleiben – weil es hier kostengünstiger ist und wir über mehr Infrastruktur verfügen.
Rechnet mit Cash via Telefon: Peter Kölbel von U1 TV-Station.
Vermarktung noch offenU1 TV-Station mit Sitz in Schlieren ist der dritte von drei Sendern der Kanal 1 GmbH mit Sitz in Wien. Bereits im Juni 2002 startete TV.München, zwei Monate später folgte TV.Berlin. Der Start der Schweizer Station ist für Oktober angekündigt.
U1 wird täglich zwischen 16 Uhr und 24 Uhr einen Mix aus Unterhaltung, News und Dokumentation ausstrahlen. Dabei verspricht sich der Sender besonders viel Interesse mit eigenen neuen Reality-Formaten, die in
Deutschland bereits «beachtliche Zuschauerzahlen und Medienresonanz» erzielt hätten, so Thomas Sadecky, CEO der Kanal 1 TV AG. Jeder der drei Sender wird täglich drei Stunden mit regionalen Inhalten produzieren, die nicht für den Austausch mit den beiden anderen Kanälen bestimmt sind. Noch offen ist die Form der Werbezeitenvermarktung. «Wir diskutieren im Moment, ob wir diese an eine Agentur vergeben, sie in Eigenregie betreiben oder eine Mischform davon umsetzen», so Sadecky. Betreiberfirma von U1 ist die Kanal 1 TV AG. Dort ist – neben den Schweizer Partnern – die Kanal 1 GmbH mit Sitz in Wien stärkste Minderheitsaktionärin. Letztere ist ihrerseits die grösste Aktionärin bei TV.München und TV.Berlin. In den Verwaltungsrat von Kanal 1 TV AG wurden neben Thomas Sadecky Marcel Nauer (Ex-Verleger der Ars Edition, Zug) und der Treuhänder Bruno Frey (Wil, SG) gewählt. (dse)
Interview: Daniel Schifferle
