EY-Umfrage: KI in Schweizer Unternehmen breit genutzt – doch die Skalierung fehlt

89 Prozent der Schweizer Unternehmen nutzen KI im Arbeitsalltag, zeigt die EY KI-Umfrage 2026. Doch von der punktuellen Nutzung zur unternehmensweiten Transformation ist es noch ein weiter Weg.

Adrian Ott: KI-Skalierung bleibt grosse Herausforderung für Firmen. Quelle: zvg

KI in Schweizer Unternehmen: breite Nutzung, unvollständige Transformation

Künstliche Intelligenz hat sich in Schweizer Betrieben innerhalb kurzer Zeit von einem Zukunftsthema zu einem festen Bestandteil des Arbeitsalltags entwickelt. Das zeigt die EY KI-Umfrage 2026, für die 604 Personen aus Unternehmen unterschiedlicher Grössen und Branchen in der Schweiz befragt wurden. Gleichzeitig machen die Ergebnisse deutlich, dass viele Organisationen noch am Anfang stehen, wenn es um die systematische Skalierung und strategische Verankerung von KI geht.

89 Prozent der Befragten geben an, KI-Lösungen im beruflichen Alltag zu nutzen. Besonders verbreitet sind integrierte Lösungen wie Microsoft Copilot oder Google Workspace mit Gemini, die von 70 Prozent eingesetzt werden. 35 Prozent verfügen über Unternehmenslizenzen für spezialisierte Anwendungen wie ChatGPT Enterprise, und rund ein Drittel (33 Prozent) hat im eigenen Unternehmen bereits KI-Lösungen auf Basis verschiedener Modelle entwickelt. 29 Prozent berichten, dass die Nutzung externer KI-Tools über private Accounts erlaubt ist – für acht Prozent ist dies derzeit die einzige Möglichkeit, KI im Arbeitsalltag zu nutzen. Nur drei Prozent geben an, dass der Einsatz von KI vollständig untersagt ist.

Zwischen Pilotprojekt und Strategie: Reifegrad bleibt heterogen

55 Prozent der Befragten berichten, dass in ihrem Unternehmen bereits gezielte KI-Lösungen eingesetzt oder über mehrere Geschäftsbereiche hinweg skaliert werden. Davon haben 32 Prozent KI in einzelnen Bereichen im Einsatz, 14 Prozent skalieren sie systematisch, und neun Prozent betrachten KI bereits als integralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie, der das Geschäftsmodell verändert hat. Weitere 31 Prozent befinden sich noch in Pilotprojekten oder Proof-of-Concept-Phasen. 14 Prozent haben bislang noch keine konkreten KI-Initiativen gestartet.

«Viele Unternehmen haben den Einstieg in die Nutzung von KI erfolgreich geschafft. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch darin, aus einzelnen Anwendungsfällen eine skalierbare, unternehmensweite Transformation zu entwickeln», sagt Adrian Ott, Chief AI Officer bei EY in der Schweiz.

Datensouveränität als zentraler Erfolgsfaktor

Ein besonders klares Signal sendet die Umfrage beim Thema Datensouveränität. Für 51 Prozent der Befragten ist es geschäftskritisch, dass KI-Systeme den Schweizer oder europäischen Datenschutzanforderungen entsprechen und Daten innerhalb der Schweiz oder der EU verarbeitet werden. Im Durchschnitt bewerten die Befragten die Wichtigkeit dieser Anforderung mit 8,7 von zehn Punkten. Fragen zum Datenstandort, zu regulatorischen Anforderungen und zur Kontrolle über Datenflüsse spielen damit für viele Unternehmen eine zentrale Rolle – insbesondere im Kontext internationaler Technologieanbieter.

Uneinheitliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Folgen von KI auf den Personalbestand zeigen derzeit ein heterogenes Bild. 18 Prozent der Befragten geben an, dass im Zusammenhang mit KI zusätzliche Stellen geschaffen wurden – etwa in den Bereichen Data Science oder AI-Engineering. Gleichzeitig berichten elf Prozent, dass offene Stellen in bestimmten Bereichen nicht mehr nachbesetzt wurden, und sieben Prozent verzeichnen einen direkten Stellenabbau infolge von KI-Automatisierung. Weitere 18 Prozent erwarten künftig einen Rückgang beim Personalbestand.

Auffällig ist der hohe Anteil von 42 Prozent, die keine klare Einschätzung zu den Auswirkungen geben können. Dies deutet darauf hin, dass sich viele Unternehmen noch in einer frühen Phase der Transformation befinden, in der konkrete Effekte auf die Belegschaft noch nicht abschliessend beurteilt werden können.

Daten, Sicherheit und Fachkräfte als grösste Hürden für KI in Schweizer Unternehmen

20 Prozent der Befragten nennen Datenqualität und Datensilos als grösstes Hindernis für den KI-Einsatz, gefolgt von Sicherheits- und Datenschutzbedenken (19 Prozent) sowie dem Mangel an qualifizierten Fachkräften (18 Prozent). Fehlende Use Cases mit klarem Business Value (zehn Prozent), Budgetrestriktionen (neun Prozent) oder regulatorische Unsicherheiten (sechs Prozent) spielen demgegenüber eine geringere Rolle. Nicht die grundsätzliche Bereitschaft zur KI-Nutzung steht im Vordergrund, sondern die praktische Umsetzung innerhalb bestehender Strukturen.

Pragmatisches Vertrauen statt unkritischer Begeisterung

72 Prozent der Befragten nutzen KI primär als Unterstützung im Arbeitsalltag – als Sparringspartner für Ideen, zur Erstellung erster Entwürfe oder zur Strukturierung von Inhalten. 47 Prozent vertrauen der Technologie bereits in ausgewählten Anwendungsfällen, auch bei fachlichen oder faktischen Fragen. 40 Prozent schätzen KI-Antworten in bestimmten Situationen – insbesondere unter Zeitdruck – als verlässlicher ein als manuell recherchierte Informationen. Eine grundsätzlich skeptische Haltung vertreten hingegen nur zwölf Prozent.

«Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen KI zunehmend gezielt und situationsabhängig einsetzen. Es geht weniger um blindes Vertrauen, sondern vielmehr um einen differenzierten und pragmatischen Umgang mit den Möglichkeiten der Technologie», sagt Ott.

Klare Erwartungen an den KI-Standort Schweiz

Mit Blick auf die Zukunft formulieren die Befragten klare Erwartungen an Politik und Standortbedingungen. 58 Prozent nennen den Ausbau von Aus- und Weiterbildungsangeboten im Bereich KI als wichtigste Massnahme. 56 Prozent sprechen sich für den Aufbau einer souveränen Schweizer KI-Infrastruktur aus, etwa in Form von Cloud- oder Rechenkapazitäten. 40 Prozent wünschen sich gezielte Förderprogramme für KMU bei der Einführung von KI, eine ähnliche Anzahl sieht die Abstimmung mit dem EU AI Act als wichtigen Faktor für Rechtssicherheit im internationalen Geschäft. 28 Prozent befürworten hingegen eine eigenständige Schweizer Regulierung.

Weitere Informationen zur EY KI-Umfrage 2026 finden sich unter https://www.ey.com/ch.

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