Augen auf, es gibt was für die Ohren

Corporate Sound Klänge verleihen Marken und Firmen Identität. Digitale Töne eröffnen neue Möglichkeiten.

Corporate Sound Klänge verleihen Marken und Firmen Identität. Digitale Töne eröffnen neue Möglichkeiten.«Dudududidu», «Däärätärätärärää», trällert es uns beschwingt um die Ohren, wenn eine Marke ihre Erkennungsmelodie präsentiert. Meist am Radio oder zusammen mit dem visuellen Logo am Schluss eines TV-Spots. Ab und zu hören wir die Melodie noch in einem Video oder in der Telefonwarteschlaufe. Präsentiert sich das Unternehmen mit seinem Produkt jedoch an einem Event oder an einem Messestand, richtet es eine Multimedia-Station oder seinen Internetauftritt ein, wird die Marke meistens wieder stumm, weil ausserhalb der audiovisuellen Medien sinnvolle Lösungen zur akustischen Gestaltung noch wenig bekannt sind. Gerade in den Bereichen Multimedia, Messeauftritt und Product-Design sind wir sowohl klangästhetisch als auch auf technischer Ebene in den Siebzigerjahren stehen geblieben.Doch heute ist auf dem Gebiet der digitalisierten audiovisuellen Kommunikation viel in Bewegung, insbesondere in der akustischen Kommunikation. Moderne Technologien und innovative inhaltliche Ansätze eröffnen neue Möglichkeiten im Sounddesign; ja es kann von einer eigentlichen Revolution gesprochen werden: in Bezug auf Marketing, Branding, Kommunikation und Kosten.
Es gibt keine neuen Töne mehrMusik bietet im Bereich Innovation keine neuen Lösungen mehr. Bis etwa 1950 sind alle möglichen Tonfolgen und Melodien gespielt worden, inklusive der dissonanten «unharmonischen» Tonfolgen der neuzeitlichen Musik. Wir bewegen uns musikalisch in einer ständigen Wiederholung. Neue Hörerlebnisse und noch nie gehörte Melodien sind nicht mehr möglich. Vor allem nicht im Bereich der gefälligen Melodien, die immer ein bisschen an schon
Gehörtes erinnern und den Effekt des «déjà-écouté» haben.
Neue Hör-Impressionen sind vor allem im nonmusikalischen Bereich möglich; in der Dimension der Klänge, Geräusche, des Sounddesigns und der Soundscapes – bestehend aus thematischen Geräuschatmosphären und überraschenden Spezialeffekten. Die neuen Vertonungs-
elemente können ausserhalb der
audiovisuellen Medien eingesetzt werden. Diese Bereiche werden in Zukunft in ihrer akustischen Präsenz immer wichtiger: Internet, Telekommunikation, Messen, Point of Sales und Produktdesign.
Im Internet können dezente Raumklänge eine dritte Dimension des Bildschirms evozieren. An Messen, wo meist ein hoher Lärmpegel herrscht, erzeugen Soundscapes einen Magneteffekt und fügen sich trotzdem harmonisch in die Soundlandschaft ein.
Im Produktdesign sorgen bewusst gestaltete Klänge über kleine Lautsprecher für Orientierung und gleichzeitig für Ästhetik und Branding. Zusätzlich zu den Feedback-Klängen lassen sich neue Anwendungen erschliessen: sprechende Gebrauchsanleitungen und Hilfen zum Beispiel. Natürlich müssen diese vom Kunden immer selber ein- oder ausgeschaltet werden können.
Die akustische Identität durchlebt heute eine ähnliche Entwicklung wie das Corporate Design in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, das sich damals weg von der Bildlichkeit mit Foto/Produkt hin zum abstrakten Symbol/Logo wandelte. Der Bereich Corporate Sound wird sich in ähnlicher Weise von der Melodie in Richtung Soundsymbol mit speziell designten Klängen und Klangbildern fortentwickeln.
Die Stimme eines UnternehmensDie akustischen Ausdrucksformen einer Marke oder eines Unternehmens sind heute derart vielfältig in ihren Anwendungsbereichen (Werbung, Multimedia, Product Design, Architektur, Internet und so weiter), dass der gesamte akustische Auftritt eine Systematisierung und Strukturierung analog zum Corporate Design erfordert. Dazu wird ein modular konzipiertes Corporate Soundsystem eingesetzt, das aus verschiedenen, kombinierbaren Bausteinen besteht und sich dynamisch den verschiedenen Anforderungen anpasst.
Ein Corporate Sound verleiht einem Unternehmen und seinen Produktemarken eine Stimme, die in sämtlichen Bereichen eingesetzt werden kann. Das heisst von der Telefonwarteschlaufe bis zum Feedback-Sound eines vernetzten Fahrscheinautomaten.
Branding ist schon heute eines der wichtigsten strategischen Instrumente der Unternehmenskommunikation. Mit den vernetzten elektronischen Medien und Produkten wird das Thema Branding in Zukunft noch wichtiger werden. Um einen Brand in die Köpfe der Kunden zu bringen, gewinnt die akustische Dimension mit ihren verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten zunehmend an Bedeutung.
Jede der täglich zigtausend akustischen Manifestationen einer Marke soll ein emotionales Erlebnis vermitteln. Jeder noch so kleine Sound kann somit den Brand stützen und lässt ihn in den Köpfen der Kunden im wahrsten Sinne des Wortes nachklingen.
Geschäftsführer / Sound Director bei Corporate Sound AG in Basel.
Ohrwürmer und mehr: Längst wird im Bereich Corporate Sound nicht mehr nur auf einprägsame Melodien gesetzt. Trendsetter sind nonmusikalische Elemente.
Peter Philippe Weiss

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