Zuhören und sanieren

Christophe Waeber betreut als Anzeigenleiter bei Jean Frey Weltwoche und Bilanz gleichzeitig.

Christophe Waeber betreut als Anzeigenleiter bei Jean Frey Weltwoche und Bilanz gleichzeitig.Der neue Anzeigenchef für Bilanz und Weltwoche versteht sich nicht als Verwalter, sondern als einer, der «etwas aufbauen» will. Das hat Christophe Waeber schon einmal bewiesen – in Portugal. Mit einem Last-Minute-Ticket gelangte Waeber an die Atlantikküste. Mehr als zwei Jahre ist er geblieben. Schon am zweiten Tag war der Urlaub zu Ende. Er hat an der Algarve ein Haus entdeckt, das er unbedingt renovieren wollte. Es war eine Ruine. Aber die Liegenschaft hatte Potenzial. Der Gewinn bringende Verkauf des renovierten Hauses brachte ihn auf den Geschmack. Waeber sanierte noch weitere Ruinen und entdeckte eine Marktlücke. So entwickelte sich aus dem Ferientrip eine Consultingfirma, die Ausländern im Süden Portugals auch noch beim Gründen von KMU half. Einer seiner Kunden hat dank Waebers gutem Rat in Portugal sogar eine kleine Zeitung gegründet.Das war ein Wink des Schicksals. Der fleissige Aussteiger kehrte 1995 in die Schweiz zurück und liess sich von Publicitas anstellen. In einer Stabsstelle der Generaldirektion war er fast vier Jahre im Marketing tätig. Später baute er bei der Wirtschaftszeitung Cash den Marketingsupport auf und leitete diverse Verlagsprojekte, um sich danach auf Agenturseite weiterzuentwickeln: Bei DDB in Zollikerberg wirkte Waeber zuerst in der Kreativagentur an strategischen Planungen mit, später tat er dasselbe bei deren Media-Ableger OMD. Dort wurde er nach der Neustrukturierung der OMD Gruppe Chef der operativen Unit Zürich City, bevor er wieder «zurück zu den Wurzeln» auf die Verlagsseite gewechselt hat.
Es sei wertvoll, dass er beide Seiten kenne, meint Waeber. Er hat als erste Massnahme bei Jean Frey die Präsentationen der Titel selber geschrieben, «kurz und knapp», denn er weiss, «was Agenturen und Kunden wollen und wofür sie keine Zeit haben».
Zeit sparen sowohl inhouse als auch beim Kunden, das ist eine seiner neuen Doppelfunktionen. Zeit ist Geld. Und wenn man bei einem grossen Kunden mit einem Termin gleich zwei Titel präsentieren kann, ergibt das für Waeber «betriebliche Synergien, die wir natürlich nutzen wollen».
Bei Weltwoche und Bilanz sind etwa 40 Prozent der Anzeigenkunden – rund 30 Key Accounts – gleich. Die Positionierungen der beiden Titel sind zwar verschieden, aber komplementär: «Mit Bilanz und Weltwoche decken wir die Nordfelder des Medien-Radars qualitativ überdurchschnittlich ab, erschliessen exklusive Leserkreise.» Mit Waebers Job bei Jean Frey ändert sich in der Verkaufsstruktur auf der Ebene Gebietsverkaufsleiter gar nichts: Sie bleiben bei ihren angestammten Titeln. Die Umstrukturierungen betreffen nur die Verlagsleitung und Anzeigenleitung.
Als Erstes hat der «Marketing-Mensch» die Situation analysiert. Wie ist die Befindlichkeit der Titel und der Leute? Dann sei es darum gegangen, eine Strategie für die beiden Titel auszuarbeiten. Um sie hernach umzusetzen. Sein Ziel und jenes vom Jean Frey Verlag: Den erfolgreichen Weg der Weltwoche weiter gehen und beim Wirtschaftsmagazin mit kleinen Korrekturen und einem konzentrierten Auftritt erreichen, «dass die Bilanz wieder verstärkt Talk of Town ist». Waeber ist überzeugt: «Wir haben Top-Leute, -Strukturen und -Produkte.» Das will er entsprechend kommunizieren: «Jetzt packen wir es an.»
Die neue Geisteshaltung ist bereits mit dem Media Trend Award belohnt worden. Für Waeber die offizielle Anerkennung, dass er «ein gutes Team vorgefunden» hat. Eigene Qualitäten glaubt Waeber auch zu besitzen. Man sage ihm unter anderem eine grosse Empathie nach, will meinen: Er kann gut zuhören – und ebenso gut beraten.
Christophe Waeber hilft als Anzeigenleiter mit, dass die Bilanz wieder Talk of Town wird.
Andreas Panzeri

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