«Angebot passte nicht zu unserer Strategie»

Stefan Staub, Projektleiter Elektronische Medien bei der PubliGroupe, zum zweiten Schritt bei der elektronischen Medienvermarktung.

Stefan Staub, Projektleiter Elektronische Medien bei der PubliGroupe, zum zweiten Schritt bei der elektronischen Medienvermarktung.WW Der Investor 3i ist bei Goldbach Media eingestiegen. Was sagen Sie dazu?Stefan Staub Es ist kein Geheimnis, dass Goldbach Media im Markt ein Aktienpaket zur Finanzierung ihrer Wachstumspläne anbot. Insofern ist der Einstieg von 3i für uns keine Überraschung.
Wurde es auch der PubliGroupe angeboten?
Ja, wir wurden diesbezüglich von Goldbach kontaktiert, sind jedoch nicht darauf eingetreten.
Warum?
Weil das Angebot nicht unseren strategischen Intentionen entspricht. PubliGroupe hat sich zum Ziel gesetzt, in der elektronischen Medienvermarktung künftig eine bedeutende Rolle zu spielen. Wir streben in unserem Kerngeschäft eigenständige Lösungen oder Mehrheitsbeteiligungen an.
Und das hat Goldbach abgelehnt?
Diesbezüglich wurden keine Gespräche geführt.
Sie sagten nach der Cinecom-Übernahme, dass die PubliGroupe dieses Jahr noch einen zweiten Schritt in der Vermarktung elektronischer Medien machen wolle. Kommt das noch?
Dieses Jahr kaum, aber wir arbeiten weiter daran. Die Entwicklung von guten und zukunftsgerichteten Lösungen braucht Zeit, die richtigen Partner und neue zukunftsorientierte Ideen. Unser Ziel ist es nach wie vor, unser Engagement in der elektronischen Medienvermarktung auszubauen.
Im Sommer dieses Jahres hätten Sie bei den Radiovermarktern Spot Promotion und Radiotele offene Türen vorgefunden. Jene von Spot Promotion sind nun zu und die von Radiotele weniger weit offen. Warum haben Sie diese Chance vertan?
Das sehen Sie so. Den Ball von Spot Promotion nahmen wir nicht auf, weil wir uns den Einstieg in die Radiovermarktung anders vorstellen. Wir suchen einen Ansatz, welcher die Mediengattung Radio als Ganzes stärkt. Und zu Radiotele nur so viel: Ich kann die Aussage von Bruno Oetterli bestätigen, dass zurzeit keine Gespräche stattfinden.
Eine Möglichkeit wäre auch, bei der Cinecom, die schon mal Radio vermarktete, eine Radio Unit aufzubauen.
Das ist im Moment kein Thema. Cinecom ist als Kino- und TV-Vermarkter klar positioniert und baut erfolgreich ein Plasmascreen-Netz an wichtigen POS auf.
Welche Philosophie punkto Tariftreue oder Poolgestaltung würde die PubliGroupe im Radiomarkt vertreten?
Wir würden uns primär für marktgerechte Angebote und eine einheitliche und transparente Preis- und Rabattpolitik einsetzen. Heute herrscht im Radiomarkt ein riesiger Rabattdschungel. So kommt es auch vor, dass die Preise der nationalen Pools von den lokalen Vermarktern verschiedener Stationen bei Direktbuchungen unterboten werden. Dies schadet der Gattung Radio. Alle jammern heute über diese Missstände. Eine Verbesserung wird jedoch nur eintreten, wenn die wichtigen Marktplayer sich zu einer gemeinsamen Politik zusammenraufen.
Wer schlug hier wem die Tür zu?Vor einer Woche hat die europäische Investmentgesellschaft 3i bei der Goldbach
Media einen 10-Prozent-Anteil übernommen. Das wirft Fragen auf. Warum kam 3i zum Handkuss und nicht etwa die Schweizer PubliGroupe, die für dieses Jahr einen zweiten Schritt in der Vermarktung elektronischer Medien angekündigt hatte? Ist der 3i-Einstieg für Goldbach punkto Synergien ähnlich vorteilhaft, wie eine Beteiligung von PubliGroupe gewesen wäre? Sind die Lausanner in Goldbach abgeblitzt, oder haben sie den Einstieg verschlafen? Gab es kartellrechtliche Hindernisse? Und hat der Inseratevermittler jetzt, da die Goldbach-Türen wohl für eine Weile verschlossen bleiben, noch andere Optionen für seinen «zweiten Schritt»?
Um solche Fragen zu klären, hat die Werbewoche mit Stefan Staub von der PubliGroupe und mit Klaus Kappeler von Goldbach Media getrennte Gespräche geführt. (mk)
Interview: Markus Knöpfli

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