Zurich Summit am ZFF: Wie TikTok das Kino neu erfindet
Am Zurich Summit im Grand Hotel Dolder zeigte sich exemplarisch, wie der digitale Kulturwandel die Filmbranche erfasst: TikTok ist längst kein reines Werbetool mehr, sondern treibt als kollektiver Resonanzraum die Entdeckung von Kinofilmen voran – und füllt die Säle mit einer neuen Generation von Cineasten.
Wenn sich an einem Spätsommertag die globale Film- und Entertainment-Elite hoch über Zürich im Grand Hotel Dolder versammelt, prallen Welten aufeinander, die eigentlich zusammengehören: das klassische Handwerk des grossen Leinwand-Storytellings und die rasante Dynamik sozialer Plattformen. Im Rahmen des Zurich Summit am Zurich Film Festival wurde eine fundamentale Verschiebung diskutiert: Wie verändert sich das Mediennutzungsverhalten der jungen Zielgruppen – und wie begeistert man eine heranwachsende Generation für das Kinoerlebnis?
Den Auftakt machte Hasmik Matinyan, Publisher Manager Entertainment DACH bei TikTok, mit einer Bestandsaufnahme zur Plattformkultur. In der anschliessenden Diskussionsrunde – moderiert von Don Macanlalay (Senior Social Media Director, The Film Zone) und hochkarätig besetzt mit Oliver Berben (CEO Constantin Film), Linda Fiolka (Head of Marketing Constantin Film), Julie La’Bassiere (Chief Strategy Officer DDA) und Matinyan selbst – ging es um weit mehr als um klassische Marketingkampagnen: Es ging um die Demokratisierung der Filmkultur.
Die neue Mundpropaganda: 12 Millionen Beiträge täglich
Die Zahlen, die Matinyan präsentierte, untermauern das Ausmass dieses Wandels: Über 12 Millionen Posts rund um Film und TV werden täglich weltweit auf TikTok veröffentlicht – eine Zahl, die sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hat.

Im Jahr 2025 waren 15 der Top-20-Kinostarts in Europa virale Hits auf TikTok mit durchschnittlich 14 Millionen Aufrufen. TikTok funktioniert dabei nicht mehr als passives Abspielmedium, sondern als globale Entdeckungsmaschine. 40 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer geben an, auf der Plattform Filme zu entdecken, von denen sie andernfalls nie erfahren hätten. Einer von fünf Nutzern startet bereits innerhalb von 30 Sekunden nach dem Öffnen der App eine konkrete Suche. Der Hashtag #WhatToWatch verzeichnet mittlerweile über sieben Millionen Beiträge.


Die entscheidende Dynamik: Über 90 Prozent der Inhalte zu Filmen und Serien stammen nicht von offiziellen Publisher-Accounts, sondern direkt aus der Community und von Creatorinnen und Creatorn. 83 Prozent der Nutzer empfinden diese Fan-Inhalte als authentisch, 57 Prozent als unterhaltsamer als herkömmliche Formate. Creator sind damit die moderne, wirkmächtigste Mundpropaganda der Filmbranche. Hasmik Matinyan brachte es in ihrer Keynote so auf den Punkt:
«These are not passive spectators or viewers, but active co-creators, who really shape film culture on TikTok and it goes beyond.»
Der Box-Office-Beweis: «Backrooms» und die Kraft des Vorlaufs
Dass virale Begeisterung direkt in Ticketverkäufe an der Kinokasse konvertiert, illustrierte Matinyan am Beispiel des Mystery-Horror-Hits Backrooms. Constantin Film setzte als erstes deutsches Produktionshaus ganzheitlich auf die Lösung TikTok Spotlight, die Filme direkt in der App verankert – inklusive Ticketkauf und Hintergrundinformationen.

Bei Backrooms explodierte das Suchinteresse weit vor dem eigentlichen Kinostart:
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Die Suchanfragen zum Hashtag
#BackroomsMoviestiegen vor dem globalen US-Start im Mai um 700 Prozent. -
Vor dem Kinostart in Deutschland im Juni legten sie nochmals um 100 Prozent zu; allein zwischen Mai und Juli wurden in Deutschland knapp eine Million filmbezogene Suchanfragen registriert.
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Über 23’000 Posts generierte die Kampagne – 99 Prozent davon stammten direkt aus der Fan-Community.


Laut internen Analysen von Constantin Film erwies sich TikTok als stärkster Einzeltreiber für den Kinobesuch – weit vor Plakatierung, klassischer Kinowerbung oder Empfehlungen von Freunden. Jeder dritte Kinobesucher gab an, wegen TikTok ins Kino gegangen zu sein; bei jüngeren Zielgruppen war der Einfluss gar doppelt so hoch. Selbst Wochen nach dem Kinostart hielt sich die Konversation in den TikTok-Filmcharts.

