Sprung nach vorn oder Sprung über die Klippen?
Gastkommentar Werbefinanzierter Gratis-Musik-Download hätte schon viel früher kommen sollen, findet Alec von Tavel.
Gastkommentar Werbefinanzierter Gratis-Musik-Download hätte schon viel früher kommen sollen, findet Alec von Tavel.Selten hat eine Meldung in der Musikbranche für so viel Aufregung gesorgt: Der weltgrösste Musikproduzent Universal will über Spiralfrog seine Musik «gratis» ins Netz stellen. Der Musikkonsument muss als Gegenleistung während des Downloads Werbung konsumieren. Im Gegensatz zu vielen Branchenkollegen hat mich diese Meldung weder schockiert, noch hat sie mir den Glauben an die Zukunft der Musikbranche zurückgebracht. Es ist etwa fünf Jahre her, seit ich meinen Mitstreitern im Vorstand von IFPI Schweiz (International Federation of the Phonographic Industry) ziemlich genau das Geschäftsmodell von Spiralfrog vorstellte, ohne Hoffnung, die Idee könnte im IFPI-Vorstand, welchen die Major-Companies dominieren, auf Gegenliebe stossen. In den meisten Köpfen der Musikmanager sind die Gratis-Downloads noch immer schuld, dass es der Musikbranche heute so schlecht geht. Das Zusammengehen von Universal mit Spiralfrog kann ein Lösungsansatz sein. Nur ist auch da das richtige Vorgehen entscheidend.
Musikfirmen und Werber sind jetzt vor neue Herausforderungen gestellt. Die Frage lautet, für welche Produkte kann man mit welcher Musik werben? Welches Publikum erreicht man mit werbefinanzierter Gratismusik aus dem Web? Sicher gibt es auch Künstler, die nicht von McDonald’s und Toyota bezahlt werden wollen. Wer auf diese Fragen die richtigen Antworten hat, der wird mit dem neuen Modell genau so erfolgreich sein, wie dies der Gratiszeitung 20 Minuten geglückt ist. Ich wage zu behaupten, dass 20 Minuten keine schlechtere Zeitung ist als der Blick, nur weil 20 Minuten gratis ist und der Blick etwas kostet. Und weniger rentabel ist 20 Minuten deswegen auch nicht.
Musikproduzenten, Werbetreibende und Werber erhalten mit Spiralfrog eine neue Spielwiese. Die Spielregeln kennen wir noch nicht im Detail. Auf jeden Fall ist es ein Spiel, bei dem alle gewinnen, aber auch alle verlieren können. Wichtig ist nur, dass wir nebst den Spielregeln auch Taktik und Strategie verstehen, die zu einem Sieg führen. Google, MySpace und YouTube sind Geschäftsmodelle, die zeigen, wie sich mit Gratisleistungen im Web gutes Geld verdienen lässt.
Ein Überraschungsmoment hatte die Meldung aber auch für mich. Beim Besuch der Spiralfrog-Website stach mir ein Name ins Auge: Jay Berman. Dieser steht gleich hinter dem Chairman als erster Direktor von Spiralfrog. Genau dieser Jay Berman war früher Chairman der IFPI in London und in dieser Funktion quasi der weltoberste Musikpiraten- und «Peer-to-Peer»-Jäger. Hat er jetzt die Fronten gewechselt, weil er eingesehen hat, dass der Kampf der Musikindustrie gegen Gratis-Downloads verloren ist, oder ist es die Erkenntnis, woher in Zukunft die Erträge der Musikindustrie kommen könnten?
Alec von Tavel ist Gründer und Chef des Independent-Musiklabels Disctrade.
Musikfirmen und Werber sind jetzt vor neue Herausforderungen gestellt. Die Frage lautet, für welche Produkte kann man mit welcher Musik werben? Welches Publikum erreicht man mit werbefinanzierter Gratismusik aus dem Web? Sicher gibt es auch Künstler, die nicht von McDonald’s und Toyota bezahlt werden wollen. Wer auf diese Fragen die richtigen Antworten hat, der wird mit dem neuen Modell genau so erfolgreich sein, wie dies der Gratiszeitung 20 Minuten geglückt ist. Ich wage zu behaupten, dass 20 Minuten keine schlechtere Zeitung ist als der Blick, nur weil 20 Minuten gratis ist und der Blick etwas kostet. Und weniger rentabel ist 20 Minuten deswegen auch nicht.
Musikproduzenten, Werbetreibende und Werber erhalten mit Spiralfrog eine neue Spielwiese. Die Spielregeln kennen wir noch nicht im Detail. Auf jeden Fall ist es ein Spiel, bei dem alle gewinnen, aber auch alle verlieren können. Wichtig ist nur, dass wir nebst den Spielregeln auch Taktik und Strategie verstehen, die zu einem Sieg führen. Google, MySpace und YouTube sind Geschäftsmodelle, die zeigen, wie sich mit Gratisleistungen im Web gutes Geld verdienen lässt.
Ein Überraschungsmoment hatte die Meldung aber auch für mich. Beim Besuch der Spiralfrog-Website stach mir ein Name ins Auge: Jay Berman. Dieser steht gleich hinter dem Chairman als erster Direktor von Spiralfrog. Genau dieser Jay Berman war früher Chairman der IFPI in London und in dieser Funktion quasi der weltoberste Musikpiraten- und «Peer-to-Peer»-Jäger. Hat er jetzt die Fronten gewechselt, weil er eingesehen hat, dass der Kampf der Musikindustrie gegen Gratis-Downloads verloren ist, oder ist es die Erkenntnis, woher in Zukunft die Erträge der Musikindustrie kommen könnten?
Alec von Tavel ist Gründer und Chef des Independent-Musiklabels Disctrade.
