Zu guter Letzt: Wallraff im Call-Center
Branchenexperten in Deutschland sind erzürnt über eine Undercover-Story des bekannten Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff. Für das Buch «Ganz Unten» arbeitete er als Türke Ali jahrelang auf Baustellen, nun recherchierte er in einem Call Center.
Branchenexperten in Deutschland sind erzürnt über eine Undercover-Story des bekannten Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff. Für das Buch «Ganz Unten» arbeitete er als Türke Ali jahrelang auf Baustellen, nun recherchierte er in einem Call Center.
Es ist die Wachstumsbranche schlechthin – dieses Jahr wird die Zahl der Call-Center-Agents allein in Deutschland auf rund eine halbe Million anwachsen. Um sich ein Bild zu machen, bewarb sich Wallraff bei CallOn und absolvierte einen zehnstündigen Probetag. Den Job kriegte er nicht, aber er hat ja schon einen: In der «Zeit» veröffentlichte er seine Rechercheergebnisse und kommt dabei zum Schluss, dass Call Center die Bergwerke der Neuzeit sind: «Tausende arbeiten im Verborgenen, werden unsichtbar – und ihre Arbeitsbedingungen auch.» Kein Geheimnis ist die schlechte Entlöhnung, oft weit unter 10 Euro die Stunde, ein Tarif, der in vielen Unternehmen bei schlechter Leistung zudem gekürzt wird.
Einige Call-Center verlangen Bescheinigungen der Krankenkassen über die Ausfallzeiten der vergangenen zwei Jahre. Kein Wunder: Call-Center Agenten müssen äusserst stressresistent sein; nicht selten haben sie bis zu 90 Kundenkontakte pro Tag. Zudem nehmen die so genannten Outbound-Calls zu, Verkaufsgeschäfte also. Die Agents verkaufen Lottolose und Zeitschriftenabonnements, aber auch Versicherungsverträge und Hedgefonds, oft überteuert. Fast immer sei der Kunde der Betrogene. «Die Call Center rufen tagein, tagaus bei den Leuten an – in der Regel ungebeten», so Wallraff.
Mit seinem Bericht erntet er harten Widerspruch aus der Branche. Wallraff werden eklatante Recherche-Missgeschicke unterstellt, mit der von ihm inspizierten Call-On habe er sich von vornherein ein schwarzes Schaf ausgesucht – und die gebe es ja überall. Im Vergleich zu Bergwerken beherbergten Call-Centers keine Gesundheitsrisiken und Unfallgefahren. Lobbyverbände verweisen auf die Beschwerdestelle und den Ehrenkodex, der eindeutig regle, dass es unlauter sei, einen Verbraucher ohne dessen Einwilligung zu Werbezwecken anzurufen. – Das sollte man der Süddeutschen Lotterie unbedingt mal mitteilen, oder gilt der Kodex nicht für Schweizer Verbraucher?
Es ist die Wachstumsbranche schlechthin – dieses Jahr wird die Zahl der Call-Center-Agents allein in Deutschland auf rund eine halbe Million anwachsen. Um sich ein Bild zu machen, bewarb sich Wallraff bei CallOn und absolvierte einen zehnstündigen Probetag. Den Job kriegte er nicht, aber er hat ja schon einen: In der «Zeit» veröffentlichte er seine Rechercheergebnisse und kommt dabei zum Schluss, dass Call Center die Bergwerke der Neuzeit sind: «Tausende arbeiten im Verborgenen, werden unsichtbar – und ihre Arbeitsbedingungen auch.» Kein Geheimnis ist die schlechte Entlöhnung, oft weit unter 10 Euro die Stunde, ein Tarif, der in vielen Unternehmen bei schlechter Leistung zudem gekürzt wird.
Einige Call-Center verlangen Bescheinigungen der Krankenkassen über die Ausfallzeiten der vergangenen zwei Jahre. Kein Wunder: Call-Center Agenten müssen äusserst stressresistent sein; nicht selten haben sie bis zu 90 Kundenkontakte pro Tag. Zudem nehmen die so genannten Outbound-Calls zu, Verkaufsgeschäfte also. Die Agents verkaufen Lottolose und Zeitschriftenabonnements, aber auch Versicherungsverträge und Hedgefonds, oft überteuert. Fast immer sei der Kunde der Betrogene. «Die Call Center rufen tagein, tagaus bei den Leuten an – in der Regel ungebeten», so Wallraff.
Mit seinem Bericht erntet er harten Widerspruch aus der Branche. Wallraff werden eklatante Recherche-Missgeschicke unterstellt, mit der von ihm inspizierten Call-On habe er sich von vornherein ein schwarzes Schaf ausgesucht – und die gebe es ja überall. Im Vergleich zu Bergwerken beherbergten Call-Centers keine Gesundheitsrisiken und Unfallgefahren. Lobbyverbände verweisen auf die Beschwerdestelle und den Ehrenkodex, der eindeutig regle, dass es unlauter sei, einen Verbraucher ohne dessen Einwilligung zu Werbezwecken anzurufen. – Das sollte man der Süddeutschen Lotterie unbedingt mal mitteilen, oder gilt der Kodex nicht für Schweizer Verbraucher?
