Warum die NZZ die Regionalblätter stärken will
Zeitung Die NZZ baut den Service für Regionale aus und will damit die Branche strategisch stärken.
Zeitung Die NZZ baut den Service für Regionale aus und will damit die Branche strategisch stärken.Im Zusammenhang mit dem Zürcher Zeitungsdeal zwischen NZZ und PubliGroupe wurde immer mal wieder eine Firma genannt, deren Zweck bisher kaum je genauer beleuchtet wurde: die Freie Presse Holding (FPH), bisher eine 100-Prozent-Tochter der NZZ. Die Firma geriet in den Fokus der Öffentlichkeit, weil die PubliGroupe dort einen noch unbestimmten Minderheitsanteil erwerben will – im Austausch gegen jene Beteiligungen, die sie bei der Zürichsee Zeitung und beim Zürcher Unterländer an die NZZ abtritt. Diese Verhandlungen sind derzeit im Gang. Von der FPH ist bekannt, dass sie der NZZ als eine Art Depot für alle ihre Beteiligungen an Regionalzeitungen dient (siehe Kasten). Weniger bekannt ist, dass die FPH auch die FPH Services beherbergt, die eine Reihe von Dienstleistungen für Regionalzeitungen anbietet. «Die FPH Services entstand, als wir die Situation der Regionalzeitungen genauer analysierten», sagt Beat Lauber, Mitglied der NZZ-Gruppenleitung und Geschäftsleiter der FPH Holding. Weiter: «Unsere Branche steht vor grossen Herausforderungen: Die klassische Wertschöpfungskette ist tot, die Mediengattungen stehen in einem Verdrängungswettbewerb und es drohen politische und wettbewerbsrechtliche Beschränkungen.»
Deswegen stünden insbesondere Regionalzeitungen vor der Frage, wie sie ihre Qualität gleichwohl sichern können. «Das ist nur möglich in einem Kooperationsmodell, allein gehts nicht», weiss Lauber. Genau hier setze auch die FPH Services ein: «Über sie wollen wir uns vermehrt um die Branche kümmern und ihr helfen, neue Lösungen zu suchen, Diskussionen in Gang zu bringen und die Regionalzeitungen zu stärken.»
Die FPH tut dies, indem sie das so genannte Pressenetz initiierte, über das Redaktionen ihre Artikel austauschen können. Derzeit läuft es im Testbetrieb. Dann liess man zusammen mit dem St. Galler Tagblatt ein Internet-basiertes Leserbefragungstool entwickeln (siehe WW 44/04), neu gibt es auf www.fph-services.ch einen Ideenpool (siehe Kasten) und schliesslich will sich FPH Services mit Beratung sowie bei der Aus- und Weiterbildung engagieren. Alles steht unter den Stichworten Qualitätssicherung, Kundenbindung und Vernetzung.
Geschäftsführer der FPH Services ist der ehemalige Bund-Verlagsdirektor J. Pepe Wiss. Was das Engagement kostet, wollte Lauber nicht offen legen, nur so viel: Die Vorinvestitionen für das Pressenetz betrugen 150000 Franken, derzeit ist die Teilnahme für eine Redaktion noch gratis. Und das Kundendialogsystem soll sich über Lizenzgebühren refinanzieren.
Doch warum engagiert sich die FPH Services so? Will sie damit weitere Regionalzeitungen ködern? «Ganz im Gegenteil, mit unserem Netzwerk wollen wir sie stärken, damit wir mit gesunden und selbstständigen Regionalzeitungen kooperieren können», sagt Lauber. «Denn nur wenn die Regionalverlage stark genug sind, müssen sie nicht verkaufen und geraten auch nicht in fremde Hände. Wir können ja nicht alles aufkaufen.»
Das FPH-PortfolioIn der FPH hat die NZZ neben der FPH Services folgende Beteiligungen gesammelt: 70 Prozent beim St. Galler Tagblatt, 40 Prozent beim Bund Verlag, 40 Prozent beim Tagblatt der Stadt Zürich, 57 Prozent bei Buchs Medien (Werdenberger & Obertoggenburger) und 51 Prozent bei der LZ Medien Holding (Neue Luzerner Zeitung).