Die Podiumsdiskussion: Kontrolle abgeben, Relevanz gewinnen
In der von Don Macanlalay eröffneten Podiumsdiskussion verdeutlichte Don anhand von Resident Evil und dem Phänomen Backrooms, wie stark Fans narrative Universen heute selbst weiterspinnen. Constantin-CEO Oliver Berben brachte die Herausforderung für traditionelle Filmstudios auf den Punkt: Früher habe die Maxime gegolten, die Hoheit über das eigene Material strikt zu bewahren. Heute müsse man loslassen:
«Um diesen viralen Funken zu entfachen, muss man die Kontrolle über Teile des Contents abgeben. Das ist für die Studios eine enorme Umstellung.»

Für Berben ist Social Media zweierlei: Einerseits Marketingbühne und moderner Wasserspender, an dem sich Menschen austauschen; andererseits eine kreative Keimzelle für neue Stoffe und Talente. Gleichzeitig mahnte er vor naiver Automatik: Millionen Follower auf YouTube oder TikTok garantierten keineswegs einen erfolgreichen Spielfilm. Entscheidend sei nicht die reine Reichweite, sondern die echte Tiefe des Engagements.

Linda Fiolka betonte, wie zentral ein Perspektivwechsel für Verleiher ist: Filmmarketing darf das Publikum nicht länger als passive Empfänger behandeln, sondern muss Fans und Creator als kreative Partner begreifen. Communitys entdecken Nuancen in Geschichten, an die Marketingabteilungen oft gar nicht dächten – und schaffen damit massgeschneiderte Relevanz in ihren jeweiligen Nischen.

Julie La’Bassiere (DDA) wies auf die Ausweitung dieser Dynamik hin: Social-Media-Storytelling dürfe nicht auf Horrortitel oder klassische Genre-Filme verengt werden. Phänomene wie #BookTok beweisen, dass auch anspruchsvolle Dramen und Literaturadaptionen durch leidenschaftliche Online-Communitys getragen werden. Das Einbinden von Talenten und Content Creators müsse bereits bei der Buchentwicklung und am Set beginnen, nicht erst zwei Wochen vor Kinostart.

Demokratisiertes Kino
Wie begeistern wir die junge Generation wieder für die Magie des Kinosaals? Die einhellige Antwort auf dem Dolder-Podium lautete: durch Authentizität und radikales Zuhören. Gen Z will nicht von Gremien über 60 belehrt werden, was sie zu sehen hat. Sie will Geschichten, die ihre eigene Lebensrealität spiegeln, erzählt von Stimmen, denen sie vertraut.
TikTok nimmt dem Kino dabei nicht das Publikum weg, sondern öffnet den Trichter: Indem Fans vom ersten Moment an in die kreative Reise eingebunden werden, entsteht eine Verbindlichkeit, die den Schritt vom Smartphone-Display hinein in den Kinosessel ganz natürlich vollzieht.
Über den Zurich Summit: Wo die Zukunft des Entertainments verhandelt wird
Der Zurich Summit im Grand Hotel Dolder bildet das wirtschaftliche und strategische Herzstück des Zurich Film Festival. Jedes Jahr Ende September versammelt die hochkarätige Boutique-Konferenz führende Produzenten, Studio-Executives, Finanziers, Tech-Pioniere und Kreative aus aller Welt über den Dächern von Zürich. In vertraulichem, exklusivem Rahmen werden hier die tektonischen Verschiebungen der globalen Unterhaltungsindustrie diskutiert – von neuen Finanzierungs- und Verleihmodellen über Künstliche Intelligenz und Social-Media-Ökosysteme bis hin zur Frage, wie das Kinoerlebnis im Zeitalter digitaler Fragmentierung seine gesellschaftliche und kulturelle Relevanz behauptet.
Partnerschaft mit Zukunft: TikTok als offizieller Festivalpartner
Mit der Partnerschaft zwischen TikTok und dem Zurich Film Festival (ZFF) rückt das traditionsreiche Kinoevent noch näher an die mobile Generation heran:
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Exklusiver Zugang: TikTok begleitet das ZFF mit offiziellen Inhalten, Creator-Aktivierungen und Livestreams direkt vom Green Carpet am Sechseläutenplatz.
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Kreativer Schulterschluss: Filmbegeisterte Creator (#FilmTok) erhalten Zugang zu Premieren und Branchentalks, um Festivalflair und Kinobegeisterung direkt in die Feeds von Millionen junger Cineasten zu tragen.
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Relevanz für die Leinwand: Die Kooperation demonstriert exemplarisch, wie moderne Kulturinstitutionen und globale Entertainment-Plattformen gemeinsam neue Impulse setzen, um die Faszination für das Kino nachhaltig zu stärken.


