«Der Spick zeigt, dass es geht»

Kinderzeitungen Der Crash von Cracks for Kids beweist für Markus Mettler nicht, dassdas Genre chancenlos ist.

Kinderzeitungen Der Crash von Cracks for Kids beweist für Markus Mettler nicht, dassdas Genre chancenlos ist.Kinderzeitungen Der Crash von Cracks for Kids beweist für Markus Mettler nicht, dass das Genre chancenlos ist.WW Nach dem kurzen Gastspiel von Cracks for Kids scheint eigentlich
klar: Der Schweizer Markt trägt keine solche Kinderzeitung.
Markus Mettler: Dieser Schluss wäre voreilig. Cracks for Kids war zweifellos ein sehr mutiges Projekt. Leider wurde der Erfolg aber zu rasch erwartet. Das Blatt scheiterte nicht primär am schwachen Werbeaufkommen, sondern am kurzen Atem und am mangelhaften Profil. Trotzdem hatte ich grosse Freude daran.
Inwiefern halten Sie das Profil des Blattes für mangelhaft?
Schon der Titel «Cracks for Kids» klingt wenig anmächelig. Die Gestaltung wirkte etwas altbacken. Dann war nicht klar, ob das Blatt nun Kinder ansprechen wollte oder Teenies. Eine solche Unschärfe sollte einem Zeitungsmacher nicht passieren. Auch das Illustrationskonzept liess zu wünschen übrig.
Eine Kinderzeitung muss bildlastig sein, mit coolem Material, nicht nur mit Keystone-Bildern. Kurz: Kindermedien muss man ins Herz schliessen können, sie müssen Kinder und Erwachsene gleichermassen fesseln.
War Cracks for Kids aktuell genug?
In dieser Hinsicht hat das Blatt zweifellos eine Chance vertan. Man muss sich überlegen, wie heute ein Kind tickt. Die Kinder sind extrem vielen Informationen, Medien und Einflüssen ausgesetzt. Aber es gelingt ihnen kaum, die Informationen nur schon zeitlich oder geografisch einzuordnen. Cracks for Kids hätte diesbezüglich Hilfe anbieten sollen, indem es Wochenereignisse aufgreift und in einen grösseren Zusammenhang stellt oder mit kindergerechten Grafiken nachzeichnet. Aber man darf den Aufwand nicht unterschätzen: Eine solche Infoaufbereitung ist sehr komplex.
Ist denn nun der Markt für ein solches Kindermedium gross genug?
Ich glaube, knapp ja. Es pilgern genügend Eltern sonntags zu einem Kiosk. Zuerst aber benötige ich ein geniales Produkt, mindestens ein Jahr Zeit und ein super Lesermarketing. Denn erst wenn ich eine Fangemeinde habe, kann ich ein solches Blatt als Werbeplattform erfolgreich anbieten. Die Zeitschrift Spick ist dafür ein Musterbeispiel: Sie kommt ohne einen einzigen Werbefranken aus. Würde sie sich der Werbung öffnen, wäre sie hoch profitabel.
Wie hoch schätzen Sie das Werbepotenzial in diesem Markt ein?
Das darf man nicht zu eng sehen. Zu den potenziellen Inserenten zähle ich nicht nur Firmen, die den Kindern mit Süssigkeiten das Taschengeld abluchsen. Die Bandbreite ist wesentlich grösser. Man weiss ja: Kinder entscheiden oft auch beim Ferienbuchen oder Möbelkauf mit. Und in Sachen Unterhaltungselektronik sind sie sogar den Eltern kompetenzmässig überlegen.
Was kann man noch vom Gastspiel von Cracks for Kids lernen?
Es gab auch Positives: Die Distribution klappte perfekt. Auch die PR vor und kurz nach der Lancierung war gut. Danach fehlte aber das wöchentliche Reminding. Wenn das Blatt in der Lancierungsphase dem SonntagsBlick oder der Sonntagszeitung beigelegt worden wäre, hätte das sicher etwas gebracht. Vermutlich wären in der Anfangsphase auch Allianzen hilfreich gewesen: etwa mit der Leseförderung des Bundes, dem Verband Schweizer Presse oder Pro Juventute.
Das ist BrainStoreBrainStore in Biel ist seit 1989 auf die industrielle Produktion von Ideen spezialisiert. Das Team hat dazu einen Prozess definiert, in den es Personen aus einem Netzwerk von über 1200 Jugendlichen und ebenso vielen Experten verschiedenster Fachgebiete einbeziehen kann. BrainStore arbeitet unter anderem für die SBB, BMW, Syngenta, Migros, das Bundesamt für Gesundheit, Swatch oder den WWF. (mk)
Markus Mettler, Geschäftsführer der Bieler Ideenfabrik BrainStore.
Interview: Markus Knöpfli

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