Ferner ist der 97-Prozent-Anteil an der Radig AG, der Werbevermarkterin von Radio BE1, im Portfolio. Bald schon kommen noch 20 Prozent von der Zürichsee Presse (Zürichsee Zeitung), 37 Prozent von Zürcher Oberland Medien (Zürcher Oberländer) und 40 Prozent von Akeret (Zürcher Unterländer) hinzu. (mk)
Bringt gute Ideen!Seit kurzem findet sich auf der Website www.fph-services.ch ein Ideenpool für «gute Ideen und Konzepte, die sich bei Regionalzeitungen auf der ganzen Welt bewährt haben». Wer auf eine gute Idee gestossen ist, eine selbst entwickelt oder sogar schon ausprobiert hat, kann sie dort nach einem bestimmten Raster eingeben. Umgekehrt ist es auch möglich, die vorhandenen Ideen zu durchsuchen und einzusehen. «Bei den einzelnen Zeitungen gibt es oft sehr gute Ideen, die eigentlich der ganzen Branche nützen könnten», sagt Beat Lauber. Und weil sich Regionalzeitungen selten konkurrenzieren, werde der Ideenaustausch auch kaum zum Problem. Lauber: «Darum wollen wir den Austausch nun institutionalisieren.» (mk)
FPH-CEO Beat Lauber (links) und J. Pepe Wiss von FPH Services.
Markus Knöpfli
Deswegen stünden insbesondere Regionalzeitungen vor der Frage, wie sie ihre Qualität gleichwohl sichern können. «Das ist nur möglich in einem Kooperationsmodell, allein gehts nicht», weiss Lauber. Genau hier setze auch die FPH Services ein: «Über sie wollen wir uns vermehrt um die Branche kümmern und ihr helfen, neue Lösungen zu suchen, Diskussionen in Gang zu bringen und die Regionalzeitungen zu stärken.»
Die FPH tut dies, indem sie das so genannte Pressenetz initiierte, über das Redaktionen ihre Artikel austauschen können. Derzeit läuft es im Testbetrieb. Dann liess man zusammen mit dem St. Galler Tagblatt ein Internet-basiertes Leserbefragungstool entwickeln (siehe WW 44/04), neu gibt es auf www.fph-services.ch einen Ideenpool (siehe Kasten) und schliesslich will sich FPH Services mit Beratung sowie bei der Aus- und Weiterbildung engagieren. Alles steht unter den Stichworten Qualitätssicherung, Kundenbindung und Vernetzung.
Geschäftsführer der FPH Services ist der ehemalige Bund-Verlagsdirektor J. Pepe Wiss. Was das Engagement kostet, wollte Lauber nicht offen legen, nur so viel: Die Vorinvestitionen für das Pressenetz betrugen 150000 Franken, derzeit ist die Teilnahme für eine Redaktion noch gratis. Und das Kundendialogsystem soll sich über Lizenzgebühren refinanzieren.
Doch warum engagiert sich die FPH Services so? Will sie damit weitere Regionalzeitungen ködern? «Ganz im Gegenteil, mit unserem Netzwerk wollen wir sie stärken, damit wir mit gesunden und selbstständigen Regionalzeitungen kooperieren können», sagt Lauber. «Denn nur wenn die Regionalverlage stark genug sind, müssen sie nicht verkaufen und geraten auch nicht in fremde Hände. Wir können ja nicht alles aufkaufen.»
Das FPH-PortfolioIn der FPH hat die NZZ neben der FPH Services folgende Beteiligungen gesammelt: 70 Prozent beim St. Galler Tagblatt, 40 Prozent beim Bund Verlag, 40 Prozent beim Tagblatt der Stadt Zürich, 57 Prozent bei Buchs Medien (Werdenberger & Obertoggenburger) und 51 Prozent bei der LZ Medien Holding (Neue Luzerner Zeitung).
Ferner ist der 97-Prozent-Anteil an der Radig AG, der Werbevermarkterin von Radio BE1, im Portfolio. Bald schon kommen noch 20 Prozent von der Zürichsee Presse (Zürichsee Zeitung), 37 Prozent von Zürcher Oberland Medien (Zürcher Oberländer) und 40 Prozent von Akeret (Zürcher Unterländer) hinzu. (mk)
Bringt gute Ideen!Seit kurzem findet sich auf der Website www.fph-services.ch ein Ideenpool für «gute Ideen und Konzepte, die sich bei Regionalzeitungen auf der ganzen Welt bewährt haben». Wer auf eine gute Idee gestossen ist, eine selbst entwickelt oder sogar schon ausprobiert hat, kann sie dort nach einem bestimmten Raster eingeben. Umgekehrt ist es auch möglich, die vorhandenen Ideen zu durchsuchen und einzusehen. «Bei den einzelnen Zeitungen gibt es oft sehr gute Ideen, die eigentlich der ganzen Branche nützen könnten», sagt Beat Lauber. Und weil sich Regionalzeitungen selten konkurrenzieren, werde der Ideenaustausch auch kaum zum Problem. Lauber: «Darum wollen wir den Austausch nun institutionalisieren.» (mk)
FPH-CEO Beat Lauber (links) und J. Pepe Wiss von FPH Services.
Markus Knöpfli
