«Wir alle müssen verstehen, was AI heute für unseren Berufsalltag bedeutet – und was nicht»

Am 27. März bringt die AI in Marketing Konferenz im The Circle Zürich Klarheit in den KI-Hype. Veranstalterin Tanja Herrmann setzt auf fundierte Inhalte, praxisnahe Anwendungen und kritische Diskussionen.

Tanja Herrmann, Veranstalterin der AI in Marketing Konferenz

Die AI in Marketing Konferenz geht über den Hype hinaus: Sie zeigt, wo KI im Marketing echten Mehrwert bietet – und wo nicht. Veranstalterin Tanja Herrmann, bekannt für den Social Media Summit, setzt auf ein hochkarätiges Line-up mit Keynotes, Panels und interaktiven Masterclasses. Welche Tools und Strategien wirklich relevant sind, welche Missverständnisse ausgeräumt werden müssen und warum KI kein reines IT-Thema ist, sondern ein Change-Management-Projekt – das alles und mehr im Interview.

 

Können Sie sich an Ihr erstes persönliches Erlebnis mit Künstlicher Intelligenz erinnern – wann hatten Sie das erste Mal das Gefühl, dass KI Marketing verändern könnte?

Mein erster persönlicher Berührungspunkt mit KI – so wie wir sie jetzt kennen – war vor rund vier Jahren. Ein Kollege hatte sich für die Beta-Version von Dalle registriert. Bei einem Apéro zeigte er mir, wie man aus Text Bilder generieren konnte. Da dachte ich mir: «Wie praktisch, endlich kann ich all die Dinge, so wie ich sie mir vorstelle, direkt beschreiben und per Knopfdruck visualisieren lassen». Den Abend verbrachten wir aber erstmal damit, eine Katze im Bikini in einer Metzgerei mit einer Gurke zu visualisieren.

 

Was hat Sie dazu bewogen, die «AI in Marketing Konferenz» ins Leben zu rufen – und warum gerade jetzt?

Das Thema AI ist omnipräsent – alles entwickelt sich so rasant und oft auch undurchsichtig, dass das schnell frustrierend sein kann. Hat man nicht den ganzen Tag Zeit, sich damit zu beschäftigen, verliert man gefühlt den Anschluss. Zugleich gibt es ein Überangebot an Kursen und Events – oft aber viel zu technisch für das, was ich selbst bewerkstelligen kann – oder dann nicht relevant genug für mein Anliegen. Die Überlegung war tatsächlich: Bevor ich mir an verschiedensten Veranstaltung jeweils die 1-2 Inhalte heraussuchen muss, die für mich im Marketing relevant sind, könnte ich doch ein Programm zusammenstellen mit den Themen, die mich und meine Berufskolleg:innen – ohne technischen Background – am meisten beschäftigen. Die grösste Herausforderung: Nach acht Jahren Social Media Summit wusste ich auch sehr genau, was es bedeutet, wenn ich eine zweite Konferenz aufbauen möchte. Vor acht Jahren war eine gute Prise Naivität im Nachhinein ganz dankbar.

 

Die Marketingbranche erlebt oft Hypes um neue Technologien. Was macht KI anders – und warum reicht es nicht, einfach nur Tools einzuführen?

Es ist wohl fair zu sagen, dass wir beim Thema AI aktuell in der Hype-Phase stecken. Weggehen wird es aber nicht mehr. Das, was AI so anders macht, ist einerseits die Geschwindigkeit, mit der es in unseren Alltag Einzug genommen hat – und das ohne formales Training. Andererseits arbeiten wir mit Tools, ohne sie ganz zu verstehen. Das ist ein Problem, wenn wir uns auf die Ergebnisse verlassen wollen. Das Problem mit dem reinen «Tool-Ansatz» ist, dass wir in bestehenden Prozessen einzelne Arbeitsschritte an AI-Tools abgeben. Mit AI muss man sich aber die Frage stellen, ob der Prozess als solcher noch sinnvoll ist, oder sich durch den Einsatz von AI nicht auch ganz andere Möglichkeiten ergeben. AI ist in Firmen somit nicht ein reines IT-Projekt, sondern Teil eines Change Management-Projekts.

 

Welches Problem löst die Konferenz? Welche Fehlinformationen oder Missverständnisse wollen Sie mit dem Event gezielt ausräumen?

Die Konferenz verschafft einen Überblick und ordnet ein: Wie funktionieren die verschiedenen AI-Modelle, was gibt es für konkrete Anwendungsfälle und welche rechtlichen und ethischen Herausforderungen begegnen uns dabei.

 

Welche Art von Inhalten und Sessions erwarten die Teilnehmenden? Wird es mehr um Strategie gehen oder um praktische Anwendungen?

Die Konferenz bietet drei verschiedene Formate: Klassische Keynotes, Panels aber auch eine Vielzahl an Masterclasses, bei denen direkt selbst ausprobiert werden kann. Bei allen Sessions geben wir zudem an, ob sie sich an Anfänger:innen oder Fortgeschrittene wenden und ob bei der Session gleich konkrete Tools zum Einsatz kommen.

 

Wie haben Sie die Speaker:innen ausgewählt? Nach welchen Kriterien haben Sie entschieden, wer wirklich als KI-Expert:in auf der Bühne stehen sollte?

