Differenzieren als Strategie

Druck Ausrichtung auf Technik und Steigerung der Produktivität sind die eine Strategie, das Besetzen von Nischen und damit verbundene Ausrichtungen der andere Ansatz von erfolgreichen Druckereien.

Druck Ausrichtung auf Technik und Steigerung der Produktivität sind die eine Strategie, das Besetzen von Nischen und damit verbundene Ausrichtungen der andere Ansatz von erfolgreichen Druckereien.Die Situation in der Druckindustrie ist alles andere als rosig. Überkapazitäten sind vorhanden, die Preise unter Druck. Kreatives Unternehmertum ist gefragt. Wir haben vier sehr unterschiedliche KMU-Druckereien besucht, die mit sehr unterschiedlichen Konzepten im Markt auftreten: Itin Druck sind die Spezialisten für kreative Umsetzungen, Feldegg Druck hat sich dem umweltgerechten Produzieren verschrieben, Drucksachenmittler Maxiprint setzt auf einen Onlineshop und Heer Druck investiert in eine neue Maschinenplattform. 1. Itin Druck, Bülach, versteht sich als Boutique-Druckerei
Kein feudales Besprechungszimmer, dafür fallen im Showraum der Itin Druck AG Vitrinen mit grafischen Produkten auf, die man nicht alle Tage sieht. Diese Muster sind wichtige Verkaufsargumente für Kunden aus dem In- und Ausland. Das Unternehmen entwickelt und produziert vor allem aufwändige Kartonageprodukte wie Steller oder Rotairs, DirectMailings, Funktionskartonagen, auffällige bzw. die Aufmerksamkeit erregende POS-Materialien, kleine Displays und einiges mehr – neben normalen Akzidenzdrucksachen.
Inhaber und Geschäftsführer Edy Itin erklärt, dass das von ihm geführte Unternehmen sich vor langer Zeit auf Nischenprodukte spezialisiert habe. Dabei stehen die Entwicklung von auf die Kundenbedürfnisse zu-
geschnittener Spezialprodukte, die Beratung vor Ort, ein stetig aus-
gebauter Onlinekatalog von gefertigten Produkten und die permanente Unterstützung des Kunden ganz oben in der Firmenphilosophie. Auf die Frage nach der Strategie des Unternehmens angesprochen antwortet der 41-jährige Geschäftsführer: «Unsere Stärke liegt darin, Produkte herzustellen, die andere Unternehmen auf Grund ihrer Ausrichtung heute nicht mehr produzieren können oder fertigen möchten. Wir sprechen dabei intern nicht mehr nur von Aufträgen, sondern von uns anvertrauten Projekten. Bei den Projekten übernehmen wir von der Entwicklung über die Produktion und Durchführung in unserem Unternehmen bis zum lokalen oder auch weltweiten Versand sämtliche Dienstleistungen. Der Kunde hat dafür, sobald er uns mit einem Projekt betraut hat, mit dessen Abwicklung nichts mehr zu tun. Dieses Vorgehen ist bei uns heute Standard.»
Das Kreieren und Entwickeln von Lösungen sowie die aktive Unterstützung der Produktioner und Drucksacheneinkäufer in den Unternehmungen oder der Kreativen in den Agenturen sieht Edy Itin als Herausforderung: «Je verrückter die Idee und je schwieriger die Umsetzung derselben ist, umso mehr Spass macht so ein Projekt.» Edy Itin, der sein Unternehmen als «klein und innovativ» bezeichnet, hat die Erfolgsfaktoren ausgemacht: die ideale Grösse – und dass es gelungen sei, einen sympathischen Eindruck zu vermitteln. Auch eine gewisse Hartnäckigkeit beim Verkauf, ein Verkaufsgespür sowie das Agieren über die Landesgrenze hinaus, zählt er zu den Erfolgsfaktoren der 11-köpfigen, wie er sie nennt, Boutique-Druckerei.
