Here comes Mister Digi Trend

Als Leiter der Digi Trend Forums kehrt Ueli Custer zu den Visionen des Media Trend Journal zurück.

Ueli Custer will wissen, wie wir im Jahr
2015 kommunizieren. Der Leiter des Digi Trend Forum geht damit zurück
zu den futuristischen Wurzeln des Media Trend Journal.«Total digital» wird die Ausgabe des Media
Trend Journal im Oktober. Begleitet wird das Thema im Heft 10/2005 vom
1. Digi Trend Forum der Schweiz. Kopf oder digitaler Netzwerker hinter
beiden Projekten ist Ueli Custer. Antwort finden will er auf die Frage:
«Wie kommunizieren wir im Jahr 2015?»

Schon oft war der Medienprofi mit seiner Neugier der Zeit ein bisschen
voraus. Auf einer Schwarz-weissfotografie sieht man den vierjährigen
Ueli in St. Gallen, wie er schon früh im Kinderwagen genüsslich eine
Zeitung analysiert. Ein vergilbtes Bild aus den 50er-Jahren zeigt den
Dreikäsehoch, wie er bereits damals mit Leidenschaft eine Hermes Baby
bearbeitet. «Wahrscheinlich war ich von meiner Mutter beeinflusst»,
kramt er in seinen Erinnerungen. Diese war als Vorkämpferin für das
Frauenstimmrecht und als Konsumentenschützerin neben dem Haushalt auch
journalistisch tätig. Und so ist Ueli Custer rund um einen täglichen
Stapel von mindestens drei Zeitungen sowie diversen anderen
Publikationen aufgewachsen.
Der professionelle Einstieg in die Medien folgte dann allerdings über
Umwege. Nach einer wenig zündenden Suche an der Hochschule St. Gallen
sah er mehr Zukunft bei der Publicitas. Dort hat er in der Ostschweiz
zuerst Inserate akquiriert. Daraus hat sich ein weiterführender Kontakt
zur Werbebranche ergeben. Custer machte das Diplom als Werbeassistent
und landete schliesslich in den 80er-Jahren als Werbeleiter bei Calida
in der Innerschweiz. «Das waren die Boomjahre, wo wir den Umsatz
verdoppeln konnten und das heute unvorstellbare Problem hatten, dass
wir zu wenig Näherinnen finden konnten», erinnert er sich.

Sieben Jahre wirkte Custer am Erfolg für Calida mit. In dieser Zeit
belieferte er auch die Werbewoche mit ersten journalistischen Berichten
aus dem Werbeclub Zentralschweiz. Eine Vertiefung seines Spezialwissens
fand er dann kurzfristig bei einer Mediaagentur, bevor ihn 1988 ein
Inserat als Alleinredaktor zum Media Trend Journal gebracht hat, das
wie die Werbewoche im Verlag der Media-Daten AG erscheint. Custer
absolvierte dazu am MAZ eine weitere Ausbildung zum Fachjournalisten.

In seiner Zeit in den Anfängen des Blattes hat er die ursprünglich als
jährlichen Ordner gegründete Publikation zu einem Monatsheft entwickelt
und die Auflage von 500 auf 1500 Abonnenten gesteigert. Das Media Trend
Journal wollte sich zuerst auf den Hype der neuen Medien
spezialisieren. «Da waren wir der Zeit aber leider voraus, weil die
Technik noch zu wenig ausgereift war», blickt Custer heute zurück.
Weil noch zu wenig Leute Interesse für die neuen Ideen zeigten, das
Heft aber Potenzial hatte, hat Custer als Chefredaktor das Trend
Journal zuerst einmal umpositioniert. Statt über neue Medien zu
schreiben, liess er analysieren, wohin Werbeauftraggeber ihre Gelder am
sinnvollsten investieren sollen. Das Media Trend Journal hat sich damit
sehr schnell zu einem gefragten Tool entwickelt.

Heute ist die Zeitstimmung anders. «Die Digitalisierung hat den Markt
derart in Bewegung gesetzt, dass dies jetzt ein hochaktuelles Thema
wird», ist der Projektleiter des Digi Trend Forum überzeugt. Er denkt
dabei an das vielschichtige Verschmelzen von Individual- und
Massenkommunikation, von Kommunikation und Unterhaltungstechnologie.
Custer und sein Team glauben: Wenn die Märkte der
Individualkommunikation und Anbieter von Unterhaltungselektronik sowie
alle Player auf Seite der Massenkommunikation in einem gemeinsamen
Markt tätig sind, «dann müssen diese auch irgendwo ein Forum haben, wo
sie sich austauschen können».
Das Konzept für eine Fortsetzung des Forums auch als Heft ist, so
Custer, «noch nicht in Stein gemeisselt». Für die erste Ausgabe werden
Autoren aus ganz verschiedenen Perspektiven ihre Vorstellung schildern,
wie sie in zehn Jahren die Kommunikation sehen. Ziel ihrer Gedanken:
die verschiedenen Bereiche, die ganz unterschiedliche Kulturen haben,
zusammenbringen und herausfinden, was es für neue Geschäftsmodelle gibt
auf Grund der Digitalisierung.

Ueli Custer ist neben seiner Mitarbeit für das Media Trend Journal und
jetzt das Digi Trend Forum im Mandat auch Geschäftsleiter der Igem, der
Interessengemeinschaft elektronische Medien. Auch dort will man die
Folgen der Digitalisierung und ihre Konsequenzen für Anbieter und
Werbung genau verfolgen. Eine Arbeitsgruppe soll sich demnächst der
Problematik annehmen. «Eine ideale Synergie zu meiner Arbeit für das
Digi Trend Forum», meint Custer.

Eine Bereicherung der anderen Art findet er durch die Lage seines
Büros. Da ihn die Liebe zu einer Lehrerin einmal nach Lommiswil
verschlagen hat, wohnt und schreibt Custer nun im Solothurnischen mit
herrlichem Rundblick von den Glarner Alpen bis zum Chasseral. «Ideal
zum Biken, Walken und Wandern», meint der Medienmann, der ansonsten
(wie damals im Kinderwagen) als liebstes Hobby immer noch das
Zeitunglesen nennt.

Andreas Panzeri

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