Sponsoring Women to Success

Vor einiger Zeit habe ich mich mit einem Kollegen über unsere jeweiligen Erfahrungen mit Frauen- bzw. Männer-Netzwerken ausgetauscht und wir mussten schnell feststellen, dass diese sich nicht unbedingt decken.

Bild: zVg
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Beigetreten bin ich dem IVY Female Collective, einem Boutique-Netzwerk für Frauen, 2020. Das Collective wurde von der Gründerin Lisa Robben mit der Intention ins Leben gerufen, echte Verbindungen zwischen ambitionierten Frauen zu schaffen, sich gegenseitig zu unterstützen und zu inspirieren. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, zum ersten Mal in einem Raum mit so vielen Frauen zu sein, die sich alle wohlgesonnen sind und ähnliche Erfahrungen teilen. Ich habe bei den IVYs einige der wertvollsten Gespräche meines Lebens führen und viel für meinen Karriereweg lernen dürfen.

Vor einiger Zeit habe ich mich mit einem Kollegen über unsere jeweiligen Erfahrungen mit Frauen- bzw. Männer-Netzwerken ausgetauscht und wir mussten schnell feststellen, dass diese sich nicht unbedingt decken. Während er sichtlich verwundert über die tiefen Gespräche und engen Verbindungen innerhalb der IVYs war, war ich überrascht darüber, wie viel direktes oder indirektes Business er aus seinem Netzwerk bis dato generiert hatte. Unterm Strich liess sich unser Gespräch wie folgt zusammenfassen: Ich hatte mein Netzwerk hauptsächlich für Mentoring genutzt, er seins hauptsächlich für Sponsorship. Ein gravierender Unterschied, denn während Mentoring vor allem Austausch, Beratung und Wissenstransfer meint, bedeutet Sponsorship aktive Fürsprache. Und nur bei letzterem wird aktiv die Karriere eines anderen vorangetrieben: Türen werden geöffnet, Projekte vermittelt und Empfehlungen ausgesprochen.

Laut KPMG Global Female Leaders Outlook 2025 benennen 76 % der Frauen das persönliche Netzwerk als den wichtigsten Faktor für beruflichen Erfolg. Auch mir war immer bewusst, dass die richtigen Kontakte mir dabei helfen können, in meiner Karriere voranzukommen. Trotzdem habe ich mein Netzwerk für Austausch und Coaching genutzt, aber nicht dafür, unmittelbar den Erfolg meines Business voranzutreiben. Die Wissenschaft sagt: damit bin ich kein Einzelfall.

Die Studie Gender Differences in Networking von Friederike Mengel aus dem Jahr 2024 bündelt Forschung aus dem Bereich und kommt zu folgendem Ergebnis: Frauen bilden eher kooperationsorientierte Netzwerke, während Männer stärker strategisch-allokativ netzwerken. Andere Studien bestätigen, dass Frauen häufiger Mentoring angeboten wird, während Männern öfter Sponsorship erhalten. Und auch die Analyse von LinkedIn Daten zeigt, dass Männer im beruflichen Kontext häufiger Kontaktanfragen an Personen in höheren Positionen senden, während Frauen die Plattform stärker zur Kommunikation und Beziehungspflege mit bestehenden Kontakten nutzen.

Frauen netzwerken also tatsächlich anders als Männer. Ein Grund dafür ist «Personal Hesitation»: Frauen haben eher moralische Bedenken gegenüber dem «Instrumentalisieren» von Beziehungen und unterschätzen ausserdem ihre Fähigkeiten und ihren eigenen Nutzen innerhalb eines Netzwerks. Beides ist das Resultat weiblicher Sozialisation.

Versteht mich nicht falsch: Austausch, Beratung und Wissenstransfer sind wertvoll und sollten unbedingt beibehalten werden. Aber die Teilhalbe von Frauen sinkt und Diversity Programme, die das verhindern sollen, werden weniger. Erst kürzlich erschien der neue Report der Allbright Stiftung zum Frauenanteil in deutschen Vorständen: Nach Jahren der positiven Entwicklung stagniert der Frauenanteil jetzt auf niedrigem Niveau (19,7 %) und auch bei den Neurekrutierungen wird wieder häufiger auf Männer zurückgegriffen (von 37 % auf 20 %).

Mir ist bewusst, dass Menschen Verhaltensweisen, die auf ihrer Sozialisierung beruhen, nicht von heute auf morgen ändern können. Das gilt auch für Networking. Deswegen habe ich einen Vorschlag. Lasst uns doch damit anfangen: Jedes Mal, wenn euch jemand nach einer Empfehlung für ein Projekt, ein Panel oder einen Speaking-Gig fragt oder wenn ihr selbst Aufträge zu vergeben habt, stellt euch folgende Frage: «Kenn ich eine Frau, die ich empfehlen kann?» Öffnet die Tür. Let’s sponsor women to success.


Aissu Diallo ist Executive Director Digital Excellence bei der Düsseldorfer Kreativagentur Butter. Nebenher engagiert sie sich als Chairwoman des GWA Young Board.

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