2. Pioniergeist der Druckerei
Feldegg, Zollikerberg
Den Pioniergeist und die Innovationskraft der Druckerei Feldegg, Zollikerberg, machen sich immer mehr Agenturen und Produktionsverantwortliche zu Nutze. René und Erwin Oberhänsli, geschäftsleitende Mitglieder der Druckerei Feldegg AG (Feldegg) haben somit keinen Grund zum Jammern. Das letzte Jahr war ausgezeichnet, bescherte das beste Geschäftsergebnis in der 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Die Antwort auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis überrascht: «Vor 16 Jahren hat ein Drucksacheneinkäufer einer Grossbank anlässlich eines Umweltvortrags behauptet, dass Unternehmen, die nicht nachhaltig produzieren, auf lange Sicht keine oder nur reduzierte Überlebenschancen haben.» Das war für die Geschäftsführung der Feldegg ein wichtiges Signal, die Strategie zu prüfen und neu auszurichten. «Wir unternehmen seither alles – auch aus Überzeugung –, um uns diesbezüglich zu verbessern.» Als erstes Unternehmen der Branche hat sich die Druckerei Feldegg vor zehn
Jahren nach ISO 14001 (Umweltmanagementnorm) zertifizieren lassen, im gleichen Jahr erfolgte auch die Zertifizierung nach ISO 9001 (Qualitätsmanagementnorm). Das Unternehmen zählt auch zu den ers-
ten Druckereien der Schweiz, die sich durch die Verwendung von FSC-zertifizierten Papieren einer nachhaltigen, naturnahen und sozial verträglichen Waldbewirtschaftung und Holznutzung verschrieben haben.
Erwin Oberhänsli bezeichnet die Nachhaltigkeitsanstrengungen bei Feldegg gar als Motor für Innovationen. Als konsequente Folge, so René Oberhänsli, sei man dann auch auf Maschinen von KBA gestossen. Die wasserlos druckenden 74 Karat und seit diesem Jahr die Genius 52 produzieren gemäss den Oberhänslis besonders umweltfreundlich: «Überzeugt hat uns aber vor allem, dass wir nach nur sieben Bogen ein «Gut-Bogen» bzw. ein verkaufbares Exemplar vorliegen haben. Das sind Welten im Vergleich zum konventionellen Offsetdruck», erklärt René Oberhänsli. Dadurch sind die Maschinen prädestiniert für kleine Auflagen und für den Druck auf teuren Bedruckstoffen. Um die Maschine herum haben die Verantwortlichen der Druckerei ein Konzept entwickelt, das unter dem Namen «equal» sogar anderen Druckereien, die eine ähnliche Realisierung verfolgen, angeboten wird.
Bleibt da noch Platz für eine Vision? «Ja natürlich», sagt Erwin Oberhänsli, «die Zukunft heisst Distributed Printing – das Verteilen von Druckaufträgen auf weltweite Standorte, die mit den gleichen Daten identische Ergebnisse erzielen.» Weil solche Projekte viel Zeit in Anspruch nehmen, ist er nicht sicher, ob er die Vollendung dieses Vorhabens noch erleben wird. Die Weichen dafür hat er aber gestellt.
3. Bei Maxiprint.ch, Baar,
Drucksachen online ordern
Im Zentrum der Dienstleistungen der Maxiprint.ch AG (Maxiprint) steht die gleichnamige Website. Dank der dort hinterlegten Internettechnologien ist der ganze Ablauf zur Herstellung von Druckerzeugnissen bzw. Werbemitteln inklusive der notwendigen Datenübermittlung, Onlineprüfung und Auftragsabwicklung etc. weitestgehend vereinfacht. Die ausgetüftelte Site führt die Besucher durch das Angebot und macht diesen das Bestellen von Drucksachen so einfach wie nur möglich. Praktisch ist der als Matrix konzipierte Aufbau: In der horizontalen Navigationsleiste können die Drucksachen bzw. Werbemittel nach Kategorie bestellt werden, links lassen sich die Produkte nach Branchenbedürfnissen auswählen bzw. ordern. Zudem kann die Rechnung online eingesehen oder der Empfänger der Werbemittel tages-aktuell mit einem Mail oder SMS automatisch über die bevorstehende Anlieferung informiert werden.
«Einer der grössten Vorteile unserer Lösung besteht darin, dass unsere Kunden die Kuverts, Flyer, Karten, Kleber, Plakate, Prospekte, Membercards und dergleichen nicht nur bestellen, sondern sich vorab mit nur wenigen Klicks auch den Liefertermin zeigen und den Preis kalkulieren lassen können. Sie erhalten dabei alles aus einer Hand zu einem Tiefpreis», erklärt Ingo Grünig, der zusammen mit Marcos Gonzalez die Mehrheit an der Maxiprint.ch AG hält. Das Unternehmen, das im Gebäude der Firmengruppe LZ Medien untergebracht ist (die eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen hält), baut die Produktpalette kontinuierlich aus.
