Zu guter Letzt: Hier entschuldigt sich der Chef
Starfotografin (oder Fotogöttin) portraitiert Königin, Königin fährt Starfotografin über den Mund, Fernsehstation dreht ersterer die Worte in deren Mund um und schnippselt so die Wahrheit zurecht, worauf sich die Fernsehstation bei der Königin und der Fotogöttin entschuldigen muss. Das passiert, Annie Leibovitz die Queen fotografiert und die BBC darüber berichtet.
Starfotografin (oder Fotogöttin) portraitiert Königin, Königin fährt Starfotografin über den Mund, Fernsehstation dreht ersterer die Worte in deren Mund um und schnippselt so die Wahrheit zurecht, worauf sich die Fernsehstation bei der Königin und der Fotogöttin entschuldigen muss. Das passiert, Annie Leibovitz die Queen fotografiert und die BBC darüber berichtet. Für die meisten Fernsehstationen wäre es Alltag. Oder gar ein gelungener Teaser. Für den (ehemaligen) Super-Über-Megaprestigesender BBC, die beinah unerreichbare Messlatte für Journalisten in der ganzen Welt, ist es, wie weltlichere Medien weltweit mit Freude melden, nur eines: peinlich. Im Corpus Delicti, ein auf der BBC mehrmals ausgestrahlter Werbeclip für einen Dokfilm, wird dank geschicktem Schnitt suggeriert, die Queen wäre beim Fotoshooting mit der amerikanischen Fotografin Annie Leibovitz – in ihrem Fach mindestens ebenso adlig wie die Queen und so überirdisch wie die BBC – wütend und in vollem Ornat aus dem Shooting davon gestürmt. Leibovitz habe die Queen erzürnt mit der Aufforderung die Krone abzunehmen. Dies, so mussten hohe Vertreter der Fernsehanstalt am Donnerstag einräumen, stimme so nicht ganz. Sorry. Die Queen habe den Fototermin gar nicht frühzeitig abgebrochen, aber den gut gemeinten Vorschlag der Fotografin auf unüblich brüske Weise verneint und diese nicht mal den Satz fertig sprechen lassen. Weshalb genau die Queen nach getaner Arbeit aber so wütend aus dem Zimmer rauschte, weiss niemand. Wie die Bilder sind, das wissen die Kritiker am besten, aber einig sind sie sich nicht: Während ein Kolumnist der New York Times der Queen in etwa eine Persönlichkeit einer Holzfigur attestierte, zeigte sich ein britischer Kollege erleichtert, dass die für provokative Posen bekannte Leibovitz die Queen klassisch portraitierte und nicht «in der Badewanne oder beim break-dancing».