Ich war über den Sommer 2024 mit knapp 70 AI-Expert:innen aus ganz Europa im Austausch. Mit knapp 50 von ihnen auch in längeren Calls. Ich wollte von ihnen wissen, welche Themen die Forschung, die Rechtsprechung und die Schulen bewegen. Welche Themen erhalten ihrer Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit, welche Projekte konnten sie bereits erfolgreich umsetzen, was ist ihr Background. Bei solchen Gesprächen trennt sich dann relativ schnell die Spreu vom Weizen. Es kamen dann immer wieder neue Leute dazu und so entstand über Monate hinweg Stück für Stück das Programm.

 

In den letzten Jahren sind viele neue «AI-Marketing-Expert:innen» aufgetaucht. Wie erkennt man, ob jemand wirklich fundiertes Wissen hat?

In dem man sich kurz Zeit nimmt, Lebensläufe und Referenzen zu überprüfen und dann mit den Leuten spricht. Nach so vielen Vorbereitungsgesprächen mit Personen, die bereits vor ChatGPT & Co. an Themen wie maschinellem Lernen, Large Language Models und neuronalen Netzwerken geforscht haben, erkennt man irgendwann ein Buzzword Bingo. Denn echte Inhalte lassen sich auch in einfachen Worten erklären.

 

Wer sind für Sie persönlich die spannendsten Speaker:innen auf dieser Konferenz – und warum?

Persönlich freue ich mich sehr, dass wir auch kritischere Themen rund um AI beleuchten werden. Im Panel mit Dr. Sabine Lehmann von Google Deep Mind, Henriette Engbersen vom SRF und Prof. Dr. Peter Kichschläger von der Universität Luzern geht es um das Spannungsfeld zwischen Innovation und Ethik. Aber auch die ganzen Masterclasses, bei denen die AI-Tools direkt zum Einsatz kommen, sind für mich ein Highlight.

 

Gibt es ein KI-Thema, das aktuell besonders kontrovers diskutiert wird und auf der Konferenz vielleicht für spannende Debatten sorgen könnte?

Die generelle Kontroverse sind Daten, woher kommen sie und was passiert mit den Daten, die wir durch unsere tägliche Arbeit mit den Tools teilen. Das Publikum hat nach jeder Session die Möglichkeit Fragen zu stellen, da könnte ich mir schon die eine oder andere kritische Frage vorstellen, die auch den Herausgeber:innen dieser Tools direkt gestellt werden.

 

Was wird Ihrer Meinung nach in der aktuellen KI-Debatte im Marketing zu oft ignoriert oder unterschätzt?

Welche unglaubliche Macht sich auf ein paar wenige Player verteilt. Hier müssen wir uns als Schweiz und als Europa überlegen, welche Abhängigkeiten wir für die Zukunft aufbauen und wem wir mit unseren Daten vertrauen möchten.

 

Wie unterscheiden sich die Perspektiven von internationalen und Schweizer KI-Expert:innen? Gibt es hier eine besondere Dynamik?

In meinem Empfinden geht die Schweiz sehr pragmatisch an das Thema AI heran. Wir sind uns der Abhängigkeit und Datenunsicherheit bewusst, aber unser Tonfall ist weniger emotional als der im restlichen Europa. Als Meisterin der Sonderwege und mit der ETH im Herzen der Schweiz, fühle ich weniger Hilflosigkeit unter Expert:innen hier in der Schweiz.

 

Sie haben mit dem Social Media Summit bereits eine der grössten Marketingkonferenzen der Schweiz etabliert. Was nehmen Sie aus dieser Erfahrung mit in die AI in Marketing Konferenz?

Dass der Aufbau einer Konferenz und ihrer «Community» Zeit, Fingerspitzengefühl in der Kommunikation mit allen Parteien und viel Liebe zum Detail braucht. Es sind tatsächlich auch die scheinbar kleinen Dinge, die dazu führen, dass die Leute am Ende sagen: Da komme ich wieder.

Tanja Herrmann auf der Bühne der Webstages 2023 während der Ankündigung des Social Media Summits 2024.

 

Wie schaffen Sie es, dass Ihre Konferenzen nicht nur informative, sondern auch inspirierende Erlebnisse werden?

In dem ich mir konsequent die Frage stelle: «Fände ich das so wirklich gut?». Eine Konferenz braucht neben guten Inhalten, funktionierender Technik (und viel Essen) auch eine Prise Magie. Dinge, die überraschen – wie beispielsweise als Location ein ganzes Bergdorf zu mieten.

 

Welche Erwartungen haben Sie an die erste Ausgabe der Konferenz? Gibt es ein bestimmtes Learning, das die Teilnehmenden mitnehmen sollten?

Mein Ziel ist, dass die Leute am Ende sagen können, jetzt habe ich einen besseren Überblick über das, was läuft, konkrete Tipps, die ich morgen umsetzen kann und Informationen, die für mich in meinem Alltag tatsächlich relevant ist.

 

Die Marketingwelt verändert sich rasant. Wird «AI in Marketing» ein einmaliges Event oder ist eine Fortsetzung bereits geplant?

Wir sind im Hintergrund bereits fleissig an der Planung für 2026. Mehr dazu verraten wir am 27. März 2025 auf Platz.

 

Zum Abschluss: Wenn Sie in einem Satz zusammenfassen müssten, warum Marketers die Konferenz nicht verpassen sollten – was wäre Ihre Antwort?

Weil wir alle verstehen müssen, was AI heute für unseren Berufsalltag konkret bedeutet, und was nicht.

 

Die AI in Marketing Konferenz findet am 27. März im The Circel, Flughafen Zürich statt. Hier geht es zu den Tickets. 

More articles on the topic