Auf die Frage, wo man denn im Onlineshop die Papierqualität wäh-
len könne, antwortet Grünig: «Die Kunden haben im Standardzugang eine bewusst eingeschränkte Auswahl an Formaten und Papierqualitäten, dafür sind die Drucksachen dank standardisierter Produktion äusserst preisgünstig. Dennoch de-
cken wir damit mehr als 80 Prozent der Marktanforderungen ab.» Und wer druckt? «Wir haben keine Druckmaschinen, die Produktion ist zu 100 Prozent ausgelagert. Maxiprint arbeitet mit mehr als 100 aktiven oder aktivierbaren Partnerfirmen zusammen, die die Drucksachen produzieren, konfektionieren oder – bei Verkehrsmittelwerbung – auch montieren», erklärt Grünig.
An Vorstufendaten können die Standard-Bildformate JPG und TIFF oder ein PDF-Dokument angeliefert werden. Keine InDesign- oder XPress-Dokumente? «Ja und Nein; die Standardabwicklung sieht das nicht vor. Angemeldete Kunden haben die Möglichkeit, auch Layoutdokumente anzuliefern. Diese Möglichkeit nutzen vor allem Agenturen sehr häufig», erklärt Grünig.
Zu den mittel- und langfristigen Plänen sagt Marcos Gonzalez, dass im Herbst eine browsergestützteLösung zur Onlinegestaltung von Dokumenten aufgeschaltet werden soll. Auch eine Lizenzierung des Systems an interessierte Unternehmen ins Ausland prüfen die beiden Inhaber.
4. Heer Druck, Sulgen, investiert in Maschinen
Ein bewährtes Modell, um ein Unternehmen in die Zukunft zu führen, ist die Investition in neue Technik bzw. in neue, leistungsfähigere Maschinen. Diesen Weg beschreitet die in Sulgen TG ansässige Heer Druck AG – sowohl im Offset- wie auch im Digitaldruck. Für nächstes Jahr hat die Druckerei beim Druckmaschinen- und Lösungsanbieter Heidelberg eine Speedmaster XL 105 geordert. Dieser Maschinentyp wurde erst letzten Mai an der Fachmesse drupa vorgestellt. Viktor Heer, Geschäftsführer des Unternehmens, begründet den Entscheid für eine neue Druckmaschine mit einer sehr hohen Auslastung: «Wir konnten in den letzten Jahren die Auslastung unseres Maschinenparks ständig verbessern und stossen nun an Grenzen. Mit der neuen Maschine können wir den Betrieb aufrechterhalten, ohne weiter dreischichtig produzieren zu müssen.» Der Drei-Schichtbetrieb mache für ihn auf Dauer auch betriebswirtschaftlich keinen Sinn,
ergänzt Heer. Von der insgesamt mehrere Millionen Franken teu-
ren Investition verspricht sich der Firmengründer eine nochmals bessere Qualität und eine höhere Produktivität.
Vor allem die Prozessintegration soll im Unternehmen weiter optimiert werden. Bereits heute werden Farbvoreinstellungen aus der Vorstufe – so genannte CIP3-PPF-Daten – zum schnellen Voreinstellen der Druckmaschine herangezogen. Auch die Betriebsdatenerfassung sei im Unternehmen sehr weit fort-
geschritten und erlaube die laufende Kostenkontrolle, erklärt Heer. Color Management, das eine durchgängig farbverbindliche Produktion ermöglicht, ist bereits seit Jahren eingeführt.
Das Unternehmen lebt haupt-
sächlich von der Herstellung von Akzidenz-Drucksachen. Der Verlagsdruck (Zeitschriften und Bücher der im Haus angesiedelten Verlage Niggli, Archithese und du zu den Themen Architektur, Design, Typografie und Kunst) sorgt für die insgesamt sehr hohe Auslastung des Unternehmens. Interessant dabei ist, dass 80 Prozent der Bücher exportiert werden: Japan und China sind für Heer Druck wichtige Märkte. Deshalb ist das Unternehmen auch auf den dortigen Buchmessen präsent.
Zum Erfolg der Heer Druck trägt neben dem Bogenoffset auch eine neue Digitaldruckmaschine Xerox Docucolor iGen3 110 bei. «Der Auftrag bzw. die Anforderungen des Kunden bestimmen bei uns das Druckverfahren», erklärt Viktor Heer. Bereits erwirtschaftet Heer Druck rund 15 Prozent des Umsatzes mit dem Geschäftsfeld Digitaldruck, Tendenz steigend.
Jürgen Franck

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