Tracy Jans zu Gast im Podcast von Nicoletta Cimmino und Peter Hossli

Seit 25 Jahren lebt die Amerikanerin Tracy Jans in der Schweiz. Im USA-Podcast «1776» von Nicoletta Cimmino und Peter Hossli spricht die Ehefrau von Bundesrat Beat Jans über das Leben in zwei Kulturen, warum sie sich nicht so sehr für Politik interessiert – und dass sie den Alltagsflirt vermisst.

Nicoletta Cimmino, Tracy Jans und Peter Hossli im Podcast-Gespräch (v.l.n.r.). (Bild: zVg.)

In ihrem Podcast «1776» greifen Nicoletta Cimmino und Peter Hossli amerikanische Themen auf. In der aktuellen Folge ist Bundesratsgattin Tracy Jans zu Gast. «Ich habe das Privileg, zwei Orte sehr gut zu kennen», sagt die Amerikanerin mit Schweizer Pass. «Beide Länder haben Fantastisches – und solches, bei dem man denkt: Okay, daran könnte man arbeiten.» Zuhause fühlt sie sich dort, wo sie lebt: «Meine Heimat ist die Schweiz.»

Ihr fehle etwas Amerikanisches, sagt Tracy Jans. «Ich vermisse diese kurzen Gespräche mit Leuten, die ich nicht kenne.» Die Alltagsflirts auf der Strasse, im Café mit Leuten, die man danach nie wieder sieht, mit denen man aber einen kurzen Moment teilt. «Wenn ich mit Leuten in der Schweiz darüber spreche, bin ich überrascht, dass sie das gar nicht auf dem Radar haben.»

Tracy Jans hat ihre beiden Kinder in der Schweiz grossgezogen und spricht im Podcast «1776» über die Unterschiede der Bildungssysteme. Sie schätzt es, dass man in den Schweizer Schulen nicht nur lernt, was in den Büchern steht, sondern auch zu schwimmen, Velo zu fahren und gesund zu essen.

«In den USA glauben die Leute, dass man alles erreichen kann, wenn man hart arbeitet», beschreibt Jans einen weiteren Unterschied. «Die Schweiz hat etwas mehr von dieser ‹Nobody Left Behind›-Philosophie, was ich wunderbar finde.»

Unterschiede macht sie im politischen System aus. Kaum sei in den USA ein neuer Präsident an der Macht, werde geändert, was der Vorgänger gemacht habe. Die Schweiz sei da langsamer, aber stabiler.

Bei den US-Präsidentschaftswahlen im Herbst werde sie Joe Biden wählen. Tracy Jans bezeichnet Barack Obama als ihren Lieblingspräsidenten. «Er verkörperte diese Hoffnung, dieses Amerikanische, dieses Gefühl, dass alles möglich ist.»

Sie selbst sei «kein politischer Mensch», betont Tracy Jans. «Ich mag Politik nicht wirklich. Und wenn ich Beat kennengelernt hätte und er wäre damals Politiker gewesen, dann bin ich mir nicht sicher, ob wir zusammengekommen wären.»

Aber es wäre ihr nie in den Sinn gekommen, ihren Mann von der Politik fernzuhalten. Sie erkennt die Freude, die Jans an der Politik hat. «Es gibt ihm viel Energie und Freude.» Und sie wisse, dass er am richtigen Platz sei. «Wenn man jemanden liebt, ist das alles, was man sich für ihn wünscht.»

Die Biostatistikerin ist nicht wegen Beat Jans in die Schweiz gezogen, sondern wegen einer Stelle bei Novartis. «Ich hatte Beat schon ein paar Mal getroffen, aber wir waren nicht zusammen. Und ich fand es einen schönen Zufall, dass ich ein Jobangebot in einer Stadt hatte, in der ich einen wirklich netten Typen kannte.»

Sie schlüpfe nun in eine neue Rolle, sagt Tracy Jans über die Auswirkungen der Wahl ihres Mannes in den Bundesrat. «Wir haben uns immer gegenseitig unterstützt.» Sie müsse jetzt flexibler sein. «Ich muss einiges von dem übernehmen, was er zu Hause gemacht hat, und den Kindern das Gefühl geben, dass alles in Ordnung ist.»


Der unabhängige USA-Podcast «1776» wird von Nicoletta Cimmino, publizistische Leiterin bei Gassmann Media, und Peter Hossli, Leiter der Ringier Journalistenschule, produziert und moderiert. Der Podcast ist auf Spotify, Apple Podcast und YouTube zu hören.

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