Drängeln um die besten Plätze

Kinomagazine Zwei von vier Gratistiteln weisen hohe, zwei klar tiefere Reichweiten aus. Die Gründe sind nebulös.

Kinomagazine Zwei von vier Gratistiteln weisen hohe, zwei klar tiefere Reichweiten aus. Die Gründe sind nebulös.Gemäss Mach Basic 2004 weist das Deutschschweizer Kinomagazin Close-up 177000 Leser auf – ein Novum, das Heft hat bisher keine Leserzahlen ausgewiesen. «Wir sind sehr zufrieden», sagte Jean-Claude Bruhin, Marketingleiter der Cinecom, die das Blatt im Auftrag von Herausgeber Teleclub vermarktet. Dank Close-up steht erstmals fest, dass die vier Schweizer Gratis-Kinotitel total 750000 monatliche Kontakte erzielen, wobei Close-up und Film demnächst (FD) in der Deutschschweiz zusammen 432000, Avant première (AP) und Live in der Romandie 318000 Kontakte ermöglichen.Enorme Nutzungsdifferenzen
Die Leistung der Hefte ist höchst unterschiedlich. So erreicht FD mit 255000 Lesern nicht nur rund 78000 mehr als Close-up, es schafft diesen Vorsprung auch mit einer wesentlich tieferen Auflage. Konkret kommt FD auf 2,5 Leser pro Exemplar (LpE), Close-up dagegen nur auf 1,1 LpE. Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Westschweiz: AP hat 2,4 LpE, Live 1,1 LpE. Vor einem Jahr war dies noch frappanter: Der Wert von FD lag bei 3,2 LpE, jener von AP bei 2,8 LpE, während Live schon damals bei 1,1 LpE dümpelte.
Doch warum? Qualitative Unterschiede sind kaum der Grund dafür. Dass Close-up primär in den Kinos der Kitag-Kette und Live in jenen der Europlex-Gruppe aufliegen, während FD und AP die übrigen abdecken, erklärt die unterschiedlichen LpE-Werte ebenfalls nicht, denn Kinogänger richten sich kaum nach Besitzverhältnissen aus. Eher eine Rolle spielen könnte, dass 59 Prozent der Close-up-Auflage an die Inhaber der CS-Cinecard verschickt werden. Bei Live war dies bis vor wenigen Monaten ähnlich. AP und FD hingegen verfügen über keine solche Partnerschaft, eine frühere mit der Post hatte diese im Frühjahr 2003 beendet. «Ich war besorgt, dass unsere Reichweiten deswegen einbrechen könnten, doch dem war nicht so», sagt Jean-Pierre Grey, ProductManager bei FD und AP sowie Verlagsleiter von Live.
Kurzum: Die unterschiedlichen Leistungen der Magazine sind kaum auf die Vertriebswege zurückzuführen. Bruhin vermutet: «Film demnächst hat den einprägsameren Titel als Close-up. Das wirkt sich bei den Befragungen der Wemf vielleicht für unser Heft nachteilig aus.» Grey pflichtet ihm bei: «Qualitativ sind die Hefte ähnlich, aber Film demnächst ist wohl geläufiger als Close-up.»
Doch egal, ob die Titel nun einen oder zwei LpE aufweisen, die Leserzahlen haben generell abgenommen. Die Gesamtreichweite jener drei Titel, die schon im 2003 Leser auswiesen, sank um neun Prozent. Dies hat zum einen mit der Hauptzielgruppe des Mediums Kino zu tun – die 20- bis 29-Jährigen – die in den letzten zehn Jahren deutlich abgenommen haben (siehe WW 31/04). Einen weiteren Grund ortet Jean-Pierre Grey beim letztjährigen Sommer. «Schönes Wetter schadet dem Medium Kino – und wir setzen dann ebenfalls weniger Hefte ab.» Tatsächlich haben die Kinobesuche letztes Jahr abgenommen, doch weniger stark als die Reichweiten der Magazine. Ein Zusammenhang besteht wohl angesichts der vielen kinounabhängigen Vertriebskanäle nur bedingt.
Jedem seine eigene Strategie
Wie geht es weiter? Für Bruhin ist klar: «Bei Close-up müssen wir am Titelimage arbeiten und mit dem Heft stärker präsent sein.» Dass das Magazin seit Mai einmal monatlich einen Split in 20 Minuten macht, bezeichnet er als «Schritt in diese Richtung», obwohl sich dieser Aufwand nicht in der Mach Basic 2005 niederschlagen wird (siehe Kasten).
Grey seinerseits arbeitet vor allem an Live. Er will versuchen, die von der CS aufgekündigte Partnerschaft zu revitalisieren. Zudem hat er einen weiteren Absatzkanal in Aussicht. Fest steht, dass Live ab
November zu einer People-Rubrik kommt – dank Zusammenarbeit mit Radio NRJ.
Keine wesentlichen Änderungen stehen hingegen bei FD und AP an. Grey hatte im letzten Jahr vor allem die Vertriebskanäle stark ausgebaut (Mediamarkt, Ticketvorverkaufsstellen, Videoläden und Videoclubs), so dass die verteilte Auflage von FD seit letztem Frühling bei noch unbeglaubigten 190000 und jene von AP bei 140000 Exemplaren liegt. Seit kurzem kooperiert FD zudem mit NRJ Zürich, allerdings auf einer Gegengeschäftsebene (Spot gegen Anzeige). «Auch mit Star TV sind wir derzeit am Diskutieren», so Grey.
Vier Magazine, die sehr unterschiedlich genutzt werden: Weshalb das so ist, bleibt Spekulation.
Close-up schafft den grössten Durchblick Verlag Reichweite Gratis- Reichweite Gratis-
2003* Auflage 2004* Auflage
in 1000 in % in 1000 in % Film demnächst Quorum 264 6,5 81232 255 6,2 99506
Close-up Teleclub – – 159840 177 4,3 160003
Avant première Quorum 222 17,1 78110 193 14,9 81230
Live Quorum 144 11,1 125836 125 9,6 117673
Total 630 750
* Die Reichweiten von 2003 und 2004 sind der Volkszählung 2000 angepasst. Quelle: Wemf
Wieder deutlich mehr KinoeintritteDie Zahl der Kinoeintritte ist wieder stark am Steigen. «Im ersten Halbjahr 2004 verzeichneten die Kinos 12 Prozent mehr Besuche als im ersten Semester 2003, in den Monaten Mai bis August gab es sogar ein (noch provisorisches) Plus von rund 25 Prozent», sagt René Gerber, Geschäftsleiter des Kino- und Filmverleiherverbandes Procinema.
Übers ganze Jahr gesehen rechnet Gerber mit einem Wachstum von gegen 12 Prozent. «Damit hätten wir den Rückgang vom letzten Jahr wieder etwas wettgemacht», sagt er. (mk)
Wemf erhebt Splits bei 20 Minuten nichtGemäss Mach Basic 2003 hatte die Veranstaltungszeitschrift Good News 114000 Leser, dieses Jahr sind es noch 79000. Ein Reichweitenverlust von 30 Prozent? «Nein», sagt Harald Amschler, Forschungsleiter der Wemf, «im 2003 war auch der Good-News-Split in 20 Minuten eingerechnet, dieses Jahr wurde aber nur noch das Good News Magazin erhoben.» Nächstes Jahr werde man es genauso machen, auch mit dem neuen Close-up-Split. «Wir müssen Reichweiten für belegbare Einheiten liefern, für den Split gibt es keinen separaten Tarif», begründet Amschler die Änderung. (mk)
Markus Knöpfli

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