Der virtuelle Hammer
Oliver Classen über die «Ebayisierung» der Werbevermarktung
Oliver Classen über die «Ebayisierung» der WerbevermarktungSelbst wenn keine exorbitanten Gebote eingehen sollten: Ein genialer PR-Coup ist es allemal, dass und wie der kleine Münchner Digital-TV-Sender Hollywood Cinema seine Werbezeit an die Meistbietenden verhökert. Als Kanal dient ihm dazu nämlich der kultigste und zugleich effizienteste Marktplatz der Welt: das Online-Auktionsimperium namens Ebay.
So umgeht das deutsche Star-TV-Äquivalent nicht nur die notorisch kommissionshungrigen Profivermarkter; der vermeintliche Amateur spart sich zudem alle offiziellen Kundengespräche und jeglichen
inoffiziellen Rabattpoker. Stattdessen praktiziert und propagiert der freche, seit Mitte Januar auch via Satellit empfangbare Newcomer clever volle Preistransparenz.
Doch damit nicht genug: Hollywood Cinema nutzt das Monopolmedium des neuen Volkssports überdies zur ultimativ marktorientierten Preisfindung seiner Spot-Pakete und -Platzierungen.
Klar: (Budget-)Not macht erfinderisch, auch in der Werbevermarktung. Im Printland Schweiz kennt man das Auktionsverfahren allerdings schon seit gut drei Jahren. Jedoch nur in institutionalisierter Form – das heisst mit
beschränktem Zugang – und bloss für die Bereiche Presse und Internet. Und da sich die Verleger (noch) in nobler Zurückhaltung üben, ist der Versteigerungsservice von Publimedias «Admarketplace» bislang wirkungs- und bedeutungslos geblieben.
Ob Ebay respektive Hollywood Cinema mehr Erfolg beschieden
ist, bleibt freilich abzuwarten. Die hiesigen Radio- und TV-Vermarkter scheinen dennoch gut beraten, prophylaktisch entsprechende
eigene Plattformen zu entwerfen. Sonst könnte es ihnen morgen schon ähnlich ergehen wie den Verlagen heute mit den Rubrikanzeigen. Denn die Abwanderung ins Internet kennt nun mal keine medialen Grenzen. Insofern könnte die Münchner Auktionsaktion gar eine doppelte Signalwirkung
haben: für potenzielle Nachahmer und Leidtragende.
> Oliver Classen, Redaktor
So umgeht das deutsche Star-TV-Äquivalent nicht nur die notorisch kommissionshungrigen Profivermarkter; der vermeintliche Amateur spart sich zudem alle offiziellen Kundengespräche und jeglichen
inoffiziellen Rabattpoker. Stattdessen praktiziert und propagiert der freche, seit Mitte Januar auch via Satellit empfangbare Newcomer clever volle Preistransparenz.
Doch damit nicht genug: Hollywood Cinema nutzt das Monopolmedium des neuen Volkssports überdies zur ultimativ marktorientierten Preisfindung seiner Spot-Pakete und -Platzierungen.
Klar: (Budget-)Not macht erfinderisch, auch in der Werbevermarktung. Im Printland Schweiz kennt man das Auktionsverfahren allerdings schon seit gut drei Jahren. Jedoch nur in institutionalisierter Form – das heisst mit
beschränktem Zugang – und bloss für die Bereiche Presse und Internet. Und da sich die Verleger (noch) in nobler Zurückhaltung üben, ist der Versteigerungsservice von Publimedias «Admarketplace» bislang wirkungs- und bedeutungslos geblieben.
Ob Ebay respektive Hollywood Cinema mehr Erfolg beschieden
ist, bleibt freilich abzuwarten. Die hiesigen Radio- und TV-Vermarkter scheinen dennoch gut beraten, prophylaktisch entsprechende
eigene Plattformen zu entwerfen. Sonst könnte es ihnen morgen schon ähnlich ergehen wie den Verlagen heute mit den Rubrikanzeigen. Denn die Abwanderung ins Internet kennt nun mal keine medialen Grenzen. Insofern könnte die Münchner Auktionsaktion gar eine doppelte Signalwirkung
haben: für potenzielle Nachahmer und Leidtragende.
> Oliver Classen, Redaktor
